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Freisinger im Krisenmodus:Physik statt Billard

Weil der Spielbetrieb auch in seiner Sportart ruht, kann sich Johannes Halbinger derzeit voll und ganz auf seine Doktorarbeit konzentrieren. Die Projekte von Bühnenbildner und Regisseur Thomas Goerge liegen momentan auf Eis.

Die harten Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronapandemie treffen die Menschen im Landkreis auf den unterschiedlichsten Ebenen. Für manche bedeuten sie nur Einschränkungen in ihrem Freizeitverhalten, die meisten haben aber konkrete Sorgen - ob es nun um Gefahren für die eigene Gesundheit, um die schwierige Betreuung der Kinder oder die Rettung des eigenen Geschäfts oder Unternehmens geht. Die Freisinger SZ gibt in einer Serie Einblicke in das Leben der Menschen im Krisenmodus.

Freisinger im Krisenmodus

Die Corona-Krise betrifft alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, im Öffentlichen wie im Privaten. In der Serie fragt die Freisinger SZ bei Menschen im Landkreis Freising nach, wie es ihnen in der Krise geht und wie das Coronavirus ihren Alltag verändert.

Teil 1: Kinobesitzerin, Sportlerin und Pfarrer - "Man hängt total in der Luft"

Teil 2: Apothekerin, Verkäuferin und Bürgermeisterkandidat - Erstaunlich ruhig

Teil 3: Taxifahrer und Shuttledienst - Die Nerven liegen blank

Teil 4: Schachspieler und Zahnarzt - Nicht ohne Schutz

Teil 5: Marktbeschicker, Kirchenmusikdirektor und Tanzlehrer - Im Zwangsurlaub

Teil 6: Fahrlehrer und Physiotherapeutin - Banger Blick in die Zukunft

Teil 7: Landschaftsgärtnerin und Kletterer - Abgespeckte Gartentage

Teil 8: Familienzentrum und Volkshochschule - Honorarkräfte ohne Einnahmen

Teil 9: Lebensmittellieferanten, Caritas und Leseratte - Zustrom bei Lieferdiensten

Teil 10: Tankstellen, Makler und Fitnessstudios - Besichtigung mit Mundschutz

Teil 11: Standesbeamtin und Reisebüro - Brautpaare auf Abstand

Teil 12: Musikschule - Musikunterricht auf vielen Kanälen

Teil 13: Klinikclowns und Musikverein - Videovisiten und Videounterricht

Teil 14: Schneiderin und Nordallianz - Nähen, um zu helfen

Teil 15: Schwimmer, Nagelpflegerin und Beraterin - Radeln statt schwimmen

Teil 16: Clown und Friseurin - Der Bart bleibt dran

Teil 17: Tierheim, sozialpsychiatrischer Dienst und Entsorgungsunternehmen - Schmusen nach Feierabend

Teil 18: Eisverkäufer und Spediteur - "Gegessen wird immer"

Teil 19: Buchautorin - Ohne Publikum

Teil 20: Tierärztin - Immer schön Abstand halten

Teil 21: Bühnenbildner und Billardspieler - Physik statt Billard

Teil 22: Lungenfacharzt und Werbetechnik-Firma: "Die Krankheit zieht sich oft lange hin"

Teil 23: Kinobetreiberin und Radsportlerin: Kino mit Abstand

Teil 24: Kaminkehrer, Schneiderin und das Kaufhaus Rentabel: Arbeiten unter erschwerten Bedingungen

