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Corona im Landkreis Freising:Alle in Habachtstellung

Derzeit befinden sich auf der Intensivstation des Klinikums Freising neun Menschen, von denen drei beatmet werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Für den Fall einer zweiten Infektions-Welle hält das Klinikum Freising 70 Betten bereit. Alle wissen, es kann schnell wieder losgehen.

"Die Lage ist ruhig, wir sind aber in Habachtstellung", so beschreibt Georg Miedl, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes, die Situation im Landkreis Freising in Zeiten der Corona-Pandemie. Landrat Helmut Petz sagte während der wöchentlichen Pressekonferenz, der Landkreis Freising sei derzeit weit entfernt von einer Rate von 50 Infizierten pro Woche auf eine Einwohnerzahl von 100 000 Einwohnern gerechnet. "Es kann aber schnell losgehen", warnte auch er.

So hat sich beispielsweise im Freisinger Stadtteil Pulling ein neuer Brennpunkt aufgetan. In einem dort ansässigen Boardinghaus sind sechs Arbeiter positiv auf Sars-Cov2 getestet worden. Ihr Arbeitgeber hat reagiert. Einer sitzt in Quarantäne in der Unterkunft. Die anderen sind in einem "Coronahotel" außerhalb des Landkreises untergebracht. "Den Leuten geht es gut", versicherte Tobias Diephold vom Amt für Öffentliche Ordnung und Sicherheit. Anlass zur Sorge besteht nicht, da die Unterkunft klar nach Außen abgrenzbar ist.

Im Auer Seniorenheim Kursana gibt es ebenfalls neue Fälle. Ein Bewohner und ein Pfleger waren dort am Freitag positiv getestet worden. Die Verantwortlichen im Heim hätten rasch reagiert, sagte Diephold, und die Belegschaft sowie die Bewohner testen lassen. Daraufhin sind drei weitere Fälle unter den Bewohnern entdeckt worden. "Sie zeigen nur schwache Symptomatik", versicherte Diephold. Das Seniorenheim ist derzeit für Besucher geschlossen. Insgesamt gibt es jetzt im Landkreis 938 bestätigte Coronafälle. 767 Menschen sind genesen, 41 an der Krankheit gestorben.

In den Praxen sind wieder Verhältnisse wie vor der Krise eingekehrt, berichtete Versorgungsarzt Mark Bardenheuer. Die niedergelassenen Ärzte seien damit beschäftigt, diese so zu organisieren, dass die Abstände eingehalten werden könnten. Der Preis für die Lockerung der Kontaktverbote ist, dass sich jeder auf Covid-19 Getestete zunächst in häusliche Isolierung begeben muss. Wenn das Ergebnis negativ ausfalle, dürfe sich derjenige nach fünf Tagen wieder aus der Quarantäne begeben.

Von einer Normalisierung des Betriebs im Klinikum berichtete Markus Neumaier, Ärztlicher Leiter des Krankenhauses. Seit Freitag öffnet sich dieses zunehmend für "planbare Patienten". Diese würden "gescreent", ob sie an dem Virus erkrankt seien, um dieses nicht einzuschleppen. Organisatorisch muss das Klinikum dafür sorgen, dass sich die Wege der "normalen" Patienten nicht mit denen an Covid-19 erkrankten kreuzen. Derzeit befinden sich auf der Intensivstation neun Menschen, von denen drei beatmet werden. Neumaier sieht derzeit keine Anzeichen, dass die Zahl der an Corona Erkrankten zunehmen könne. Für den Fall einer zweiten Welle hält das Freisinger Krankenhaus aber 70 Betten und vier Plätze auf der Intensivstation bereit. Je nach Lage kann diese Kapazität ausgebaut werde. 70 Besucher nutzten laut Neumaier am Samstag die Gelegenheit, ihre Verwandten im Klinikum zu besuchen. Am Muttertag seien es bereits 100 gewesen.

© SZ vom 14.05.2020

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