Die Geschichte um das Freisinger Kino in den Schlüterhallen ist um ein weiteres Kapitel reicher: Seit 1. Oktober ist das Cineradoplex überraschend geschlossen. In einer Mitteilung auf der Website heißt es dazu: „Hintergrund sind seit längerer Zeit offene Fragen im Zusammenhang mit der brandschutztechnischen Zulässigkeit und der ordnungsgemäßen Ausführung einzelner Rettungswege für die Kinobesucher.“ Wie es mit dem Kino-Standort weitergeht, sei derzeit offen.
In der Erklärung heißt es weiter, dass es zwischen den Betreibern und der Eigentümerin, der Saller Bau, seit Längerem unterschiedliche Auffassungen gebe, was die Bewertung und die erforderlichen Maßnahmen für die Brandschutz-Vorkehrungen betreffe. Investor Josef Saller weist das im Gespräch mit der SZ allerdings vehement zurück. „Beim Brandschutz fehlt überhaupt nichts.“ Statiker und Brandschutzgutachter hätten das Gebäude vor der Eröffnung abgenommen. Es sei bekannt, dass die Stadt Freising dabei „sehr penibel ist“. Die Bauaufsicht der Stadt ist nach eigener Aussage in die aktuelle Angelegenheit nicht involviert. Die Betreiberfamilie Schafft war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Auf der Kino-Website heißt es weiter: Anlässlich einer von der Cineradoplex GmbH veranlassten brandschutztechnischen Prüfung seien „unter anderem Fragen zu Rettungsweglängen sowie zu einzelnen baulichen Ausführungen festgestellt“ worden. Zwar seien verschiedene Lösungsansätze und bauliche Anpassungen aufgezeigt worden. „Eine abschließende Klärung sämtlicher offener Punkte konnte bislang jedoch nicht erreicht werden.“
Saller bestreitet Unstimmigkeiten. Die Kommunikation mit den Geschäftsführern der Cineradoplex GmbH, Andreas und Peter Schafft, beschreibt er allerdings als äußerst schwierig. Mehrere Kontaktversuche seien ohne Erfolg geblieben. Der Investor führt die Schließung auf wirtschaftliche Probleme der Betreiber zurück. Die Online-Plattform North Data, die öffentlich zugängliche Wirtschaftsdaten von Unternehmen aus Handelsregistern und anderen Pflichtveröffentlichungen aufbereitet, weist für das Jahr 2025 in der Tat hohe Verluste der Cineradoplex GmbH aus. Auf Angebote, sie zu unterstützen, hätten die Betreiber nicht reagiert, schildert Saller.
Auf der Website betont die Cineradoplex GmbH, man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, führt aber ausschließlich Probleme beim Brandschutz an. Solange die offenen Fragen nicht geklärt seien, sehe man „keine Möglichkeit, den Kinobetrieb am Standort fortzuführen“. Betroffen sind etwa 25 Mitarbeitende.
Es ist nicht das erste Mal, dass Freising ohne Kino ist
Freising steht also wieder einmal ohne Kino da. Ob und wann es wiedereröffnet werden kann, ist unklar. Die Resonanz in den sozialen Medien auf die plötzliche Schließung ist groß. Eine Facebook-Userin meint frustriert: „Super, haben wir in Freising noch weniger, was einem geboten wird.“ Dabei sah es Mitte 2021 so aus, als hätte das Freisinger Kino nach einer schwierigen und langen Anlaufzeit endlich eine Zukunft. Ende 2020 bestätigte Investor Saller, dass mit Andreas und Peter Schafft Betreiber für das Kino mit insgesamt fünf Sälen gefunden worden seien. Anfang August 2021 lief der erste Film.

In Pfaffenhofen betrieb Familie Schafft bereits von 2005 an ein Cineradoplex-Kino, das im Herbst 2023 verkauft wurde. Am Standort Freising kam es 2023 schon einmal zu einer überraschenden Schließung. Peter Schafft kündigte damals eine Sommerpause an. Nach drei Wochen ging der Betrieb dann aber weiter.
Auf ihr Kino mussten die Freisinger Cineasten vor dem Start 2021 länger als geplant warten. Mitte 2016 sah es so aus, als wäre die kinolose Zeit bald vorbei. Damals fand der erste Spatenstich für die Erweiterung des Einkaufszentrums an den Schlüterhallen statt. Im Herbst 2017, so die Hoffnung, sollten die ersten Filme auf der Leinwand zu sehen sein. Doch durch Probleme beim Bau und die schwierige Suche nach einem Betreiber nach dem Rückzug der Kette „Cinestar“ verzögerte sich die Eröffnung Jahr um Jahr.
Der Beitrag wurde um die Stellungnahme des Verpächters aktualisiert.