Teil 25: Neufahrner Freizeitbad - Der Zeitplan ist auf den Kopf gestellt

Der Bühnenbildner

Thomas Goerge hat schon mit Christoph Schlingensief bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth gearbeitet und hat dort den Parzival auf die Bühne gebracht. Er war auch in dessen Opernprojekt in Burkina Faso, Afrika, involviert und ist normalerweise ein viel beschäftigter Mann. Als Bühnenbildner arbeitet er an Theatern in ganz Deutschland, ist als Regisseur sehr gefragt. Auch wenn er zuhause im Landkreis Freising ist, ruht sich Thomas Goerge nicht aus, sondern bringt mit seinem integrative Theaterverein "Udei" etliche Projekte auf die Bühne. 2018 ist er dafür auch mit dem Tassilo-Sozial-Kulturpreis ausgezeichnet worden. Eigentlich, so berichtet er, wäre er momentan in Athen auf dem Athens-Epidaurus-Festival und würde die Ausstattung für die Uraufführung der "Soccer Opera" von Eleftherios Veniadis gestalten. Doch das Projekt seit natürlich auch wegen der Corona-Krise verschoben worden. Mit seinem Verein Udei plane er gerade zusammen mit dem Circus Ferraro für die Weihnachtszeit ein "Pinocchio"-Projekt, "aber ob wir dafür jetzt Geld bekommen, keine Ahnung". Der Zirkus sei gerade in seinem im Winterquartier in der Hirschau, und "die haben wirklich Corona-Sorgen", berichte George weiter. Von der geplanten Flüchtlings-Oper, für die er das Libretto geschrieben habe, habe nur die Uraufführung am Theater Lübeck gezeigt werden können. Weitere Vorstellungen und Gastspiele seien abgesagt worden. "Aber alles ist halb so wild, meiner Familie und mir geht es sehr gut, bin sehr viel mit meiner Tochter unterwegs", so Goerge weiter.

Der Billardspieler

Eigentlich hätte ihm am kommenden Wochenende sein letztes Saisonspiel bevorgestanden, dann kam Corona. Johannes Halbinger ist Billardspieler, jahrelang hat der Freisinger in der Bundesligamannschaft des BSV Dachau gespielt. Vergangenes Jahr hat er seine eine große Leidenschaft der anderen - der Physik - untergeordnet und ist zur Zweiten Mannschaft in die Regionalliga gewechselt. Aktuell schreibt er seine Doktorarbeit an der LMU München. Das kann er während der Krise bequem von Zuhause aus machen, Billard fällt dagegen flach - fast zumindest.

Johannes Halbinger beim Billard

Richtig trainieren oder gar an Wettkämpfen teilnehmen kann der frühere Bundesliga-Billardspieler Johannes Halbinger derzeit nicht. Er spielt derzeit nur daheim an einem kleinen Tisch ein wenig zur Ablenkung.

(Foto: oh)

"Ich habe einen kleinen Tisch bei uns und kann ab und zu mal spielen, aber das ist eher zur Ablenkung als wirklich zum Training", erzählt der 25-Jährige. Vater und Bruder, mit denen er zusammenlebt, hätten eben auch nicht das gleiche Spielniveau wie seine Teamkollegen, gesteht er lachend. "Man bleibt im Stoßen, aber die Motivation ist nicht wirklich da. Ich weiß ja auch nicht, worauf ich hintrainieren soll", sagt Halbinger. Denn noch ist völlig offen, wann und wie es weitergeht in der Regionalliga. Eines steht für den Billardspieler schon fest: Seine Mannschaft wird wohl absteigen. "Das war vor dem letzten Saisonspiel schon klar, es würde mich wundern, wenn das jetzt anders gehandhabt wird", sagt er. In anderen Sportarten ist dagegen die Entscheidung gefallen, niemand in den unteren Ligen absteigen zu lassen. Noch weiß man beim Billard nicht genau, welche Entscheidung getroffen wird. Gerade das Dienstagstraining mit seinen Teamkollegen fehlt Halbinger, mit ihnen und dem Verein steht er in ständigem Kontakt. "Ich freue mich darauf, wenn es endlich wieder weitergeht." Eigentlich wäre der 25-Jährige im Juni zur bayerischen Meisterschaft gefahren. Eine offizielle Absage gibt es noch nicht, aber es ist davon auszugehen, dass das Turnier nicht stattfinden wird.

© SZ vom 23.04.2020/nta

Newsblog zum Coronavirus im Landkreis Freising zum Nachlesen
:960 Infizierte seit Beginn der Pandemie

Seit Beginn der Pandemie haben sich im Landkreis Freising 960 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Alle Entwicklungen rund um die Corona-Krise im Landkreis Freising zum Nachlesen im Newsblog.

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