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Wettbewerb für Freisings Berufsschulzentrum:Zehn Vorschläge, ein Problem

Stadt und Landkreis stellen die ersten Ideen der prämierten Büros für den Schulcampus an der Wippenhauser Straße vor - neuralgischer Punkt bleibt die Verkehrsanbindung.

Von Peter Becker, Freising

Es ist das größte Bauvorhaben, das der Landkreis derzeit in Angriff nimmt: An der Wippenhauser Straße soll in den kommenden Jahren auf einem über 20 Hektar großen Grundstück ein neuer Campus für die umliegenden berufsbildenden Schulen entstehen. Dazu ging vor wenigen Tagen ein Ideenwettbewerb zu Ende. Die zehn gleichberechtigten Preisträger stellten Stadt und Landkreis Freising am Mittwochnachmittag in einem Online-Bürgerforum der Öffentlichkeit vor. Landrat Helmut Petz (FW) hofft, dass es am Ende eine Lösung geben werde, "die auch nach Jahrzehnten noch überzeugt". Neben den hohen städtebaulichen Anforderungen sollten die Anliegen der Schulen berücksichtigt werden.

Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (FW) fand den Wettbewerb, insbesondere das Zusammenspiel zwischen der vorhandenen Wohnbebauung und dem künftigen Schulcampus sehr spannend. Er verwies gleich zu Beginn auf den neuralgischen Punkt der Planung: die Erschließung des Schulgeländes. "Die ist sehr schwierig." Kein Wunder also, dass die Sprache im Verlauf des Bürgerforums immer wieder auf die beengten Verhältnisse auf der Wippenhauser Straße kam. Bislang quetschen sich der Individualverkehr, Busse, Radfahrer und Fußgänger durch das Nadelöhr.

Interessante Lösung

Architekt Peter Scheller, Mitglied der Jury, sagte, eine der Aufgaben, die in dem Ideenwettbewerb gestellt wurden, seien Vorschläge, wie sich der Verkehr künftig auf der Wippenhauser Straße verteilen könne. Interessant war dabei, wie einige Wettbewerbsteilnehmer mit der Haltestelle für die Schulbusse umgingen. Sie gestalteten sie als Platz mit Aufenthaltsqualität um eine baumbestandene Mitte herum. Im Zusammenhang mit der Erschließung des Schulgeländes gebe es eine interessante Lösung, sagte Eschenbacher. Es könnte nämlich ein Radweg gebaut werden, der über den Goldberg am Gelände der Landesanstalt für Landwirtschaft und den zu den Weihenstephaner Hochschulen gehörenden Flächen vorbei von Westen her zum neuen Schulcampus führe.

In einigen Entwürfen taucht die Idee auf, einen Radweg entlang des Wippenhauser Grabens zu bauen. Der sei aber teilweise überbaut. Eschenbacher gab zu bedenken, dass weiterhin Busse und Autos die Wippenhauser Straße passieren müssten. Er sieht ansonsten die Gefahr, dass Autofahrer auf Straßen ausweichen, die für ein höheres Verkehrsaufkommen nicht vorgesehen seien, wie etwa die Obervellacher Straße.

Nicht romantisieren

Stadtbaumeisterin Barbara Schelle warnte davor, den Wippenhauser Graben "zu romantisieren". Der führe nicht das ganze Jahr über Wasser, sondern falle ab und an trocken. Die Stadtbaumeisterin bezeichnete Schulen, Häuser, ein Umspannwerk und die benachbarte Deula-Schule mit ihrem Parkplatz im Umgriff des Geländes als derzeit "isolierte Einzelstücke", die jetzt zu einem Ganzen zusammengefügt werden sollen. Florian Plajer, Leiter der Abteilung Hoch- und Tiefbau am Landratsamt, hob den Synergieeffekt am Schulcampus hervor. Der wird durch gemeinsam nutzbare Gebäude wie etwa eine Mensa sichtbar. Auch Plajer gab zu: Eine Lösung für die Erschließung und den Parkraum zu finden, sei nicht ganz leicht.

Die zehn Gewinner nehmen jetzt am Realisierungswettbewerb teil. Der wird im Sommer beendet sein. Die Stadtplaner von Ver.de Landschaftsarchitektur sind das einzige Büro aus dem Landkreis Freising, das in die nächste Runde des Wettbewerbs einzieht. Sie arbeiten mit einem Münchner Architektenbüro zusammen. Verwunderlich: Von den Anwohnern des Campus hat offenbar niemand die Chance genutzt, sich am Bürgerforum zu beteiligen. Neue Gelegenheit dazu besteht im Zuge des weiteren Verfahrens.

© SZ vom 04.03.2021
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