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Hilfe für Freisinger Geschäfte:Gutscheinverkauf kommt gut an

Geschäfte können einen Teil des coronabedingten Umsatzeinbruchs auffangen.

31 500 Euro Umsatz - und das, ohne ein einziges Produkt zu verkaufen: Über den Verkauf von Gutscheinen können Geschäfte in Freising derzeit zumindest einen Teil des coronabedingten Umsatzeinbruchs auffangen. Möglich ist das über eine Webseite, die vor rund drei Wochen an den Start gegangen ist: Auf www.ladenretter.de kaufen Kunden Gutscheine und lösen sie ein, wenn das Geschäft wieder öffnen kann - oder auch sofort, bei noch geöffneten Läden oder über Online-Shops. Über die Zahl der mittlerweile verkauften Gutscheine sind die Gründer selbst überrascht: "Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so viel wird", sagt Samuel Kabitzky. Durchaus stolz sei er darauf, dass quasi über Nacht so viele Menschen auf der Seite gelandet seien.

Was allerdings noch ausbaufähig sei, sei die Höhe der eingegangenen Spenden. Derzeit seien knapp 400 Euro gespendet worden, "damit konnten wir erste Kosten für die Webseite decken", so Kabitzky. Geplant war, den Geschäften die Provision zu ersparen - das sei derzeit noch nicht möglich. Fünf Prozent des Gutscheinwertes zahlen die Läden deshalb an die Ladenretter, das Geld fließt etwa an Bezahlplattformen wie Paypal. Auch die Arbeitszeit könne man mit der bisher eingegangenen Summe nicht abdecken, so Kabitzky. Er sieht die Webseite allerdings immerhin als Sprungbrett für Firmen, zur App Spondeals wechseln: Mit dem Projekt waren Kabitzky und Mitgründer Abdullah Cetinbag ursprünglich in Freising gestartet, Geschäfte veröffentlichen dort Sonderangebote für ihre Produkte. Für die Zukunft planen die Gründer, beide Angebote zusammenzuführen.

Geplant ist auch ein geschäfteübergreifender Online-Shop

Dafür ist eine weitere Neuerung geplant: Ein ladenübergreifender Online-Shop. Dort müssen die Freisinger nicht das Sortiment der einzelnen Geschäfte durchstöbern, sondern bekommen alle Läden angezeigt, in denen ein gesuchtes Produkt verfügbar ist. Unterstützen wolle man so auch Geschäftsinhaber, die derzeit noch keinen Online-Shop anbieten, sagt Kabitzky. Viele Inhaber hätten sich bisher nicht viel mit dem Online-Angebot beschäftigt: "Wir wollen die Leute abholen." Ladenretter.de übernehme dabei das Marketing, wirbt er, bewerbe die Seite und locke so Nutzer an - beim Aufbau eines eigenen Online-Shops nehme das viel Zeit und Aufwand in Anspruch.

Der Werbeverein Aktive City hatte schon im Jahr 2018 versucht, eine solche "digitale Einkaufsstadt" in Freising zu etablieren. Die Resonanz der Geschäfte war dabei allerdings recht zurückhaltend. Das liege daran, dass Spondeals zu vielen der Geschäftsbetreiber persönlichen Kontakt habe, glaubt Kabitzky - anders als damals, als das Angebot über einen Drittanbieter lief. Auch die Corona-Krise dürfte ein Grund sein, dass viele Geschäfte jetzt zum Ausbau ihrer Online-Präsenz bereit sind.

Mit ladenretter.de sind die beiden Gründer derweil auch schon in anderen Städten wie Moosburg oder Landshut vertreten, wenn auch in kleinerem Umfang. Geschäfte in allen Gemeinden selbst anzusprechen, könne man aber nicht stemmen: "Die Initiative muss von der Gemeinde kommen", so Kabitzky.

© SZ vom 15.04.2020/nta

Pilotversuch in Freising
:App für Sparfüchse

Samuel Kabitzky und Abdullah Cetinbag haben eine Anwendungssoftware entwickelt, die es bisher nur im Landkreis Freising gibt. Auf Spondeals können Unternehmen günstige Angebote online stellen.

Von Nadja Tausche

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