Süddeutsche Zeitung

Baustellen in Freising:Was nicht passt, wird passend gemacht

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Damit bis Ende des Jahres Betonmischer auf den Domberg fahren können, muss die Straße unter einem 500 Jahre alten Torbogen abgesenkt werden. Anwohner sorgen sich wegen der beengten Verhältnisse auch um die Sicherheit der Schüler.

Von Kerstin Vogel, Freising

Die Bauarbeiten für das neue Gästehaus auf dem Freisinger Domberg treten in dieser Woche in eine neue Phase. Die Baugrube für den geplanten Anbau an das Kardinal-Döpfner-Haus ist ausgehoben, jetzt geht es an die Fundamente und den Rohbau. Anders als erhofft, wird das Material dafür nun allerdings doch in schweren Lastwagen und Betonmischern über die Dombergauffahrt von der Heiliggeistgasse her angeliefert werden müssen - mit allen Problemen, die das aufgrund der beengten Verhältnisse dort oben mit sich bringt.

Vor allem große Betonmischer werden es zunächst sein, die ihre schwere Fracht die schmale Gasse hinaufbringen. Etwa einen pro Stunde erwartet das Erzbischöfliche Ordinariat nach Rücksprache mit der beauftragten Firma - und das erste große Hindernis soll noch in dieser Woche "entschärft" werden, wie den Anliegern am vergangenen Freitag mitgeteilt wurde. Die Straße unter dem 500 Jahre alten Torbogen an der Auffahrt soll um 20 Zentimeter abgesenkt werden, damit die fast vier Meter hohen Betonmischer überhaupt hindurchpassen - sehr zur Sorge von Anwohner Christian Hauk.

Schon kurz vor Weihnachten habe er mitbekommen, dass die Dombergauffahrt in diesem Bereich aufgegraben werden solle, schildert Hauk. Hellhörig geworden, habe er nachgefragt und erfahren, dass man untersuchen wolle, ob die Straße 80 Zentimeter tiefer gelegt werden könnte, damit größere Lastwagen und Betonmischfahrzeuge für Materiallieferungen durch das Tor auf den Domberg fahren können. Bis zu diesem Zeitpunkt sei er eigentlich davon ausgegangen, dass der benötigte Beton wie angekündigt von der Bahnhofstraße auf den Berg gepumpt werde. Das sei eine etablierte Technik, so Hauk.

Weitere Nachfragen hätten dann zunächst ergeben, dass auch der Denkmalschutz die Absenkung der Straße ablehne, so Hauk. Deshalb sei die Angelegenheit für ihn erledigt gewesen, "bis vor gut einer Woche plötzlich zwei Herren bei mir im Hausflur standen, um eine Beweissicherung wegen der nun doch geplanten Tieferlegung der Straße durchzuführen". Auf eine neuerliche Anfrage beim Ordnungsamt sei ihm gesagt worden, dass die Absenkung tatsächlich geplant sei und schon am 7. März beginne - allerdings solle die Straße nur 20 Zentimeter tiefer gelegt werden. Die offizielle Information der Anwohner sei dann überhaupt erst am vergangenen Freitag gekommen, berichtet Hauk verärgert, offensichtlich habe die Erzdiözese Druck gemacht, damit das jetzt alles schnell gehe.

Doch nicht nur über die späte Information ärgert sich der Anwohner, er sorgt sich auch um den unter Denkmalschutz stehenden Torbogen, der schon jetzt ständig angefahren und beschädigt werde. Zudem sei der gesamte Domberg eigentlich ein verkehrsberuhigter Bereich und die Auffahrt auch der Schulweg zum Domgymnasium. Die Schulleitung dort sei ebenfalls "aus allen Wolken gefallen", so Hauk: "Das ist doch mit dem ganzen Schwerlastverkehr nicht mehr sicher da oben."

Diese Bedenken teilt die Stadt Freising offenbar nicht. Für das Vorhaben lägen alle erforderlichen Genehmigungen vor - inklusive einer denkmalschutzrechtlichen Erlaubnis. Die Arbeiten zur Absenkung der Straße würden außerhalb der Schulzeiten, also am Abend beziehungsweise am Wochenende ausgeführt, versichert Hauptamtsleiter Rupert Widmann. Was den Baustellenverkehr angehe, gebe es insgesamt drei Posten, die sich oben, vor der Schule und unten an der Heiliggeistgasse um die Sicherheit kümmerten. Dafür und für die Information der Anwohner sei allerdings die Bauherrin, die Erzdiözese also, zuständig.

Die Erzdiözese wiederum entschuldigt die späte Mitteilung an die Betroffenen damit, dass die Genehmigung seitens der Stadt erst am Mittwoch vergangener Woche eingegangen sei. Die Bedenken der Anwohner teilt man hier ebenfalls nicht. Es gebe ja bereits Baustellenverkehr auf den Domberg, sagt Christoph Kappes, Sprecher der Diözese. Für die Schülerinnen und Schüler auf dem Schulweg habe man bereits "Schutzzeiten" morgens und mittags vereinbart, in denen dann auch die Betonmischer nicht fahren würden, und schon jetzt sorgten eigens abgestellte Mitarbeiter zusätzlich für Sicherheit, bestätigt Kappes. Der Torbogen werde mit einer Schutzvorrichtung versehen, das Pflaster darunter werde vorübergehend ausgebaut und die Auffahrt bekomme für die Zeit dieser Nutzung eine neue Fahrbahndecke.

Den Beton auf den Berg zu pumpen, schadet der Qualität

Die Belieferung der Baustelle über eine Betonpumpe sei tatsächlich im Gespräch gewesen, bestätigt Kappes, "aber das war nur eine Option". Experten hätten jedoch davon abgeraten, weil bei dieser Methode "die Betonqualität nicht zu gewährleisten wäre". Eine Belieferung der Baustelle über den eigens noch einmal vergrößerten Kran, der in der Brunnhausgasse steht, sei wiederum wegen des Schrägaufzuges eingeschränkt, der aktuell gebaut werde und ab Mai die Menschen auf den Domberg bringen soll, so Kappes. Die Betonmischer müssten also auf den Domberg fahren - voraussichtlich aber nur bis Ende des Jahres.

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