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Schutzmasken in Freising:Fast wie auf dem Schwarzmarkt

Masken gibt es womöglich auch bald an eine ehrenamtlich betriebenen Stand auf den Freisinger Märkten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Wer in Freising den geforderten Mund- und Nasenschutz näht und liefert, ist teilweise recht unübersichtlich. Auf Initiative von Grünen-Politikerin Charlotte Reitsam soll das besser koordiniert werden.

Sollte die Stadt Freising während der Corona-Pandemie Mundschutz auch an Privathaushalte verteilen? Nein, heißt es vonseiten der Stadt Freising. Für die Versorgung sei im Kreis allein das Landratsamt zuständig, man unterstütze aber das Engagement. Doch, sagt die Grünen-Stadträtin und neue Sozialreferentin Charlotte Reitsam. Andere Gemeinden täten das ja auch oder koordinierten zumindest private Initiativen aus der Bevölkerung. Letzteres will sie nun auch tun.

Bei der konstituierenden Stadtratssitzung am vergangenen Donnerstag hatte Reitsam Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (FSM) mit dem Thema konfrontiert. "Mir ist aufgefallen, dass andere, kleinere Gemeinden schon vor drei, vier Wochen Masken geordert haben", sagt sie. "Bei uns in Freising passiert da nicht viel, von der Aktiven City mal abgesehen." Die Aktive City, zwar Partner der Stadt und mit Eschenbacher als Vizevorsitzendem, ist streng genommen keine städtische Einrichtung.

Der Verein kooperiert seit April mit dem Innendekorateur Johann Thalhuber. Dessen Betrieb, so Vorsitzender Max-Josef Kirchmaier, habe inzwischen über 3500 Stoffmasken genäht. Verteilt würden sie vor allem an Mitglieder, also lokale Unternehmen, unter anderem die Stadtwerke habe man beliefert. Kirchmaier weiß auch von zwei Nähereien und dem Kreativmarkt Wirschafft, die sich am Nähen sogenannter Community-Masken beteiligen.

Maskenproduktion und -verteilung, so der Vorwurf, seien in Freising chaotisch, andernorts funkioniert es besser

Kirchmaier will wie Reitsam Ordnung in der Maskenproduktion und -verteilung schaffen. "Das ist alles ein bisschen ein Durcheinander", sagt er. "Wir machen das ja seit vier Wochen, jetzt beruhigt's sich." Zwischenzeitlich seien die Gummis für Masken ausgegangen. "Momentan läuft's aber, wir sind auf einem guten Weg." Es ist vor allem diese wahrgenommene Unübersichtlichkeit, die Reitsam dazu veranlasst hat, Eschenbacher bei der Stadtratssitzung vorzuhalten, dass seitens der Stadt zu wenig getan werde, um eine geordnete Verteilung von Mundschutz sicherzustellen.

Tatsächlich scheint das andernorts im Landkreis besser zu funktionieren. Die Gemeinde Hallbergmoos etwa ließ noch vor Beginn der Mundschutzpflicht Ende April allen Haushalten je zwei OP-Masken zukommen, waschbare Baumwollmasken sollten folgen. In Marzling hat die Verwaltung den Bürgern einen kostenlosen Mund-Nasen-Schutz als Erstausstattung zur Verfügung gestellt. Dort und in Zolling wurden in Feuerwehrhallen Maskenmärkte aufgebaut. Die Gemeinde Langenbach koordiniert Bestellung und Lieferung ehrenamtlich angefertigter Masken.

Reitsam verweist auf die Stadt Ingolstadt, die, noch in alter Stadtratsbesetzung, im April Tausende Masken für Privathaushalte geordert hatte. Ingolstadt sei wie das nahe Landshut eine kreisfreie Stadt und somit selbst für Maßnahmen verantwortlich, heißt es von der Kreisstadt Freising. Im Landkreis Freising seien jedoch nicht einzelne Kommunen, sondern das Landratsamt zuständig für Corona-Maßnahmen. Eine Versorgungspflicht mit Masken gebe es für die Behörde aber nicht. "Gerade in der derzeitigen Situation ist es nachvollziehbar und wichtig, dass die Zuständigkeiten klar geregelt sind und eingehalten werden."

Charlotte Reitsam möchte für Freising eine Art Maskenbörse initiieren

Einwegmasken zu verteilen, wie in Hallbergmoos, "erschien und erscheint aufgrund der Abwägung des anhaltenden Bedarfs an entsprechendem Mund-Nasen-Schutz kurz- wie mittelfristig nicht zielführend", argumentiert die Stadt weiter. Man sei indes sofort bereit gewesen, sich mit ihren Einrichtungen am Nähen von Community-Masken zu beteiligen. Aufgrund der hohen privaten Bereitschaft habe die Stadt primär als Sammelstelle beim Rücklauf fertiger Masken an das Landratsamt fungiert. Zudem habe man selbst Masken an soziale Einrichtungen verteilt.

Auch wenn die Stadt Privatpersonen Masken vorrangig zur konkreten Verwendung etwa bei Behördenterminen aushändige, gelte: "Bei einem kurzfristigen persönlich-privaten Mangel konnte und kann auf entsprechende Rückfrage bei der Verwaltung aber unbürokratisch mit Masken ausgeholfen werden." Offenbar besteht dennoch weiter Abstimmungsbedarf. Charlotte Reitsam hat Eschenbacher deshalb gebeten, einen Runden Tisch einzuberufen. "Es muss ja keine riesen Bestellung geben", sagt sie mit Verweis auf Ingolstadt. "Wir brauchen Listen: Wer näht? Wer liefert?" Charlotte Reitsam möchte eine Art Maskenbörse initiieren, um nachhaltigen, waschbaren Mundschutz stärker zu verbreiten. Der Stoff, den das Landratsamt verteilt, sei da möglicherweise weniger geeignet. "Die Leute geben sich momentan Geheimtipps, wie auf dem Schwarzmarkt", sagt Reitsam und fordert: "Es braucht Klarheit."

Nach einem Gespräch mit Hauptamtsleiter Rupert Widmann präsentierte Reitsam am Montag nun einen Vorschlag zur Umsetzung. Der sieht vor, im Stadtgebiet produzierte Masken zu verkaufen und Maskenspenden auf Freisinger Märkten mittels eines ehrenamtlichen Standes anzubieten.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung fehlte der Hinweis, dass das Landratsamt zwar zuständig für Corona-Maßnahmen ist, aber keiner Versorgungspflicht unterliegt. Dieser Hinweis wurde nachträglich ergänzt.

© SZ vom 13.05.2020/lada
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