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Freisinger im Krisenmodus:Honorarkräfte ohne Einnahmen

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An der Volkshochschule in Eching und dem Freisinger Zentrum der Familie sollen Kurse als Online-Angebote fortgeführt werden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Im Familienzentrum und in Volkshochschulen finden derzeit keine Kurse statt. Online-Angebot gibt es nur begrenzt.

Von Gudrun Regelein und Nadja Tausche, Freising

Die harten Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie treffen auch die Menschen im Landkreis Freising auf den unterschiedlichsten Ebenen. Für manche bedeuten sie nur Einschränkungen in ihrem Freizeitverhalten, die weitaus meisten haben aber konkrete Sorgen - ob es nun um Gefahren für die eigene Gesundheit, um die schwierige Betreuung der Kinder oder die Rettung des eigenen Geschäfts oder Unternehmens geht. Die Freisinger SZ gibt in einer kleinen Serie Einblicke in das Leben der Menschen im Krisenmodus.

Das Familienzentrum

Momentan seien im Freisinger Zentrum der Familie alle Kurse auf Eis gelegt, sagt Sabine Bock.

(Foto: Marco Einfeldt)

Momentan sind im Freisinger Zentrum der Familie alle Kurse auf Eis gelegt, erzählt die pädagogische Leiterin Sabine Bock. "Wir versuchen jetzt, Alternativen zu finden. Beispielsweise Online-Angebote zu entwickeln, beim Schwangeren-Yoga oder Pilates müsste das beispielsweise möglich sein." Die psychosoziale Beratung dagegen könnte über Videokonferenzen laufen. Bei der Elternbegleitung, die normalerweise als aufsuchendes Angebot stattfindet, sei das schon schwieriger. Da versuchen die Beraterinnen, weiterhin zumindest telefonisch Kontakt zu den Familien zu halten. "Wir sind jetzt dabei, Notlösungen zu finden, aber das wird dauern", sagt Bock. Bis zum 17. April habe man erst einmal alle Veranstaltungen und Kurse abgesagt, "dann schauen wir weiter".

Normalerweise ist das Zentrum der Familie an der Kammergasse mit Leben erfüllt, momentan ist es dort sehr ruhig und trist. Aber auch die finanzielle Situation beschäftigt Sabine Bock. Der Haushalt des Zentrums trägt sich zu 40 Prozent aus Teilnehmergebühren, die schon jetzt teilweise wegfallen. Wie sich das langfristig auswirken werde, kann Bock noch nicht sagen, dafür sei es noch zu früh. "Natürlich hoffe ich, dass uns der Landkreis auch weiterhin bezuschusst", sagt sie. Noch problematischer aber sei die Situation für die Honorarkräfte, die - da keine Kurse stattfinden - schon derzeit keine Einkommen mehr haben. "Ich hoffe, dass für diese noch ein eigener Rettungsschirm gespannt wird", sagt Bock. Ihren Optimismus hat sie trotz Coronakrise aber nicht verloren. Sie plant momentan das neue Bildungsprogramm für den Herbst. "Ich rechne damit, dass ab September wieder alles normal laufen wird. Jede Krise hat ein Ende, es wird weitergehen." Auch wenn im Zentrum der Familie momentan keine Kurse stattfinden, so sei man telefonisch und per E-Mail noch erreichbar, betont Bock.

Freisinger im Krisenmodus

Die Corona-Krise betrifft alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, im Öffentlichen wie im Privaten. In der Serie fragt die Freisinger SZ bei Menschen im Landkreis Freising nach, wie es ihnen in der Krise geht und wie das Coronavirus ihren Alltag verändert.

Teil 1: Kinobesitzerin, Sportlerin und Pfarrer - "Man hängt total in der Luft"

Teil 2: Apothekerin, Verkäuferin und Bürgermeisterkandidat - Erstaunlich ruhig

Teil 3: Taxifahrer und Shuttledienst - Die Nerven liegen blank

Teil 4: Schachspieler und Zahnarzt - Nicht ohne Schutz

Teil 5: Marktbeschicker, Kirchenmusikdirektor und Tanzlehrer - Im Zwangsurlaub

Teil 6: Fahrlehrer und Physiotherapeutin - Banger Blick in die Zukunft

Teil 7: Landschaftsgärtnerin und Kletterer - Abgespeckte Gartentage

Teil 8: Familienzentrum und Volkshochschule - Honorarkräfte ohne Einnahmen

Teil 9: Lebensmittellieferanten, Caritas und Leseratte - Zustrom bei Lieferdiensten

