Landkreise Dachau und FreisingGemeinsamer Hochwasserschutz an der Glonn

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Die Aufnahme der Drohnengruppe der Feuerwehren vom 3. Juni 2024 zeigt, wie dramatisch die Situation in Hohenkammer war. Tiefer gelegene Ortsteile standen unter Wasser.
Die Aufnahme der Drohnengruppe der Feuerwehren vom 3. Juni 2024 zeigt, wie dramatisch die Situation in Hohenkammer war. Tiefer gelegene Ortsteile standen unter Wasser. (Foto: Feuerwehr)

Die über die Ufer getretene Glonn hat Anfang Juni 2024 ganze Siedlungen überflutet. Auf Initiative des Freisinger Landrats planen Gemeinden aus seinem Landkreis und dem Nachbarlandkreis Dachau jetzt, enger zusammenzuarbeiten.

Von Petra Schnirch, Freising

Die erschreckenden Bilder haben viele noch vor Augen: Anfang Juni 2024 überflutete die Glonn nach extremen Regenfällen Teile der Ortschaften Hohenkammer und Allershausen im Landkreis Freising. Im Nachbarlandkreis Dachau waren vor allem Markt Indersdorf und Petershausen betroffen.  Um Überschwemmungen dieses Ausmaßes künftig zu verhindern, beabsichtigen die beiden Landkreise beim Hochwasserschutz enger zusammenzuarbeiten. Der Startschuss ist bei einem Treffen im Freisinger Landratsamt gefallen. Klar wurde aber auch: Ein vollständiger Schutz für bewohnte Gebiete wird nicht machbar sein.

Anfang Juni 2024 hatte es insbesondere im Landkreis Dachau heftig geregnet. Die Glonn trat über die Ufer – höher als bei Unwettern in den Jahrzehnten zuvor. Der Fluss habe sich „in ein Meer verwandelt“, beschrieb der Freisinger Landrat Helmut Petz (Freie Wähler) die Lage bei dem Austausch, an dem sein Dachauer Amtskollege Stefan Löwl (CSU), mehrere Bürgermeister sowie die beiden Kreisbrandräte Manfred Danner (Freising) und Georg Reischl (Dachau) teilnahmen. Nach Worten von Stefan Homilius, Leiter des Wasserwirtschaftsamts München, „knirscht“ es überall dort, wo Leute in gefährdete Gebiete hineinbauen.

Eine Gemeinde allein „wird die Probleme nicht stemmen können“, sagt Allershausens Bürgermeister Martin Vaas (Parteifreie Wähler) im Gespräch mit der SZ. Da die Extremwetter-Ereignisse durch den Klimawandel zunehmen, könnten Hochwasser dieses Ausmaßes bald erneut auftreten.

„Schon das kleinste Rückhaltebecken kann etwas zum Hochwasserschutz beitragen“, so Homilius laut einer Pressemitteilung zu dem Treffen in Freising. Berechnungen seiner Behörde zufolge wären 2024 allerdings etwa 350 solcher „klassischen kommunalen Becken“ notwendig gewesen, um das Hochwasser so zu drosseln, dass es in Hohenkammer keine Schäden gegeben hätte. Deshalb seien zusätzlich private Initiativen der Bürgerinnen und Bürger notwendig: mit dem Kauf von Sandsäcken, dem Verzicht auf teures Equipment im Keller, entsprechende Versicherungen und bauliche Maßnahmen.

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Das Fazit der Veranstaltung: Jede Gemeinde soll schauen, was in ihrem Bereich gemacht werden kann.  Dies ist teils nicht einfach, wie das Beispiel Allershausen zeigt. An der Glonn, die mitten durch die Ortschaft fließt, „sehe ich keine Möglichkeit“, erklärt Vaas. Entlastung könnte aber bringen, wenn an der Amper ein Deich geöffnet würde. Die Glonn mündet an der Kirche in Allershausen in die Amper, die ebenfalls über die Ufer trat. Das Glonn-Wasser konnte nicht ablaufen, es staute sich in die Ortschaft zurück.

Die Bürgermeister haben vorgeschlagen, eine Zweckgemeinschaft zu gründen und einen Solidaritätsfonds zu gründen, um Schutzmaßnahmen umsetzen zu können. Es gab konkrete Vorschläge. Markt Indersdorfs Bürgermeister Franz Obesser (CSU) regte an, zwei Straßen, die parallel zur Glonn verlaufen, zu erhöhen, damit „könnten wir mehr als eine Million Kubikmeter Wasser zurückhalten“. Diese Maßnahme würde allen helfen, so seine Meinung.

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Vaas bezeichnet das Gespräch im Landratsamt als sehr konstruktiv. Der Dachauer Landrat dankte Petz für die Initiative. „Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft und eines ist sicher: Hochwasser und Starkregen werden wiederkommen. Deshalb müssen wir handeln und uns vorbereiten. Klimaanpassung an Gewässern ist dabei eine gemeinsame, überörtliche Aufgabe: von Behörden, der gesamten Gesellschaft und jedem Einzelnen“, so Löwl.

Vaas bremst zu große Erwartungen: Eine Umsetzung werde „nicht von heute auf morgen“ gehen, weil entsprechende Flächen benötigt würden und Landwirte sowie Behörden dafür gewonnen werden müssten. Er hoffe auf den Gesetzgeber, dass problemlos landwirtschaftliche Flächen geflutet werden dürften, so Helmut Zech (CSU), Bürgermeister von Pfaffenhofen an der Glonn. Landrat Petz sieht dennoch Spielraum für pragmatische Lösungen. Das Gesetz biete viele Möglichkeiten, man müsse „nur kreativ sein“. In einem Jahr soll eine erste Bilanz gezogen werden.

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