Praktizierter Naturschutz:Buffet für Falter und Wildbienen

Kornblumenfeld in Freising, 2018

Auch Kornblumen sind bei Faltern und Bienen gefragt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Freisinger Stadtwerke lassen im Trinkwasserschutzgebiet auch mehrjährige, heimische Blühmischungen pflanzen. Die Wiesen spenden seltenen Insekten Nahrung. In diesem Jahr ist die Anbaufläche sogar verdoppelt worden.

Von Kerstin Vogel, Freising

Seit 27 Jahren kooperieren die Freisinger Stadtwerke bereits mit örtlichen Landwirten, um zum Schutz des Trinkwassers eine grundwasserschonende Bodenbewirtschaftung zu ermöglichen. Seit mittlerweile drei Jahren wird diese Zusammenarbeit um ein Blühflächenprojekt ergänzt, das Ende Mai von den Kooperationslandwirten fortgesetzt wurde. Unterstützt wird die Aktion durch das Wasserschutzbüro Ecozept, die Saatgut-, Anbau- und Beratungskosten werden von den Freisinger Stadtwerken übernommen, wie es in einer Mitteilung zu dem Projekt heißt.

Die verwendete mehrjährige Blühmischung setzt sich demnach aus insgesamt 45 überwiegend heimischen Pflanzenarten zusammen. Exotische, invasive Arten kommen nicht zum Einsatz, stattdessen werden sogenannte Trockenheitsanzeiger wie Echtes Johanniskraut, Saat-Esparsette, Scabiosen-Flockenblume, Gewöhnlicher Dost, Gelber Wau, Wiesensalbei und Kleiner Wiesenknopf ausgesät.

Von dieser hochwertig zusammengesetzten Blühmischung würden viele Insektenarten profitieren, heißt es seitens der Berater von Ecozept. So erfreue sich an den Blüten des Gewöhnlichen Dost eine sehr große Anzahl an Schmetterlingsarten, darunter einige stark gefährdete. Die Scabiosen-Flockenblume sei sehr wichtig für viele verschiedene Hummelarten, Tagfalter, Honigbienen, Bockkäfer, Bohrfliegen und

Blattkäfer und sei Pollenspender für 32 verschiedene Wildbienenarten. Außerdem benötigte ein Schmetterling - das Flockenblumen-Grünwidderchen - diese Blume für seine Fortpflanzung.

"Wir konnten die neuangesäte Gesamtblühfläche im Vergleich zum letzten Jahr verdoppeln", freut sich Wasserschutzberaterin Christiane Schmidt von Ecozept. Die zum Teil mehrjährigen Blühflächen sollen für eine Zeit von mindestens fünf Jahren die Landschaft ökologisch aufwerten und wertvollen Lebensraum bieten. Die mehrjährige Blühfläche leistet auch im Winter einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Wasserschutz.

Grundwasserqualität sichern

"Als verantwortungsbewusstem Wasserversorger geht es uns vorrangig um die nachhaltige Sicherung der Grundwasserqualität", wirbt auch Werkleiter Andreas Voigt für das Projekt. "Da auf Blühflächen

keine Dünge- und Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden, schützt dieses Projekt den Boden und das Freisinger Wasser unmittelbar." Zusätzlich werde die Wasserspeicherung durch den Strukturreichtum in Blühflächen verbessert, genau wie der Erosionsschutz. Voigt weiter: "Dass wir dadurch auch zum Artenschutz beitragen können, freut uns natürlich und passt zu unserer Unternehmensphilosophie."

Die Stadtwerke versorgen die Stadt Freising mit den eingemeindeten Orten Altenhausen, Ast, Attaching, Dürnast, Edenhofen, Erlau, Garten, Gartelshausen, Haindlfing, Haxthausen, Hohenbachern, Itzling, Kleinbachern, Lageltshausen, Pallhausen, Pellhausen, Piesing, Tüntenhausen, Tuching, Untergartelshausen, Vötting, Weihenstephan, Wies, Zellhausen und Zurnhausen mit Trinkwasser. Seit dem Jahr 1994 schließt das Unternehmen mit 41 Landwirten freiwillige Wasserschutzverträge ab und zwar auf 95 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Trinkwasserschutzgebiet, wie auf der Homepage der Stadtwerke nachzulesen ist.

Nitratbelastung senken

Diese Verträge verpflichten die Landwirte zu Maßnahmen, welche die Nitratbelastung des Grundwassers senken und gehen weit über die Auflagen der Wasserschutzgebietsverordnung hinaus. Im Vertragsgebiet werden deshalb nach der Ernte der Hauptfrucht, wie zum Beispiel Gerste, Zwischenfrüchte wie Senf eingesät. Beim Maisanbau wird auf Untersaaten gesetzt, die das überschüssige Nitrat aufnehmen. Auch ganzjährig begrünte Flächen wie Grünland und Ackergras können lange Zeit Nitrat aufnehmen. Die Bemühungen der Landwirte werden durch Ausgleichszahlungen der Stadtwerke honoriert.

© SZ vom 03.08.2021
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