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Schlimme Zustände in Freising:Berge von Müll

Seit Beginn der Coronapandemie bestellen viele Menschen bei Online-Anbietern. Die Verpackungen werfen sie achtlos neben Container. Mitarbeiter der Caritas müssen die Standorte anschließend reinigen.

Von Sara Livadas, Freising

Vor den Containern häufen sich aufgeweichte Kartonagen, dazwischen liegt ein Rasierer und nebenan steht ein einsamer Wasserkocher. Was nach einer Mülldeponie klingt, ist der fast tägliche Anblick, der sich Caritas-Mitarbeiter Horst Schöttel bietet.

Er reinigt zusammen mit Markus Seitz, einem Teilnehmer im Zuverdienst des Beschäftigungsprogrammes der Caritas, vier Mal die Woche Containerplätze in Freising und Umgebung. Von den vielen Angeboten der Caritas, zu denen auch das Buchcafé Etappe und das Gebrauchtwarenkaufhaus Rentabel zählen, ist die Containerplatzreinigung - mit über 20 Jahren Laufzeit - einer der ersten Beschäftigungsbereiche des Wohltätigkeitsverbandes in Freising.

"Wir haben schon alles gesehen"

Es ist ein kalter Montagmorgen. Die zwei Männer starten ihre Reinigungsrunde um acht Uhr in der Früh am Containerplatz an der Kepserstraße. Schon von Weitem sind die gestapelten Kartons und leeren Flaschen neben den Papier- und Altglascontainern zu sehen. Beide beginnen die Kartons zu zerkleinern und in die dafür vorgesehenen Container zu werfen - eine Arbeit, die auch die Ableger des Mülls selbst hätten erledigen können. Die beiden Container sind nämlich noch nicht einmal bis zur Hälfte gefüllt. Doch auch allerlei "Klump" findet seinen Weg auf den Containerplatz. Komplette Vasen, gefüllt mit Deko-Steinen, liegen neben Elektroschrott und Plastiktüten. "Wir finden alles Mögliche. Von Hausmüll, über Autoreifen, bis hin zum Sexspielzeug - wir haben schon alles gesehen", berichtet Schöttel von den teils kuriosen Fundstücken. Auch diesen Restmüll sammeln Schöttel und Seitz ein und laden ihn in ihren kleinen Laster, um ihn später zu entsorgen.

Nach dem Wochenende sei es besonders schlimm und jeden Montag sei es dasselbe Spiel, erzählt der 54-Jährige Caritas-Mitarbeiter. Berge an Müll und Verpackungen würden neben den Containern auf sie warten. Während der Coronakrise sei die Verschmutzung der Plätze enorm gestiegen. An einem Montag hätten sie keine Chance, ihre Runde vor halb vier zu beenden. Früher habe man schon einmal um zwei Uhr mittags Schluss machen können, sagt Schöttel. Seiner Vermutung nach sind die steigenden Online-Bestellungen während der Pandemie ein möglicher Grund dafür. "Die Leute können nicht in den Urlaub fahren und geben ihr Geld halt anderweitig aus. Auch die Spielplätze und Badeseen, die wir ebenfalls reinigen, waren viel stärker verschmutzt als sonst", versucht Horst Schöttel den Anstieg zu ergründen.

Seit fast zwölf Jahren ist er nun als Arbeitsanleiter bei der Caritas fest angestellt. Das Beschäftigungsprogramm und die Arbeitsanleiter sollen dabei helfen, sozial benachteiligten Menschen im Landkreis Freising eine Tagesstruktur zu geben, bei der sie gleichzeitig sozialpädagogisch begleitet sind.

Eine MIttagspause gibt es nicht

Auch am zweiten Containerplatz an der Erdinger Straße sieht es mit der Verschmutzung nicht besser aus. Die Tagestour der beiden Männer umfasst jedoch bis zu 23 solcher Stationen - da heißt es durcharbeiten. "Wir machen eigentlich keine Mittagspause. Ab und zu halten wir mal kurz an, um ein paar Minuten zu verschnaufen", erzählt Schöttel. Die längste Zeit, die sie je für die Reinigung von nur einem Platz gebraucht hätten? Fast eine ganze Stunde, berichtet der 54-Jährige.

Die Schuld möchte er trotzdem niemandem direkt geben. Schöttels Botschaft ist einfach: "Es sollte halt nicht jeder Müll hierhin geschmissen werden. Das allein wäre schon eine Erleichterung für uns." Schöttel und Seitz steigen wieder in ihren Wagen, es warten schließlich noch einige Containerplätze auf die beiden. Ihr Appell an die Bürger der Stadt: Ein bisschen mehr auf die Umwelt zu achten.

© SZ vom 19.12.2020
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