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Coronavirus im Landkreis Freising:"Die Situation ist gruselig"

Leere vor, aber auch im Lindenkeller-Komplex. Die Einschränkungen im öffentlichen leben durch den Coronavirus trifft die Gastronomiebetriebe hart.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Folgen der Corona-Krise treffen auch etwa 320 Gastronomen im Landkreis. Der Pächter des Lindenkeller-Areals, Klaus Thermer, befürchtet Einbußen im sechsstelligen Bereich. Jetzt geht es nur noch um Schadensbegrenzung.

Wenn alle zuhause bleiben sollen, Veranstaltungen nicht mehr stattfinden und von sozialen Kontakten abgeraten wird, dann trifft das Gastronomen und Hoteliers besonders schwer. Wegen des Coronavirus ist dieser Fall jetzt erst mal Alltag und wird auf unbestimmte Zeit bestehen bleiben. Im Landkreis Freising stehen deshalb etwa 320 Betriebe aus dem Gastgewerbe vor einer schwierigen und teilweise existenzbedrohenden Zeit. "Gastronomisch ist das alles eine Katastrophe", sagt Klaus Thermer, Pächter des Freisinger Lindenkeller-Areals und Geschäftsführer des Stadtcafés, der Jagdstube und des Eishauses.

Dass in den vergangenen Wochen und für die kommenden Monate so viele Veranstaltungen abgesagt wurden, treffe die Gastronomie am Veitsberg "brutal". Vor zirka 14 Tagen habe man angefangen, die Folgen des Virus zu spüren, schildert Thermer: Veranstaltungen im Unterhaus wurden abgesagt und es kam vermehrt zu Stornierungen. "Normalerweise kommen die Leute zum Kabarettabend oder zu Konzerten, essen davor bei uns etwas und kommen danach noch mal auf ein Gals Wein vorbei", sagt Thermer, "das fällt alles weg".

Gastronomen müssen ihren Betrieb massiv umstellen oder sogar einstellen

Das Schlimme an der Situation sei, dass nicht abschätzbar ist, wie lange sie anhalten werde. "Es ist alles ungewiss: Kann eine Hochzeit Mitte Mai stattfinden oder sagt das Brautpaar sicherheitshalber jetzt schon ab?" Das Uferlos, verschiedene Festivals und die Fußball-Europameisterschaft wurden abgesagt oder verschoben. Alles Veranstaltungen, bei denen auch der Lindenkeller aktiv gewesen wäre.

Durch Ausrufung des Katastrophenfalls am Montag gelten nun weitere Einschränkungen für Gastronomiebetriebe: Von diesem Mittwoch an darf nur noch von 6 bis 15 Uhr geöffnet werden. Es dürfen sich höchstens 30 Personen im Lokal aufhalten, ein Mindestabstand von eineinhalb Metern zwischen den Gästen muss eingehalten werden. Das gilt vorerst bis Montag, 30. März. Diese neuen Regelungen haben zur Folge, dass Gastronomen ihren Betrieb massiv umstellen oder sogar einstellen müssen. Einige überlegen sich alternative Konzepte, wie Essen-to-go oder Lieferdienste und versuchen, die Situation so zu meistern.

"Alles was wir jetzt tun, ist eigentlich nur noch Schadensbegrenzung"

Im Lindenkeller wird der Betrieb vorerst in kleinerem Maße weitergeführt, erklärt Thermer: "Wir beschränken unsere Öffnungszeiten auf Freitag bis Sonntag von 9 bis 15 Uhr mit einer reduzierten Karte." Um die Regelungen einzuhalten, werde man natürlich die maximale Anzahl an 30 Gästen einhalten. "Es ist aber noch nicht absehbar, ob das Angebot angenommen wird", sagt Thermer, "immerhin heißt es ja auch ausdrücklich, dass die Leute zuhause bleiben sollen." Zudem sei der Lindenkeller mit seiner Randlage nicht im Vorteil: "Unsere Gäste kommen normal gezielt zu uns. Wenn die Leute überhaupt noch ins Café gehen, dann wahrscheinlich eher in der Innenstadt, nachdem sie einkaufen waren." Bei schönem Wetter könne man vielleicht noch auf den ein oder anderen Spaziergänger zählen, hofft Thermer.

Langfristig geht Thermer jedoch davon aus, dass es zu weiteren Einschränkungen kommen wird. "Es war klar, dass nach der Kommunalwahl diese Phase kommt. Ich glaube aber, dass es noch eine zweite Stufe geben wird, in der sich die Lage für uns noch verschärft und wir vielleicht sogar ganz dicht machen müssen." Ein, höchstens zwei Monate könne man unter diesen Umständen rumbringen, aber dann werde es fast unmöglich. Man versuche die Kosten auf ein Minimum herunterzufahren und sei mit dem Vermieter - der Stadt Freising - im Gespräch über die Möglichkeit, die Miete auszusetzen. "Trotzdem müssen wir die Umsatzsteuer der vergangenen Monate an das Finanzamt zahlen und den Lohn an unsere Mitarbeiter. Alles was wir jetzt tun, ist eigentlich nur noch Schadensbegrenzung", so Thermer.

Wenn es so weiter geht, rechnet der Pächter des Lindenkeller-Areals mit einem Verlust von 120.000 bis 150.000 Euro in den nächsten vier bis fünf Wochen. Was staatliche Unterstützungen angeht, hat er jedoch gemischte Gefühle. Selbst wenn Thermer Geld geliehen bekäme, müsste er zu einem späteren Zeitpunkt viel mehr verdienen, um das Geld zurückzahlen zu können. Das sei ein Teufelskreis.

"Man muss jetzt abwarten und wird sehen, wie sich alles entwickelt. Klar ist: Wir brauchen alle Unterstützung, wir sind alle betroffen. Und ich denke, die Sorgen bei den kleinen Geschäften und Gastronomien sind mehr als berechtigt. Die Situation ist gruselig!"

Um die Gastgewerbe zu entlasten, fordert der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) schon seit mehreren Wochen kurzfristige Liquiditätshilfen und eine Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent in der Gastronomie. Das sei wichtig, aber trotz allem keine Endlösung sagt Dehoga-Kreisvorsitzende Anna Elisabeth Hofmeier: "Überbrückungsdarlehen sind schön und gut, aber sie holen die Inhaber zu einem späteren Zeitpunkt wieder ein. Alles, was jetzt storniert wurde, ist storniert und nur ein Bruchteil wird nachgeholt. Man kann im Gastgewerbe Weggefallenes nicht einfach zu einem späteren Zeitpunkt wieder reinholen. Die Politik ist deshalb gefordert, alternative Programme zu entwickeln, die den Betrieben wieder auf die Beine helfen." Die Situation sei besorgniserregend und eine Besserung leider nicht in Sicht.

© Text/fpol
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