Der Wahlabend im LandratsamtPizza, Bier und besorgtes Schweigen

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Party ohne Gäste: Die Auszählung im Landratsamt war bei dieser Wahl nicht eben gut besucht.
Party ohne Gäste: Die Auszählung im Landratsamt war bei dieser Wahl nicht eben gut besucht.
Marco Einfeldt

Zur „Wahlparty“ im Sitzungssaal kommen deutlich weniger Kandidaten und Parteien-Vertreter als in früheren Jahren – und die machen mit Blick auf das Erstarken der AfD teils lange Gesichter. Erststimmen-Sieger Christian Moser (CSU) feiert derweil in Pfaffenhofen und bangt um den Einzug in den Bundestag.

Von Kerstin Vogel, Francesca Polistina, Birgit Goormann-Prugger, Freising

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Schilder wiesen schon im Treppenhaus des Landratsamtes zur „Wahlparty“ – und eigentlich war mit Pizza und Bier auch gut für einen vermeintlich langen Wahlabend im Sitzungssaal gesorgt worden.  Anders als in früheren Jahren ließen sich jedoch nur wenige Kandidatinnen, Kandidaten und Vertreter der Parteien im Landratsamt blicken, um gemeinsam die eintrudelnden Wahlergebnisse zu verfolgen, mitzufiebern und gleich noch ein wenig zu diskutieren.

Schon gegen 19.30 Uhr leerte sich der Sitzungssaal – da stand das Ergebnis aus dem Landkreis Freising noch lange nicht fest, naturgemäß auch nicht das aus dem Wahlkreis, zu dem weitere Gemeinden aus den Landkreisen Pfaffenhofen und Schrobenhausen gehören. Drei kleinere Ortschaften von dort waren es dann auch, die schließlich die ersten Ergebnisse lieferten. Die waren wenig aussagekräftig natürlich und blieben auch weitgehend unbeachtet, weil zeitgleich der laufende Fernseher übertrug, wie Bundeskanzler Scholz seine Wahlniederlage einräumte – kurzzeitig war es dafür mucksmäuschenstill geworden im Sitzungsaal.

Der Trend, der sich auch im Wahlkreis 213 nur wenig später klar abzeichnete, verdarb dann allerdings manch einem schnell die anfangs vielleicht noch hoffnungsfrohe Laune. Dass der Sieg an den Direktkandidaten der CSU gehen würde, war im Vorfeld wohl kaum irgendwo bezweifelt worden. Dass die AfD aber – zumindest bei den Zweitstimmen – auch im Landkreis Freising die zweitstärkste Kraft wurde, darüber zeigte sich nicht nur Landrat Petz besorgt, auch wenn er an diesem Abend eigentlich neutral als Hausherr und „Gastgeber“ im Landratsamt agierte.

Schockierender blauer Balken

„Schockieren tut mich vor allem der blaue Balken“, sagte dazu FW-Direktkandidatin Birgit Weinsteiger, die als eine der wenigen Spitzenakteure des Wahlkreises an diesem Abend den Weg ins Landratsamt gefunden hatte. „Ich hätte gehofft, dass wir denen mit unserem gesunden Menschenverstand ein paar mehr Wähler hätten wegnehmen können.“

Auch der SPD-Abgeordnete Andreas Mehltretter, der den Abend nach der Wahl nicht im Landratsamt, sondern bei der traditionellen Wahlparty der Sozialdemokraten in Pulling verbracht hat, macht sich Sorgen um diesen „beschleunigten Rechtsruck“, wie er ihn nennt. „Es ist ein sehr schlechtes Ergebnis – für die Partei und für mich persönlich“, sagt er. Am bittersten sei aber das hohe Ergebnis der AfD.

Gedrückte Stimmung bei der SPD-Wahlparty in Pulling:  Andreas Mehltretter hat den Wiedereinzug in den Bundestag verpasst.
Gedrückte Stimmung bei der SPD-Wahlparty in Pulling:  Andreas Mehltretter hat den Wiedereinzug in den Bundestag verpasst.
Marco Einfeldt

Auf die Frage, warum die SPD so abgestraft worden sei, sagte Mehltretter, dass viele Wählerinnen und Wähler Bundeskanzler Olaf Scholz mit dem Ampel-Chaos der letzten Monate in Verbindung gebracht hätten. „Obwohl das Chaos von den Liberalen verursacht wurde“, fügte er hinzu. Aufgrund des schlechten Abschneidens seiner Partei wird Mehltretter nicht mehr in den Bundestag einziehen, das steht bereits fest, „aber natürlich werde ich mich weiterhin politisch engagieren“, versicherte er.

