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Dreikönigssingen in Freising:Heuer nur Sternsprecher

Brauchtum: Sternsinger sammeln Geld für einen guten Zweck - im Bild: Kirche St. Georg in Freising (Oberbayern)

Die Sternsinger werden auch in diesen Jahr unterwegs sein, allerdings dürfen sie grundsätzlich keine Häuser betreten.

(Foto: Lukas Barth)

Die Freisinger Pfarreien haben sich einiges einfallen lassen, damit die Kinder auch im Corona-Winter gefahrlos Spenden sammeln und Segen überbringen können. Eines ist dabei sicher: Gesungen wird nicht.

Von Gabriel Wonn, Freising

Wenn einmal im Jahr lachende Kinder in bunten Gewändern von einer Freisinger Tür zur nächsten ziehen, erfreut diese Tradition des Dreikönigssingens nicht nur die Menschen, die sie besuchen, sondern auch die kirchlichen Hilfswerke und all diejenigen, die weltweit auf die gesammelten Spenden angewiesen sind. Doch wie soll die Aktion in diesem Corona-Winter stattfinden? Damit das Virus nicht von einem Haus zum anderen befördert wird, haben die Freisinger Pfarreien sich bereits intensiv mit möglichen Antworten auf diese Frage befasst.

Aufkleber mit dem Segensspruch

In der Pfarrei St. Georg hat man für das Dreikönigssingen vom 3. bis zum 5. Januar ein klares Hygienekonzept mit umfassenden Einschränkungen erarbeitet. Es werden Hausbesuche gemacht, allerdings dürfen grundsätzlich keine Häuser betreten werden. Bewohner von Mehrfamilien- oder Hochhäusern können die Sternsinger daher nicht wie sonst an der Haustür in Empfang nehmen. Die Kinder tragen Masken, die Kostüme werden zuhause statt gemeinsam im Pfarrheim angelegt. Für die gemeinsame Brotzeit sind Abstandsregeln getroffen worden. Und während der Segen "Christus Mansionem Benedicat" (Christus segne dieses Haus) nur in Form von Aufklebern verteilt, statt mit Kreide angeschrieben wird, müssen sich die Besuchten auch akustisch in Verzicht üben: Das traditionelle Lied der Sternsinger von St. Georg wird wegen der beim Singen freigesetzten Aerosole - potenzielle Krankheitsüberträger - diesmal nur gesprochen.

Edi Krockauer, langjähriger Organisator der Sternsinger-Aktion in St. Georg, bedauert das: "Ohne das Lied fehlt uns selbst etwas, weil wir es natürlich im Kopf haben. Aber andererseits könnte ich es dieses Jahr mit den Neuen auch gar nicht proben. Und anderswo wird ohnehin nicht gesungen, sondern ein Spruch aufgesagt. Es ist in Ordnung, weil es auch so gang und gäbe ist. Wir müssen das so machen." Und ist wegen der Umstände ein Rückgang der Teilnehmenden zu beobachten? "Der erste Zulauf ist normal", sagt Krockauer: "Prinzipiell rechne ich schon mit etwas weniger. Es waren immer auch viele, die spontan ohne Anmeldung gekommen sind. Die kann ich dieses Mal nicht akzeptieren."

"Eine Sternlänge Abstand"

Ähnlich wie in St. Georg hofft man auch in Neustift, dass klare Regeln eine mögliche Absage der Aktion verhindern. Getreu der Devise: "Eine Sternlänge Abstand" wird hier darauf geachtet, dass die Gruppen vor allem aus Geschwistern oder engen Freunden bestehen. "In Marzling gibt es nur Besuche nach vorheriger Anmeldung, in Neustift wollen wir die normalen Wege gehen. Das hängt davon ab, wie viele Kinder mitmachen können. Es sind weniger als sonst, weil einige Familien verständlicherweise vorsichtig sind", so Pastoralreferent Andreas Fußeder.

Aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen in der Corona-Pandemie weiß er: "Die Kinder sind glücklich, wenn sie etwas tun können. Das können sie ja momentan kaum. Aber natürlich muss der Gesundheitsschutz für alle Beteiligten gewährleistet sein." In diesen "fast schon depressiven" Zeiten sei es besonders wichtig, dass der Weihnachtssegen zu den Menschen gebracht werde. Dass sich die Konzepte der einzelnen Pfarreien dabei durchaus unterscheiden können, beweist ein Blick auf die Planungen in St. Lantpert. Sollte das bislang erarbeitete Konzept bestätigt werden, kann sich hier jeder, der die Kinder trotz der widrigen Umstände am 6. Januar an der Haustüre empfangen möchte, bis zum 22. Dezember im Pfarrbüro melden.

"Sternsinger-Päckchen" zum Selbermachen

Doch auch Kurzentschlossene müssen auf den Segen nicht verzichten: Die Sternsinger stehen zwischen 14 und 16 Uhr an verschiedenen Orten in Lerchenfeld bereit, spenden den Segen und verteilen "Sternsinger-Päckchen". Darin enthalten: Kreide, Kohle und Weihrauch. Sozusagen das ideale Set für alle, die das "C+M+B" schon immer einmal selbst an der Tür anbringen wollten. Die genauen jeweiligen Zeiten und Orte können der Website der Pfarrei entnommen werden. Allerdings wird das Konzept momentan noch zwischen dem Ordinariat und der Stadt verhandelt. Es kann daher noch zu Änderungen und notfalls zur Absage kommen.

Die Sternsinger in Freising versuchen also quasi alles, um Corona die Stirn zu bieten. Edi Krockauer aus der Pfarrei Sankt Georg jedenfalls beklagt sich nicht über die Einschränkungen, solange damit nur die Realisierung der Aktion gewährleistet wird: "Es ist wichtig, dass es stattfindet. Erst mal bringt es uns Normalität. Als ich die Anmeldungen verteilt habe, habe ich ganz oft von Teilnehmern und Eltern gehört: Wir hatten schon Angst, dass da nichts mehr ist. Außerdem ist es wichtig für unser kirchliches Leben. Es bricht dauerhaft etwas zusammen, wenn es ein- oder zweimal ausfällt. Und dann das Sammeln für das Kindermissionswerk. Auf diese Spenden können die Länder nicht verzichten. Wir können die nicht einfach ein Jahr lang sitzen lassen." Verständlich, wenn man bedenkt, dass 2020 allein in St. Georg 11 386 Euro für Hilfsprojekte gesammelt wurden.

© SZ vom 10.12.2020
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