Der Holzpavillon am Freisinger Bahnhof steht erneut leer. Das Café „Alaya“ ist dicht. Somit hat dort bereits der zweite Pächter innerhalb von drei Jahren aufgegeben. Die Bahn sucht nun wieder nach einem neuen Mieter für das 500 000 Euro teure Gebäude – und zeigt sich optimistisch. Im Zugangsbereich zur Unterführung entsteht unterdessen ein Fertigbau für eine Bäckereikette aus der Region.
Als die Bahn 2020 den Freisinger Bahnhof als einen von bundesweit nur 16 „Zukunftsbahnhöfen“ auswählte und gut eine Million Euro in die Hand nahm, um etwas für Optik und Kundenzufriedenheit zu tun, klang das schon fast zu schön, um wahr zu sein. Die Hälfte der Summe floss allein in den Holzpavillon, der vor dem Bahnhofsgebäude zwar ein paar letzte Parkplätze verdrängte, dafür aber eine neue Gastronomie beherbergen sollte. Doch die Umsetzung scheint nicht so einfach zu sein.
Die Reisenden hätten sich für den Bahnhof ein besseres gastronomisches Angebot und mehr Aufenthaltsflächen gewünscht, sagte die im Dezember 2022 zur Eröffnung des Cafés eigens angereiste Bahnhofsmanagerin der DB Station&Service AG, Mareike Schoppe. Und „besser“ sollte dieses in jeder Hinsicht sein: Der Pavillon wurde in nachhaltiger Holzbauweise errichtet – ein absolutes Novum für die Bahn. Und erster Mieter in der neuen Immobilie mit 18 Plätzen im Gastraum wurde die Siggis enterprise GmbH, die in München vegane Restaurants und Cafés betreibt und dann auch in Freising regionale Getränke und vegane Speisen anbieten wollte.
„Vegan“ aber war anscheinend zumindest mit den Bahnreisenden in Freising nicht zu machen. Das Konzept scheiterte – und schon im Sommer 2024 gab es einen ersten Pächterwechsel. Das Café hieß fortan Alaya, Betreiberin Nesrin Özkan bot in dem Familienbetrieb warme Speisen wie Spaghetti oder Pizza an, hausgemacht und täglich frisch gebacken. Vegane Produkte sollte es nur noch in einem von „Siggis“ bestückten, „Pick-up Point“ genannten Kühlschrank des Cafés geben.
Demnächst gibt es ein neues gastronomisches Angebot
Mit diesem Angebot wirbt „Siggis“ im Internet nach wie vor, am innovativen Holzpavillon am Freisinger Bahnhof aber stehen mögliche Kunden schon wieder vor verschlossenen Türen. Leider sei das Angebot des Pächters nicht ausreichend angenommen worden, „weshalb der Vertrag vorzeitig beendet wurde“, erklärt ein Bahnsprecher den Leerstand.
Dabei sei der Standort gut für gastronomische Konzepte oder auch den Dienstleistungsbereich geeignet, davon ist man bei der Bahn nach wie vor überzeugt. Er liege an einem der Hauptwege zwischen Bahnhof und Stadt und weise eine entsprechend hohe Frequenz auf. Die für Infrastruktur zuständige Bahntochter DB Infrago sei auch schon mit Interessenten aus dem gastronomischen Bereich in Gesprächen „und ist zuversichtlich, dieses Jahr einen neuen Mieter für die Fläche zu haben“. Bis dahin gebe es einen Interessenten für eine Pop-up-Fläche zur Zwischennutzung. Dabei handele es sich um ein „gemeinwohlorientiertes Angebot rund ums Thema Wissenschaft“.

Dass die Bahn für den jetzt leer stehenden Pavillon als Hauptbestandteil des „Zukunftsbahnhofs“ einiges Geld in die Hand genommen hat, ist offenbar kein Problem. Das Projekt in Freising sei nur ein Pilot für das nun bundesweite Programm der Zukunftsbahnhöfe gewesen. Es sei nicht um Gewinn gegangen, sondern darum, neue Ideen und Möglichkeiten an und für Bahnhöfe zu testen, erklärt der Bahnsprecher.
Aktuell baut die DB Infrago bereits ein weiteres gastronomisches Angebot für Reisende im Zugangsbereich zur Unterführung. Eine Bäckereikette aus der Region soll in dem Fertigbau zwischen Hauptgebäude und Gleisen unterkommen, auch ein Sitzbereich für Kunden ist dort vorgesehen. Außerdem soll der Müllcontainer in einer Einhausung verschwinden, „um das Erscheinungsbild des Zugangsbereichs zu verbessern“.

