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Hamsterkäufe in Freising:Brot ist mittags schon aus

Alex Bauer und Günther Zillner von der Bio-Bäckerei Wagner haben am Mittwoch beim Freisinger Wochenmarkt ihre Ware schnell verkauft.

(Foto: Marco Einfeldt)

Trotz der Aufforderung, möglichst zuhause zu bleiben, ist der Andrang auf dem Freisinger Wochenmarkt und in den Bäckereien für einen Wochentag groß - viele Händler haben ihr Angebot aufgestockt.

Wäre man am Mittwochvormittag mit Kopfhörer durch die Freisinger Innenstadt gelaufen, hätte es ein ganz normaler Märztag sein können: Die Sonne schien, die Menschen schlenderten über den Markt und hielten hier und da ein Schwätzchen. Hörte man jedoch hin, schnappte man auf dem Weg durch die Obere Hauptstraße immer wieder Gesprächsfetzen rund um das Thema Corona auf: "Hamsterkäufe sind ein Schmarrn". Oder: "Wenn alle aufeinander achtgeben, dann kann man die Ausbreitung stoppen". Und: "Welchen Sinn hat es, wenn Restaurants nur noch zeitweise geöffnet sind? Entweder ganz oder gar nicht".

Die gegenwärtige Situation und die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus beschäftigen die Freisinger: Sie wollen sich darüber austauschen, diskutieren und auch ein bisschen Frust ablassen. Der Appell von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lautete immer wieder, man solle so weit es geht zuhause bleiben und direkte soziale Kontakte meiden. Auf dem Freisinger Wochenmarkt war der Andrang am Mittwochvormittag trotzdem groß. Es wurde eingekauft und ausverkauft - die Stimmung wirkte relativ gelassen.

Atemschutzmasken trugen in der Innenstadt nur einige Touristen.

(Foto: Marco Einfeldt)

"Die Leute kaufen mehr ein"

"Es ist viel los - vor allem für einen Mittwoch", sagt Renate Buss vom Geflügelstand Rudolf Bise. Sonst kämen am Mittwoch eher nur die älteren Kunden. Dadurch, dass jetzt viele zuhause seien, hätten aber fast alle Zeit, am Mittwochvormittag einkaufen zu gehen. "Die Leute kaufen mehr ein, das ist so. Deshalb bringen wir auch schon mehr Ware mit", so Buss. Am Samstag seien ihre Waren bereits um 11 Uhr ausverkauft gewesen, das sei nicht gewöhnlich, denn eigentlich geht der Markt bis 13 Uhr. Die Stimmung sei trotz allem gut: "Was sich im Vergleich zu Samstag verändert hat, ist, dass die Leute mehr aufeinander achtgeben und genug Abstand voneinander halten."

Ähnlich ist die Lage am Gemüsestand Kronauer. Sabine Kronauer erzählt, dass auch sie so weit es geht mehr Ware mit auf den Markt bringen: "Die Menschen haben Zwangsferien und die Restaurants sind weitgehend geschlossen. Das heißt, alle müssen selber kochen und haben dafür auch Zeit." Deshalb sei wahrscheinlich mehr los auf dem Markt.

Viele Geschäfte versuchen, Hamsterkäufe einzudämmen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Am Stand der Gärtnerei Mairiedl aus Kirchdorf sind die Kunden vor allem auf die Salatsetzlinge aus. "Die Leute setzten darauf, sich selbst zu versorgen und kaufen Setzlinge. Das habe ich fast so erwartet", sagt Thomas Mairiedl. Und auch die Blumen gingen gut. "Die Leute, die einen Garten haben, nehmen sich jetzt die Zeit, diesen zu richten. Man will es ja auch schön haben." Das Wetter lädt dazu natürlich erst recht ein.

"Die Brote sind am Mittag schon weg"

Dass die Menschen nun mehr kaufen, betrifft fast jeden Lebensmittelverkäufer. Vor den Bäckereien in der Freisinger Innenstadt haben sich in den vergangenen Tagen immer wieder Schlangen gebildet. Zum einen halten die Menschen mehr Abstand voneinander und zum anderen kaufen sie mehr ein.

Das hat zur Folge, dass es in vielen Bäckereien am Nachmittag kaum mehr Ware gibt. So auch in der Hofpfisterei. "Normal haben wir genug Ware bis zum Abend. Im Moment sind die Brote aber am Mittag schon weg", sagt eine Verkäuferin der Filiale in der Oberen Hauptstraße. Die Kunden kauften auf jeden Fall mehr. Man versuche deshalb, mehr zu produzieren, aber da zurzeit alle Filialen stärker bestellen, könne man dem nicht von jetzt auf gleich nachkommen.

© SZ vom 19.03.2020/fpol
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