„Das war der Hammer“, sagt Daniela Görlich-Kunert. „Mit so einem Riesenerfolg haben wir nicht gerechnet.“ Innerhalb nur einer Woche wurde der Arbeitskreis Fairtrade am Freisinger Camerloher-Gymnasium gleich doppelt ausgezeichnet. Gut zwei Wochen ist das jetzt her, aber die Freude ist Görlich-Kunert, Deutschlehrerin und Leiterin des Arbeitskreises (AK) Fairtrade am Freisinger Camerloher-Gymnasium, noch immer anzumerken. Die Schule erhielt für ihr langjähriges Engagement für den fairen Handel gleich zwei „wunderbaren Auszeichnungen“: den Publikumspreis der Fairtrade-Awards und den Eine-Welt-Preis der Bayerischen Staatsregierung.
Faire Aktionen gibt es am Camerloher-Gymnasium schon seit vielen Jahren. Vor 15 Jahren wurde der Arbeitskreis Fairtrade gegründet – maßgeblich vorangetrieben von Daniela Görlich-Kunert. „Im Deutschunterricht sind wir auf die Situation der Kinder des Südens zu sprechen gekommen und danach ging es um die Frage, was wir tun könnten“, erzählt sie. Ein Stein war ins Rollen gekommen. Erste Aktionen – wie eine Modenschau mit fair produzierter Kleidung –folgten. 2013 erhielt das Camerloher-Gymnasium dann offiziell das Fairtrade-Siegel – laut Görlich-Kunert als eine der ersten Schulen in Bayern.
Etwa 15 Schülerinnen und Schüler engagieren sich im AK, jedes Jahr werden zahlreiche kreative Aktionen organisiert. So werden etwa faire Martinsgänse gebacken und verkauft, eine inzwischen traditionelle Ostereiersuche vorbereitet und ein Weihnachtsstand mit fairen Geschenken aufgebaut. Daneben gibt es den wöchentlichen Pausenverkauf und alljährlich die Klassensocken-Adventskalender-Aktion. Viele Jahre lang wurden zum Muttertag fair gehandelte Rosen verkauft.
„Wir haben in den letzten Jahren viele Vorträge gehalten, Workshops veranstaltet und einige Run-for-helps organisiert“, berichtet Görlich-Kunert. Daneben spiele die Bildungsarbeit an der Schule eine große Rolle. Immer wieder stellt der Arbeitskreis in einer eigens erarbeiteten Ausstellung verschiedene faire Produkte in den Mittelpunkt – etwa die Muttertagsrose oder Schokolade.
„Inzwischen spielt der Fairtrade-Gedanke in unserem Schulleben eine große Rolle.“ Man sei als Fairtrade-Akteur aber nicht nur an der Schule präsent, sondern auch in der Stadt. „Ein Highlight war eine Modenschau auf dem Marienplatz, als die Stadt ihr zehnjähriges Fairtrade-Jubiläum feierte“, erzählt Görlich-Kunert. Die „Plastik-frei-Aktion“ mit vielen Workshops dagegen wurde gemeinsam mit dem Weltladen und dem Fairen Forum der Stadt Freising organisiert – und stieß ebenfalls auf große Resonanz.


Mitentscheidend für den Erfolg sei das große Engagement der Schülerinnen und Schüler des Arbeitskreises. „Ihr Einsatz gegen ausbeuterische Kinderarbeit und für Frauen-Empowerment und faire Löhne ist großartig“, sagt Görlich-Kunert. Viele von ihnen seien über ihre gesamte Schullaufbahn hinweg dabei.
Martha Solty engagiert sich zum Beispiel seit der fünften Klasse im Arbeitskreis. Die 17‑Jährige sagt, durch die vielen Projekte habe sie viel gelernt, vieles davon lasse sich problemlos in den Alltag integrieren. „Ich kaufe beispielsweise keine Fast-Fashion-Klamotten mehr und zu Hause haben wir nur fair gehandelten Kaffee, Kakao und Schokolade.“ Nicht nur an der Schule, sondern auch privat im Freundeskreis leiste sie Aufklärungsarbeit. Arbeiten für den guten Zweck sei eine ganz tolle Sache, „da brennt man dafür“, sagt Martha und verabschiedet sich. Gerade läuft nämlich die Ostereiersuche am Camerloher-Gymnasium – natürlich mit fairen Ostereiern und Osterhasen.
Die Preise sind ein „riesiger Motivationsschub“
„Ihr leistet hervorragende Arbeit für unsere eine Welt. Ihr setzt euch für globale Gerechtigkeit, für Menschenrechte, für Solidarität, für die Bewahrung der Natur und vor allem auch für Frieden ein. Ihr seid damit ein echtes Vorbild für andere“, so hieß es in der Laudatio bei der Eine-Welt-Preisverleihung. Gewürdigt wurden vor allem die vielen kreativen Aktionen sowie die nachhaltige Bildungsarbeit rund um den fairen Handel an der Schule.
Die Preisverleihung für den Publikumspreis der Fairtrade-Awards findet erst im Juni statt. Vergeben wurde der Preis bereits per Online‑Voting: Die meisten Stimmen – 2642 – erhielt der Arbeitskreis Fairtrade des Camerloher-Gymnasiums. „So viel Zuspruch zu bekommen, ist für uns nicht nur eine große Anerkennung, sondern auch ein riesiger Motivationsschub“, sagt Görlich-Kunert. Aber auch das Preisgeld könne man bei den gestiegenen Schokoladenpreise als Finanzpolster gut gebrauchen, sagt sie und lacht.

