Bundestagswahl im Landkreis Freising:Fünf Kandidaten machen sich Hoffnungen

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126 073 Stimmberechtigte sind im Kreis Freising heute zum Urnengang aufgerufen. Viele Bürger haben ihre Entscheidung per Briefwahl aber längst getroffen.

Von Peter Becker, Freising

Die Prognose für den Wahlkreis Freising fällt für die Analysten von election.de eindeutig aus. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent kann nach ihrer Einschätzung Erich Irlstorfer (CSU) sein Bundestagsmandat verteidigen. Leon Eckert (Grüne) verfügt mit einem Prozent über krasse Außenseiterchancen. Wer letztlich am Sonntag im Wahlkreis 214 mit seinen 246 535 Stimmberechtigten mit welchem Ergebnis triumphiert, steht indes noch lange nicht fest. Fix ist nur, dass auch unter den Wählerinnen und Wählern im Landkreis Freising die Zahl derjenigen, welche die Briefwahl bevorzugen, enorm gestiegen ist.

Im Bürgerbüro stellt man sich auf eine lange Auszählung ein

126 073 Stimmberechtigte sind im Landkreis nach Auskunft der Kommunalaufsicht des Landratsamts zur Wahl aufgerufen. Vor vier Jahren waren es 123 400. Zumindest in Freising machen nach Auskunft von Michael Eberwein, Leiter des Bürgerbüros, 17 000 Bürgerinnen und Bürger von der Möglichkeit der Briefwahl gebrauch. Das entspricht gut der Hälfte der Wahlberechtigten in der Stadt. Zum Vergleich: Vor vier Jahren hatte Eberwein wenige Tage vorm Urnengang 10 000 Briefwählerinnen und Briefwähler registriert. Das schlägt sich in der Zahl der Wahllokale nieder. Die Kommunalaufsicht registriert in diesem Jahr 492 Wahlbezirke. Davon sind 264 Urnen- und 228 Briefwahlbezirke. Vor vier Jahren betrug das Verhältnis 297:134. Damals gab es 431 Wahlbezirke. Ähnlich sieht es bei der Stadt Freising aus. Die Zahl der Briefwahllokale hat sich derjenigen der Wahllokale fast angeglichen. Eberwein rechnet nicht nur deswegen mit längeren Auszählzeiten. "Das Auszählverfahren ist nicht ganz unkompliziert", sagt der erfahrene Leiter des Bürgerbüros. Es sei ja nicht so, dass derjenige mit seiner Zweitstimme auch den Kandidaten derselben Gruppierung auf dem Wahlzettel gewählt hat. Da sind Abweichungen möglich.

Bundestagswahl im Landkreis Freising: "Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin!" Das ist zwar eigentlich ein Schlachtruf aus dem Fußballpokal, gilt aber auch für die Bewerberinnen und Bewerber aus dem Wahlkreis Freising, die gerne in den Bundestag einziehen möchten. Oder falls sie dort schon sitzen, ihren Platz verteidigen möchten.

"Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin!" Das ist zwar eigentlich ein Schlachtruf aus dem Fußballpokal, gilt aber auch für die Bewerberinnen und Bewerber aus dem Wahlkreis Freising, die gerne in den Bundestag einziehen möchten. Oder falls sie dort schon sitzen, ihren Platz verteidigen möchten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Eberwein beobachtet seit Jahren den Trend, dass Bürgerinnen und Bürger von zu Hause aus ihr Votum abgeben. Er glaubt nicht, dass sich der irgendwann wieder drehen werde. Dafür ist zum einen das veränderte Freizeitverhalten der Menschen verantwortlich. Zum anderen habe natürlich "Corona einen zusätzlichen Schub gegeben". Was die Zahl der Wahlhelfer anbelangt, gibt es weder im Landratsamt noch bei der Stadt Freising Bedenken. Eberwein sagt zwar, dass einige Personen aus Sorge vor Corona abgesprungen seien. "Doch wir haben so viele Freiwillige, so dass wir gar nicht alle einsetzen können."

Erich Irlstorfer kämpft um sein Direktmandat

Spannend ist die Frage, ob es eine oder einer der Kandidatinnen oder Kandidaten schafft, Irlstorfer das Direktmandat streitig zu machen. 2013 war für die Christsozialen die Welt noch in Ordnung. 54 Prozent der Wählerinnen und Wähler im Wahlkreis 214 sprachen sich damals für den Debütanten Irlstorfer aus, 51,6 Prozent für die CSU. Vier Jahre später machte sich Ernüchterung breit. Irlstorfer erzielte nur noch 42,95 Prozent, seine Partei plumpste von 51,8 auf 39,67 Prozent. Trotz Verteidigung des Direktmandats überwog beim aktuellen Bundestagskandidaten der Frust. So sehr, dass er fünf Tage später zum Krisengipfel nach Au rief.

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Der Grund für das Federlassen der CSU war schnell ausgemacht. Die AfD hatte in Person von Johannes Huber stark im Hinterhof der CSU, im nördlichen Landkreis Freising, gewildert. Traditionell schwach in den großen, verstädterten Kommunen im Süden zur Nachbarschaft des Flughafens im Erdinger Moos, hatten sich die Christdemokraten stets auf ihre Wählerschaft auf dem Land verlassen können. Teile davon waren mit fliegenden Fahnen zum politischen Gegner übergelaufen. In Attenkirchen und Nandlstadt, der Marktgemeinde, in der Huber aufwuchs, holten er und die AfD ihre besten Ergebnisse im Landkreis. Huber zog über die Liste seiner Partei in den Bundestag ein

Karl Ecker ist vor allem im Norden stark

2021 könnte sich die Wählerschaft im nördlichen Landkreis weiter aufspalten. Karl Ecker, der im vergangenen Jahr aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für das Bürgermeisteramt in Au kandidiert hatte, will für die Freien Wähler das Direktmandat holen. Er zeigt sich zuversichtlich, dass er Irlstorfer besiegen kann. Eine andere Möglichkeit hat er nicht, um seine politische Karriere in Berlin fortsetzen zu können. Dass er über die Liste in den Bundestag einziehen könnte, ist unwahrscheinlich. Dazu müsste die Gruppierung die Fünf-Prozent-Hürde nehmen. Sollte Ecker das Direktmandat holen, wäre Irlstorfer nicht mehr im Bundestag vertreten.

Anders sieht es bei Andreas Mehltretter aus, der vor vier Jahren bereits für den Bundestag kandidierte. Im Wahlkreis holte er damals 13,46 Prozent der Stimmen. Aufgrund seiner guten Platzierung in der SPD-Liste könnte er den Sprung nach Berlin schaffen. Ebenso wie Leon Eckert (Grüne). Kerstin Schnapp, die kurzfristig für Birgit Mooser-Niefanger einsprang, welche die Öko-Partei verließ, holte im Wahlkreis 9,42 Prozent. Sollten es die Konstellationen zulassen, dass Eckert, Ecker oder Irlstorfer, Mehltretter und Huber in den Bundestag einziehen, wäre das ein historische Ergebnis für den Landkreis. So viele Abgeordnete in Berlin, das gab's noch nie.

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