Durchaus noch Hoffnung machen kann sich dagegen Leon Eckert, was seinen Wiedereinzug in den Bundestag angeht. Er zeigte sich am Wahlabend optimistisch, wirklich wissen dürfte er das jedoch erst am Montag.  „Natürlich hätte man sich gewünscht, dass es mehr wird“, sagte er mit Blick auf das Bundesergebnis, kurz nachdem im Landratsamt die ersten Hochrechnungen bekannt geworden waren. „Aber angesichts der schwierigen Ausgangslage ist das ein stabiles, solides Ergebnis und der Auftrag, weiterzuarbeiten und sein Bestes zu geben.“

Leon Eckert, Direktkandidat der Grünen, hat die Auszählung der Stimmen im Landratsamt verfolgt. Er rechnet sich durchaus Chancen auf einen Wiedereinzug in den Bundestag aus.
Leon Eckert, Direktkandidat der Grünen, hat die Auszählung der Stimmen im Landratsamt verfolgt. Er rechnet sich durchaus Chancen auf einen Wiedereinzug in den Bundestag aus.
Marco Einfeldt

Der CSU-Kandidat Christian Moser verfolgte den Wahlabend in einer Bar in Pfaffenhofen, in der Mitte des Wahlkreises, wie er sagte. Heiser, weil gesundheitlich angeschlagen, aber ziemlich erleichtert meldete er sich am Handy. Sein vorläufiges Abschneiden sieht er als „Vertrauensvorschuss“. „Ich bin froh, dass es so gekommen ist, ich habe mir immer so um die 40 Prozent als Zielmarke gewünscht“, erklärte er. Das Endergebnis müsse man jetzt abwarten, sagte er am Sonntagabend, aber er sei zuversichtlich, dass er in den neuen Bundestag einziehen werde.

„Ich will dann für die Region ein guter Vertreter sein und fleißig sein“, versprach er. Das AfD-Ergebnis könne einem nur Sorge machen. „Jetzt müssen wir die Probleme lösen, die vielen Menschen sauer aufstoßen, nur zu demonstrieren, das reicht da nicht“, sagte der CSU-Kandidat. Da gehe es auch um das Thema Migration, das müsse man nun geordnet „und aus der Mitte heraus lösen“.

Dass sich im gesamten Landkreis die Wahlbeteiligung durchaus sehen lassen konnte, wie Robert Stangl, Sprecher des Landratsamtes, nach der Hälfte der Auszählung verkündete, ging schließlich schon ein bisschen im allgemeinen Aufbruch unter. Manch einer, wie etwa AfD-Direktkandidat Claus Staudhammer, der aus Pfaffenhofen stammt, hatte auch noch etwas anderes vor. „Wir machen noch Party“, sagte er, bevor er mit seinen beiden Töchtern das Landratsamt verließ – einigermaßen zufrieden mit dem Ergebnis des Abends. „Der Trend spricht für uns“, so Staudhammer: „Es ist uns gelungen, der CSU Stimmen abzunehmen, das war unser Ziel.“

Gefeiert wurde der Achtungserfolg der Linken im Viva Vita

Tatsächlich gefeiert wurde an diesem Abend auch im Viva Vita in Freising, wo sich die in der Stadt Freising zuletzt arg gebeutelte Linke zur Wahlparty versammelt hatte. 5,2 Prozent der Stimmen für die Partei und 4,2 für ihn als Direktkandidat: Er sei „absolut überwältigt“ von diesem Wahlergebnis, bundesweit, aber auch gerade in Freising sagte Sebastian Pisot. Seinen Dank richtete er vor allem an sein Wahlkampfteam, aber auch „an die zahlreichen Neumitglieder“, die man zuletzt habe gewinnen können und mit denen man an diesem Abend auch gleich ein kleines „Vernetzungstreffen“  veranstaltet habe.

Um die 20 Leute hätten über den Abend mitgefiebert und-gefeiert – und auch schon gleich den Blick in die Zukunft gerichtet, wie Pisot sagte:  „Wir werden weiter klare Kante gegen Rechts zeigen und als soziale Opposition fungieren“, versicherte er. Nicht zuletzt richte man den Blick auch bereits auf die Kommunalwahl, so Pisot: „Nach der Wahl ist bekanntlich vor der Wahl.“

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