Wie Freising Fahrradstadt werden könnte:Das Auto darf nicht mehr so viel Platz haben

Untersuchung Greenpeace: Radfahrer in Kopenhagen

100 000 Menschen fahren in Kopenhagen täglich mit dem Rad zur Arbeit, 75 Prozent davon auch im Winter.

(Foto: Daniel Reinhardt/dpa)

James Thoem, Geschäftsführer der dänischen Firma "Copenhaganize", beschreibt den Weg hin zu einer wirklich fahrradfreundlichen Kommune.

Von Pia Schiffer und Marie Schlicht, Freising

Es ist die Straße mit der weltweit größten Fahrraddichte: 48 000 Fahrräder überqueren täglich die "Nørrebrogade" im Zentrum Kopenhagens. In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe sich diese Zahl mehr als verdoppelt, erzählt James Thoem. Der Geschäftsführer der dänischen Firma "Copenhaganize" war am 14. September in der Luitpoldhalle zu Gast, um die Stadt dabei zu beraten, eine fahrradfreundliche Infrastruktur zu schaffen und die Verkehrswende hin zu einer umweltfreundlichen Mobilität zu meistern.

Kopenhagen ist als "Fahrradhauptstadt" weltweit für seine vier Meter breiten Radwege, die gut ausgebaute Infrastruktur und den fließenden Radverkehr bekannt. "Ich wohne in einer Stadt, in der das Fahrrad das normalste Transportmittel der Welt ist", sagt Thoem. "Aber das war nicht immer so und ist vielleicht die größte Motivation für andere Städte: Auch Kopenhagen war nicht immer Kopenhagen." 15 Jahre konstanter Investitionen in die Infrastruktur der Stadt seien notwendig gewesen, um sie auf den Stand zu bringen, auf dem sie jetzt sei. 321 Millionen Euro wurden dafür zwischen 2006 und 2019 investiert. Und das hat sich gelohnt: Über 100 000 Menschen fahren in Kopenhagen täglich mit dem Rad zur Arbeit, 75 Prozent davon auch im Winter. Pro Stunde seien in der Stadt 5900 Fahrräder und nur 1300 Autos unterwegs - doch wie kann diese Trendwende auch in anderen Städten gelingen?

"Alle Straßen waren einmal fahrradfreundlich", erzählt Thoem. "Doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Auto die Zukunft. Ab da galten andere Regeln auf den Straßen: Fußgänger und Radfahrer fanden keinen Platz mehr - das muss sich wieder ändern." Um diese Änderungen in Städten wie Freising durchzusetzen, gebe es mehrere Herangehensweisen: Fahrradwege müssten breiter gemacht werden, die Infrastruktur der Städte dürfe nicht länger auf Autos, sondern müsse auf Räder ausgelegt sein und familienfreundliche Lastenfahrräder, an denen eine Transportbox befestigt ist, müssen verstärkt eingeführt werden.

Es muss schnell und einfach sein

Dies biete sowohl für die Verkehrsteilnehmenden als auch für die Stadt diverse Vorteile: Fahrradfahren sei besser für die Umwelt, die eigene Gesundheit und außerdem weitaus kostengünstiger als Autofahren. Zudem sei es ein ökonomischer Vorteil, da es dadurch mehr Menschen leicht gemacht wird, die Geschäfte in der Innenstadt aufzusuchen, erklärt Thoem. Nach Ansicht des Experten sei für eine Verkehrswende vor allem eins entscheidend: "Wenn man Menschen dazu bringen möchte, Fahrrad zu fahren, muss es für sie schnell und einfach sein." Dies beruhe auf den Ergebnissen einer in Kopenhagen durchgeführten Umfrage, in welcher die Frage "Warum nutzen Menschen ihr Fahrrad?" nachgegangen wurde.

Lastenräder fördern

Diese Ziele verfolge auch die Stadt Freising. Bereits seit 2019 werden die Pläne mit einem Mobilitätskonzept konkretisiert. In diesem Jahr konnte bereits ein erster Erfolg erzielt werden. Die offizielle Auszeichnung als "fahrradfreundliche Kommune" zu Beginn des Jahres solle laut Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (Freisinger Mitte) als Beginn für weitere Anstrengungen gelten, um den Radverkehr in der Stadt Freising weiter zu fördern. Weitere Maßnahmen sind bereits in Planung: Für Lastenräder, die sich in Kopenhagen großer Beliebtheit erfreuen, werde derzeit im Zuge des Mobilitätskonzeptes ein Mietsystem entwickelt.

Für Freising seien außerdem die Einrichtung neuer Fahrradstraßen und mehr Fahrradparkplätze am P&R-Platz hinter dem Bahnhof geplant, erklärt Dominik Fuchs, Mobilitätsbeauftragter der Stadt und Organisator der Veranstaltung. Gemeinsam mit Birgit Mooser-Niefanger, Dritte Bürgermeisterin von Freising (Freisinger Mitte), wurden zu Beginn der Veranstaltung die Preisträgerinnen und Preisträger für das Stadtradeln und das Schulradeln geehrt. In diesem Jahr haben sich fast 1000 Interessierte an der Aktion beteiligt, einem Wettbewerb, bei dem es darum geht, 21 Tage lang möglichst viele Alltagswege klimafreundlich mit dem Fahrrad zurückzulegen. Insgesamt haben die Radelnden aus Freising dabei 153 810 Kilometer zurückgelegt, was als neuer Rekord gilt. Dieses Engagement wurde an diesem Abend durch Urkunden und eine Preisverleihung honoriert. "Es ist eine Veränderung, die unsere Stadt benötigt", betont Mooser-Niefanger.

© SZ vom 16.09.2021
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