Teil 10: Tankstellen, Makler und Fitnessstudios - Besichtigung mit Mundschutz

Teil 11: Standesbeamtin und Reisebüro - Brautpaare auf Abstand

Teil 12: Musikschule - Musikunterricht auf vielen Kanälen

Teil 13: Klinikclowns und Musikverein - Videovisiten und Videounterricht

Teil 14: Schneiderin und Nordallianz - Nähen, um zu helfen

Teil 15: Schwimmer, Nagelpflegerin und Beraterin - Radeln statt schwimmen

Teil 16: Clown und Friseurin - Der Bart bleibt dran

Teil 17: Tierheim, sozialpsychiatrischer Dienst und Entsorgungsunternehmen - Schmusen nach Feierabend

Teil 18: Eisverkäufer und Spediteur - "Gegessen wird immer"

Teil 19: Buchautorin - Ohne Publikum

Teil 20: Tierärztin - Immer schön Abstand halten

Teil 21: Bühnenbildner und Billardspieler - Physik statt Billard

Teil 22: Lungenfacharzt und Werbetechnik-Firma: "Die Krankheit zieht sich oft lange hin"

Teil 23: Kinobetreiberin und Radsportlerin: Kino mit Abstand

Teil 24: Kaminkehrer, Schneiderin und das Kaufhaus Rentabel: Arbeiten unter erschwerten Bedingungen

Teil 25: Neufahrner Freizeitbad - Der Zeitplan ist auf den Kopf gestellt

Die VHS-Leiterin

Doris Fähr

Echings Vhs-Leiterin Doris Fähr macht sich Sorgen um die freiberuflichen Dozenten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der normale Kursbetrieb ist an der Volkshochschule Eching derzeit ausgesetzt. Eine einheitliche Linie, wie es jetzt weitergeht, gibt es noch nicht: "Das wird sich entwickeln müssen", sagt VHS-Leiterin Doris Fähr. Derzeit versuche man, möglichst viele der Kurse online weiterzuführen. "Das Programm komplett auf online umzustellen, dafür haben wir nicht die Ressourcen", so Fähr. Ein Italienischkurs zum Beispiel sei aber schon jetzt ins Digitale übergewechselt: Die Gruppe treffe sich jede Woche in einem Chatroom, zusätzlich lade die Dozentin Lernmaterialien online hoch. Vorstellen kann sich die VHS-Leiterin auch, dass etwa bei Sportkursen Videos in Chatgruppen geteilt werden. Obwohl viele Kurse ihrer Meinung nach stark von der Präsenz leben, glaubt sie, dass Online-Kurse ein guter Ersatz sein können. Generell liege die Verantwortung für das Online-Angebot bei den Dozenten. Deren Bereitschaft hängt nach Fährs Erfahrung davon ab, inwiefern sie sich bisher schon mit den digitalen Möglichkeiten befasst haben. Als Leitung könne man die Lehrkräfte so weit wie möglich unterstützen: Dafür gebe es etwa bundesweit Weiterbildungen, wie man virtuelle Klassenzimmer erstellen könne.

Eine wichtige Frage ist dabei noch ungeklärt: die nach dem Geld. Derzeit werde auf Landes- und Bundesebene geprüft, welche Möglichkeiten es gebe, berichtet die Leiterin. Sehr wahrscheinlich würden aber Volkshochschullehrer, die wegen der Corona-Krise keine Kurse geben können, auch kein Geld bekommen. Für die freiberuflichen Lehrer kann das zum Problem werden - das Gleiche gilt, wenn sie die Kurse online anbieten wollen, Kursteilnehmer aber die gebuchten Präsenzkurse einfordern. Davon habe sie aber bisher an der VHS Eching noch nichts mitbekommen - im Gegenteil: "Ich höre viel Begeisterung", sagt Fähr in Bezug auf die Online-Angebote, sowohl von den Kursleitern als auch von den Teilnehmern.

Online-Vorträge, Konzerte und Sportkurse bieten die Volkshochschulen auf Youtube unter dem folgenden Link an: https://vhs.link/vhsdaheim.

© SZ vom 01.04.2020/lada
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