Für den einen oder anderen Freisinger dürfte ein Spaziergang durch die Untere Hauptstraße in Richtung Heiliggeistgasse derzeit eine Art Déjà-vu auslösen. Nur wenige Monate, nachdem im Dezember 2025 der Schlussstein für die Neugestaltung der Innenstadt gesetzt worden war, ist das Pflaster am unteren Ende der Altstadt wieder aufgerissen worden. Eine Großbaustelle erschwert erneut das Durchkommen und den Zugang zu den Geschäften – und auf der Social Media-Plattform Facebook herrschen Empörung und Spott.
„Neue Bürgermeister neues Pflaster, so war das immer schon“, kommentiert ein Nutzer die Bauarbeiten, andere überlegen, ob vielleicht wieder Kopfsteinpflaster verlegt werden soll oder ein Werkzeug vergessen wurde – und auch die Umbenennung Freisings in „Bausing“ wird angeregt. Eine Userin allerdings ärgert sich über die gegen Stadt und Politiker gerichteten Kommentare, schließlich seien daran einige Bürger schuld: „Anrainer, die zuerst nicht ans Fernwärmenetz angeschlossen werden wollten, finden das jetzt plötzlich doch ganz toll.“
Tatsächlich ist das die Erklärung: Zwar hatten die Freisinger Stadtwerke vor Beginn der Altstadtsanierung alle Anlieger und Hauseigentümer gefragt, ob Interesse an einem Wärmeanschluss besteht, wie eine Sprecherin der Stadtwerke erklärt. Leider sei das Interesse im Bereich der Unteren Hauptstraße und Heiliggeistgasse damals „negativ beziehungsweise gleich null“ gewesen, man habe auf die Erschließung also verzichtet.
Das liege allerdings gut zehn Jahre zurück, erinnert die Sprecherin: Der Bereich der Heiliggeistgasse sei bereits 2015 bis 2016 umgebaut worden. Wegen der gestiegenen Energiepreise und Änderungen bei der Förderung stelle sich die Situation heute anders dar. Da das Wärmenetz bereits bis zur Weizengasse verlegt sei, werde es nun für die aktuellen Nachfragen erweitert.
Die Kosten der Bauarbeiten seien dabei im Wesentlichen von demjenigen zu tragen, der sie verursacht – wie bei jedem Hausanschluss, so die Stadtwerke. Die wollen in diesem Jahr noch weitere neue Anschlüsse legen: im Kreuzungsbereich von Kirchgasse und Ziegelgasse.
Aus der Not eine Tugend gemacht hat Geschäftsmann Günther Sesselmann. Er klagt zwar einerseits auf Facebook, dass die Baustelle vor seinem Modegeschäft zuletzt vier Tage hintereinander „unbesetzt“ gewesen sei. Genutzt hat er die Pause dennoch und zwischenzeitlich seine Schaufensterpuppen zum „Catwalk“ in die Baustelle postiert – ein echter Hingucker für die Passanten.
Zu Fuß kann die Baustelle passiert werden, die Geschäfte sind erreichbar
Wie lang die Geschäftsleute und Anwohner noch unter den Einschränkungen zu leiden haben, lässt sich auf der Homepage der Stadtwerke nachlesen. Die aktuellen Arbeiten sollen demnach bis Ende Juni abgeschlossen sein. Danach sind bis Ende September weitere Arbeiten in der Heiliggeistgasse geplant. Zu Fuß kann die Baustelle jederzeit passiert werden, auch die Zugänge zu den Gebäuden und Geschäften bleiben begehbar, der Autoverkehr muss draußen bleiben.
Bis Oktober 2026 wollen die Stadtwerke fertig sein, auch wenn Sesselmann Zweifel an diesem Zeitplan hat: „Geht das so weiter, dann sind wir bis Weihnachten nicht von dieser Baustelle erlöst“, fürchtet er und wirbt um Solidarität: „Darum wäre es von allen Besuchern der Innenstadt sehr nett, gerade die betroffenen Geschäfte zu besuchen und zu unterstützen.“

