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Corona-Krise im Landkreis Freising:Viele haben kulante Vermieter

Den Pächtern des Freisinger Furtnerbräu, ein beliebter Treffpunkt in Freising, sind die Pachtzahlungen bis zum Ende der Corona-Krise erlassen worden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Viele Freisinger Kneipenwirte haben schon Sonderregelungen. Bei privaten Mietern wird die Kurzarbeit durchschlagen.

Seit Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkung am 20. März in ganz Bayern fährt der Landkreis Freising im Corona-Krisenmodus. Restaurants und Geschäfte, die nicht für die Grundversorgung zuständig sind, wurden geschlossen. Einnahmen brechen plötzlich weg, doch die laufenden Kosten für Pacht und Miete müssen weiter beglichen werden. Wer keine Rücklagen hat, gerät schnell in eine finanzielle Schieflage. In Freising gibt es mittlerweile etliche Fälle, in denen Lokalbetreiber mit ihren Vermietern entsprechende Abmachungen für diesen besonderen Krisenfall getroffen haben, um einigermaßen über die Runden zu kommen.

So haben beispielsweise Andreas Adldinger, Reinhard Fiedler und Frank Hager, die Betreiber des Furtnerbräu in der Innenstadt, ihren Pächtern Franziska Kreuter und Ludwig Dinzinger die Pacht bis zum Ende der Corona-Krise vollständig erlassen. "An alle Freisinger Gastronomie-Kollegen: Wir wünschen euch genau solche Vermieter mit dem Herz und dem Hirn am rechten Fleck, wie wir sie haben", melden die Furtnerbräu-Pächter via Facebook. Da gibt es offenbar einige, die sich verhandlungsbereit zeigen. So auch im Fall der Q-Bar. "Auch unser Vermieter ist kulant und hat uns die Hälfte der Pacht erlassen", berichtet Q-Betreiber Johannes Wunner, der darauf hofft, sein Lokal nach den Osterferien wieder öffnen zu können. Darüber würden sich auch seine Mitarbeiter freuen. "Das sind alles Minijobber, für die gibt es keine Entschädigung vom Staat".

Kurzarbeit für sein Personal beantragt hat Hans Meisinger, der Betreiber der Hansi-Bar in der Freisinger Innenstadt. Auch er hat laut eigenen Aussagen mit seinem Vermieter ein Abkommen über die weiteren Pachtzahlungen für die Zeit nach der Krise getroffen. Vor der Hansi-Bar finden ohnehin umfangreiche Bauarbeiten zur Innenstadtsanierung statt. Ein Bagger brummt vor Tür, die Gäste würden in ein gähnendes Loch blicken. "Vielleicht sind sie damit ja fertig, wenn wir hoffentlich bald wieder öffnen können. Ich glaube aber, das zieht sich noch", vermutet Meisinger.

Mietzahlungprobleme betreffen auch viele Bewohner, die in der Krise in Kurzarbeit gehen

Doch es sind nicht nur Ladeninhaber und Restaurantbetreiber, die sich wegen wegbrechender Einnahmen fragen, wie sie ihre Miete zahlen sollen. Es trifft gerade im Landkreis mit seinem überhitzten Wohnungsmarkt auch Bewohner von Mietwohnungen, die in der Krise in Kurzarbeit gehen. "Bei vielen war es da finanziell vorher schon knapp und mit dem Kurzarbeitergeld, das normalerweise 60 bis 67 Prozent des Nettolohns beträgt, reicht es oft nicht mehr", sagt Markus Grill, Vorsitzender des Mietervereins in Freising. Im Moment seien die Mitarbeiter des Vereins mit dem "ganz normalen Wahnsinn" beschäftigt, so Grill. Da gehe es um Streit mit dem Vermieter oder Differenzen wegen der Nebenkostenabrechnungen, die jetzt rausgehen.

"Ich befürchte aber, dass das nicht so bleiben wird und in ein paar Wochen die Leute kommen, weil sie ihre Miete nicht mehr zahlen können, wenn dann die Kurzarbeit überall durchschlägt. Die werden dann bei uns vorstellig", berichtet Grill. Er habe sich in dieser Sache schon kundig gemacht und über die Gesetzeslage informiert. "Da gibt es viele schöne Sachen, aber die Betroffenen wissen das oft gar nicht und wissen auch nicht, an wen sie sich wenden sollen", so Grill weiter. Besonders schlimm treffe der Verdienstausfall zum Beispiel die Arbeitskräfte aus der Gastronomie. "Die Leute können ja jetzt nicht alle Spargel stechen und da würden sie außerdem noch weniger verdienen, da auch das Trinkgeld wegfällt", mahnt Grill. Seine Forderung an den Bund ist darum, das Kurzarbeitergeld auf 80 bis 90 Prozent des Nettolohns zu erhöhen. Außerdem sollten Wohnungsräumungen bis nach der Krise ausgesetzt werden, ebenso Mieterhöhungen.

© SZ vom 03.04.2020/lada

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