Freisinger DiözesanmuseumGanz neu, ganz oben

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Der "Arcangelo" der belgischen Bildhauerin Berlinde de Bruyckere empfängt Besucherinnen und Besucher in der Aula.
Der "Arcangelo" der belgischen Bildhauerin Berlinde de Bruyckere empfängt Besucherinnen und Besucher in der Aula. Marco Einfeldt

Nach fast einem Jahrzehnt und einer 73 Millionen Euro teuren Rundumsanierung kann das kirchliche Museum auf dem Freisinger Domberg wieder öffnen und wird zu einem touristischen Anziehungspunkt für die Stadt.

Von Birgit Goormann-Prugger, Freising

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Der "Arcangelo" der belgischen Bildhauerin Berlinde De Bruyckere in der Aula des neu gestalteten Freisinger Diözesanmuseums könnte da, wo er jetzt steht, nicht besser positioniert sein. Der überlebensgroße Erzengel empfängt die Besucherinnen und Besucher, die nach fast einem Jahrzehnt der Schließung das Haus seit Oktober wieder betreten können, in Sack und Asche, barfuß, das Haupt mit einem Tuch verhüllt. Er sagt damit so viel aus über das, was Museumdirektor Christoph Kürzeder und sein Team für die Zukunft vorhaben.

Zentrale Themen von Berlinde De Bruyckeres Schaffen sind die Verletzlichkeit von Mensch und Natur, das menschliche Bedürfnis nach Schutz und Wärme, nach Liebe und Verständnis, aber auch die oft brutale Realität, die durch Aggression und Gewalt, Schmerz und Angst beherrscht wird. Wenn man so will, erzählt der Erzengel auch davon, was der Mensch sich mit seiner Existenz selbst antut, mit dem Raubbau der Ressourcen, den er auf dem Planeten betreibt, und den Kriegen, die so viel Leid bringen.

Abkehr vom goldgewandeten Erzengel mit Heiligenschein und Schwert

"Wir wollen die Menschen da abholen, wo sie jetzt sind", hatte Christoph Kürzeder zur Eröffnung des kirchlichen Museums Ende September bei einem Rundgang für die Presse ein paar Tage vor dem offiziellen Start versprochen. Keine goldgewandeten Erzengel mit Heiligenschein und Schwert also, sondern der frierende, in Lumpen gehüllte Arcangelo von Berlinde De Bruyckeres. Auch das Marienbild in der ehemaligen Kapelle des früheren Knabenseminars, eine blondgelockte Dame, auf die es Rosen regnete, wurde abgehängt. Stattdessen hat der amerikanische Lichtkünstler James Turrell eigens für das Diözesanmuseum für diesen Raum eine Lichtinstallation als Dauereinrichtung geschaffen. In Anspielung auf das Freisinger Lukasbild, die bedeutendste byzantinische Ikone in der Sammlung mit ihren etwa 40.000 Exponaten, nannte er sein Werk "A Chapel for Luke and his scribe Lucius The Cyrene".

Das neu eröffnete Diözesanmuseum in Freising ist ein neuer Anziehungspunkt für Touristen.
Das neu eröffnete Diözesanmuseum in Freising ist ein neuer Anziehungspunkt für Touristen. Marco Einfeldt

Bis Christoph Kürzeder all das erzählen konnte, war es ein hartes Ringen. Im Juli 2013 hatte das Haus bekanntlich von einem Tag auf den anderen schließen müssen. Für den 1974 eröffneten Museumsbetrieb lag gar keine Genehmigung vor. Außerdem durfte man wegen erheblicher Mängel beim Brandschutz keine Besucher mehr einlassen.

Nach fast einem Jahrzehnt, einem Architektenwettbewerb, vielen Debatten zum Thema Denkmalschutz, einer Pandemie, einer Zeitenwende und einer 73 Millionen Euro teuren Rundumsanierung war es am 2.Oktober endlich so weit. Die Türen öffneten sich wieder und das Motto lautet: "Wie immer. Nur neu."

Bodentiefe Fenster lassen die Welt in das kirchliche Museum

Das Warten hat sich gelohnt, denn der Siegerentwurf "Geöffnete Wände" des Architekturbüros Brückner & Brückner aus Tirschenreuth unterstreicht geradezu die thematische Konzeption der kirchlichen Sammlung. Kürzeder und sein Team wollen all die Fragen beantworten, die den Menschen ausmachen: Wo kommen wir her, warum sind wir hier, was ist der Sinn des Lebens? Was gibt Orientierung, Halt und Hoffnung? Was sind Freude und Glück? Die Architektur nimmt das auf, die bodentiefen Fenster lassen die Welt hinein in das kirchliche Museum. Durch die geöffneten Wände und Sichtachsen tritt alles miteinander in Bezug. Der Besucher wandert nicht mehr einfach nur von Raum zu Raum. Er wird zum Teil einer Inszenierung.

Christoph Kürzeder kann endlich wieder durch sein Museum führen.
Christoph Kürzeder kann endlich wieder durch sein Museum führen. Marco Einfeldt
Der neue Gastrobereich ist bei den Besucherinnen und Besuchern beliebt.
Der neue Gastrobereich ist bei den Besucherinnen und Besuchern beliebt. Marco Einfeldt

Die Gäste ließen bei den zwei Tagen der offenen Tür Anfang Oktober nicht auf sich warten. Viele wollten sich die Neuinszenierung kirchlicher Kunst nicht entgehen lassen. Und auch nicht den Besuch im neuen Museumscafé, in dem man sich nach dem Kunstgenuss stärken kann. Vorher war das nicht möglich gewesen. In der Stadt Freising ist man froh, auf dem Domberg wieder diesen Anziehungspunkt für Besucher zu haben. Kulturamtsleiter Ingo Bartha spricht dann auch von einem "hochwertigen Kulturangebot", das Freising als Reiseziel für Städte- oder Kulturtouristen interessanter mache. Er ist optimistisch, dass die Sonderausstellungen des Museums auf dem Domberg große Resonanz und hohe mediale Präsenz haben werden.

Gut möglich, dass das schon im März 2023 der Fall sein wird, wenn sich das Diözesanmuseum mit einem mutigen Projekt präsentiert. Das Museum setzt sich dann mit dem Verhältnis von Religion und Sexualität auseinander. Die Sonderausstellung "Verdammte Lust! Kirche. Körper. Kunst" lotet das Verhältnis der Kirche zur Sexualität in Kunst und Kulturgeschichte aus und zeigt, wie Künstler und Künstlerinnen sich in diesem Spannungsfeld bewegen und bewegt haben.

Weitere Informationen unter https://www.dimu-freising.de

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SZ PlusVon Birgit Goormann-Prugger (Text und digitale Umsetzung)

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