Influencer im Landkreis FreisingBloggen als Herzensangelegenheit

Lesezeit: 3 Min.

Rosi Strasser schreibt in ihrem Blog "Servus Freising" auf Facebook, Instagram und Pinterest über ihre geliebte Heimatstadt.

Von Gudrun Regelein, Freising

Sie veröffentlichen regelmäßig Videoclips und Bildgeschichten, präsentieren sich oder Produkte auf Online-Plattformen, geben Tipps zu Ausflügen, Kleidung oder Kochen: Netzpersönlichkeiten aus dem Landkreis Freising, die sich Einflusskanäle aufbauen jenseits von Isar und Amper. Die Freisinger SZ will in einer lockeren Serie von ihnen wissen, was sie antreibt, wie man in das Metier des Influencers hineinwächst, welche Pläne sie verfolgen. Heute: die Freisinger Bloggerin Rosi Strasser.

In ihrem jüngsten Blog spielt Kirchdorf an der Amper die Hauptrolle. "Heimatfilmidylle im Ampertal", nannte ihn Rosi Strasser. Die Bloggerin war mit ihrem Mann am Wochenende dort unterwegs, der Tipp kam von einem Freund, oder "Spezl", wie Rosi sagt. "Unglaublich schee" ist es dort, erzählt sie begeistert. Wie im Heimatfilm "Ferien auf Immenhof" habe sie sich bei dem Spaziergang durch die idyllische Landschaft, bei dem sie Pferde, Lamas und Alpakas getroffen haben, gefühlt. Garniert ist ihr neuester Artikel mit Fotos wie aus dem Bilderbuch. Gerade jetzt, im Lockdown, wollen die Leute raus, sagt Rosi. So kam sie auf die Idee, schöne Spaziergänge in Freising und Umgebung vorzustellen. "Spaziergänge darf man ja noch machen."

"Servus Freising" heißt der Blog von Rosi Strasser. Als "Gute-Laune-Blog" über Freising und sein Umland, der Inspirationen für kleine und größere Unternehmungen bieten will, beschreibt sie ihn. Als fröhlich und abenteuerlustig beschreibt sie sich selbst. Tatsächlich lacht sie oft und gerne. Rosi Strasser ist in Freising geboren, im Landkreis aufgewachsen und wohnt seit einigen Jahren wieder in der Domstadt.

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Der 1. November 2017. Dieses Datum hat Strasser nicht vergessen. Das war der Tag, an dem alles begann. Damals habe sie, wie so oft, ihrer Tochter von Freising vorgeschwärmt, "ich habe ihr zum wahrscheinlich hundertsten Male erzählt, wie toll die Stadt ist." Ihre Tochter habe ihr dann vorgeschlagen, einen Blog zu machen. Strassers Tochter war damals schon eine erfolgreiche Foodbloggerin, sie ermutigte ihre Mutter und richtete ihr die Homepage ein.

"Ich habe dann gelernt, den Blog zu bedienen, die Artikel und Fotos einzustellen", berichtet Rosi Strasser. Einen Monat später veröffentlichte sie ihren ersten Artikel. "Freising, das charmante Städtchen an der Isar" heißt dieser, in dem sie ihre geliebte Heimat vorstellt. Ihre Tochter, die sie immer unterstützte und mit der sie noch immer Brainstorming macht, ist mittlerweile auch bei "Servus Freising" dabei, sie übernahm das Management der Seite. Auch ihr Mann spielt eine nicht ganz unwichtige Rolle, er ist nicht nur bei vielen Erkundungen dabei und macht laut Rosi Strasser die "allerschönsten Fotos", sondern er ist immer der erste und kritische Leser eines neuen Beitrags.

Wieso sie diesen Blog betreibt? "Ganz einfach, weil ich Freising mag und gerne schreibe", sagt Rosi Strasser. Auch den Lesern scheinen ihre Artikel, die Geschichten über Freising, wie der Besuch in einer Bäckerei oder der bei den Kartoffelbauern, zu gefallen. Sie bekomme immer mehr Feedback, erzählt Rosi Strasser. Was sie unbändig freut. Ganz zu Beginn nämlich habe sie nicht gedacht, dass jemand ihre Geschichten lesen würde. Bis sie dann eines Tages von einer Frau im Drogeriemarkt angesprochen und gefragt wurde, ob sie die Bloggerin sei. "Das war der Punkt, an dem ich Blut geleckt habe." Strasser begann, ihren Blog zu bewerben: Auf Facebook, Instagram, Pinterest - sie ist überall aktiv. Um die vielen Leseranfragen zu beantworten, nimmt sie sich inzwischen einen Vormittag frei. "Ich kann Freising natürlich nicht neu erfinden, aber es scheint den Leuten zu gefallen." Vielleicht liege das ja auch an ihrem bayerisch-lustigen Stil, meint Strasser.

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Den Namen "Servus Freising" hat sie übrigens bewusst gewählt. "Servus heißt bei uns sowohl Hallo als auch Tschüss", erklärt Rosi Strasser. So sei sie nicht nur auf Freising und den Landkreis beschränkt, sondern könne auch über regionale Ausflugsziele und Wochenendreisen berichten. Zwischen all den Freising-Artikeln finden sich deshalb auch Geschichten über den Eibsee oder Bratislava. Die kämen aber nicht so besonders gut an, sagt sie und lacht. "Ich glaube, den über Bratislava hat keiner gelesen."

Allein auf Instagram hat Strasser mittlerweile über 3270 Abonnenten, ihr Blog wurde in diesem Corona-Winter monatlich etwa 9300 Mal aufgerufen, sonst sind es jeden Monat etwa 13 000 Aufrufe. Die meisten Follower kommen aus dem Landkreis, aber es gibt auch viele aus München. Daneben sind es Besucher und Zuzügler, die ihre Geschichten und Tipps lesen. In der Corona-Zeit will sie nun noch mehr Spaziergänge vorstellen: "Ich habe es ja selber erlebt, wie langweilig es ist, immer die gleiche Runde zu laufen." Die Leute würden nach Abwechslung lechzen.

Vielleicht sei sie erfolgreich, weil sie ohne Druck schreibt, meint Strasser. Sie investiert allerdings auch viel Zeit in ihren Blog, manchmal fahre sie sogar dreimal zu einem bestimmten Ort - falls möglich mit dem Rad -, müsse dann den Artikel schreiben und sich um Fotos kümmern. Verdienen lässt sich mit dem Blog aber kaum etwas, ganz wenige Artikel bekomme sie bezahlt, leben könne sie davon nicht. Ihr Geld verdient sie als freiberufliche Texterin, außerdem schreibt sie Kinderbücher.

Der Blog sei für sie eine Herzensangelegenheit, sagt Rosi Strasser. "Ich schreibe nur, wenn ich wirklich zu 100 Prozent von etwas überzeugt bin."

Sie könne es sich leisten, nur dann etwas zu veröffentlichen, wenn sie Lust dazu habe. "Ich muss mir nichts aus den Fingern saugen." Irgendwann aber komme immer der Moment, in dem sie wieder die Abenteuerlust packt, sagt Rosi Strasser und lacht.

© SZ vom 30.01.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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Rosi Strasser betreibt mit "Servus Freising" einen Gute-Laune-Blog, wie sie selber sagt. Sie schreibt mit bayerischem Charme über die Schönheiten "ihrer" Stadt und hat dabei stets ihren Wunschleser vor Augen.

Von Nora Schumann

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