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Landkreis Freising:Azubi-Mangel auf dem Bau

Gewerkschaft warnt vor Azubimagel auf dem Bau

Mehr junge Menschen für Berufe in der Baubranche zu begeistern ist wichtig - da sind sich alle einig. Ob man das Gehalt anheben sollte, ist aber umstritten.

(Foto: dpa)

Während die Innung auf Information setzt und ihre Berufe in Schulen und sogar in Kindergärten vorstellt, fordert die Gewerkschaft eine bessere Bezahlung. Kreishandwerksmeister Reiter warnt, die Branche schlecht zu reden.

Von Nadja Tausche, Freising

In der Baubranche fehlen Azubis - zumindest so weit ist man sich im Landkreis Freising einig. Was man nun aber tun soll, um mehr junge Menschen für den Beruf zu begeistern, da gehen die Meinungen auseinander. Die Gewerkschaft IG Bau fordert, die Berufseinsteiger besser zu bezahlen: 100 Euro mehr sollen Azubis auf dem Bau pro Monat erhalten, fordert die Gewerkschaft in einer aktuellen Mitteilung. Außerdem müsse der meist unbezahlte Weg zur Baustelle künftig entschädigt werden.

"Nur wenn die Arbeitsbedingungen auf Baustellen attraktiver werden, lässt sich das Nachwuchs-Problem lösen" heißt es in dem Schreiben von Michael Müller von der IG Bau Oberbayern. Unter den aktuellen Bedingungen sei es für Berufseinsteiger schwierig, die Arbeit mit Familie und Freizeit zu vereinbaren - das spiegle sich auch in der hohen Zahl an Abbrechern wider: Laut der Mitteilung bringt im Baugewerbe jeder dritte Azubi die Ausbildung nicht zu Ende.

Die Arbeitsbedingungen müssen laut IG Bau attraktiver werden

Bei der Bau-Innung Freising und Erding reagiert man auf die Forderung mit Kritik. Schon jetzt sei das Baugewerbe "ein hochattraktiver Arbeitgeber mit hervorragenden Berufs- und Stellenangeboten für junge Leute", heißt es in einem Reaktionsschreiben der Innung, in der knapp 70 Betriebe aus den Landkreisen Freising und Erding organisiert sind. Die Bezahlung sei gut - und werde besser: In den vergangenen fünf Jahren sei die Ausbildungsvergütung von Azubis in der Baubranche um rund zehn Prozent gestiegen, wird Obermeister Martin Reiter in der Mitteilung zitiert, damit sei sie "seit Jahren die höchste im Vergleich zu anderen Branchen." Dass die IG Bau ein Einkommensplus fordert, kritisiert Reiter deutlich: "Es ist unverantwortlich, dass die Gewerkschaft IG Bau derzeit versucht, die Branche schlecht zu reden." Aktuell verdienen gewerblich Auszubildende im Baugewerbe 850 Euro im ersten Lehrjahr, im dritten sind es 1475 Euro.

Konkret sind im Landkreis Freising zum Stand Juli nach Angaben der IG Bau noch 60 Prozent der Lehrstellen unbesetzt. Betroffen sind demnach zwölf von 20 ausgeschriebenen Plätzen. Ein "Alarmsignal" nennt das Michael Müller - denn schon im vergangenen Jahr sei die Lage ähnlich kritisch gewesen: Zum gleichen Zeitpunkt 2019 waren demnach 39 Prozent der Stellen noch nicht besetzt. Kreishandwerksmeister Martin Reiter wiederum spricht auf Nachfrage von sogar drei unterschriebenen Ausbildungsverträgen mehr in den Landkreisen Freising und Erding als vergangenes Jahr - die Differenz kann er nicht erklären. So oder so aber, argumentiert Reiter, würden viele Ausbildungsverträge traditionell erst im August oder September abgeschlossen. In diesem Jahr habe die Corona-Pandemie die Lage zusätzlich erschwert: Man habe nicht in Schulen und Flüchtlingsunterkünfte gehen können, um den Beruf vorzustellen, Ausbildungsmessen seien ausgefallen. Und wegen des Virus hätten die Betriebe nicht im gleichen Umfang wie sonst Praktikumsplätze anbieten können.

"Es ist seit Jahrzehnten schwierig, Azubis zu finden", sagt Obermeister Martin Reiter

Bei dem Hauptproblem sind sich wiederum beide Seiten einig: Man müsse mehr junge Menschen für die Baubranche begeistern. Auch in diesem Jahr sei die Zahl der eingegangenen Bewerbungen zurückgegangen, sagt Reiter: "Es ist seit Jahrzehnten schwierig, Azubis zu finden." Wie ein Wandel vonstatten gehen soll, da gibt es für den Kreishandwerksmeister allerdings nur eine Möglichkeit - und die ist nicht neu: jungen Menschen den Beruf vorzustellen und ihn entsprechend zu bewerben. Die Bau-Innung müsse dafür weiterhin Schulen und Messen besuchen, so Reiter - mittlerweile habe man zudem sogar zwei Mitarbeiter eingestellt, die in Kindergärten fahren und dort schon die ganz Kleinen mit dem Beruf vertraut machen. Von den Betrieben selbst könne man aber nicht mehr erwarten, als dass sie weiterhin Praktikums- und Ausbildungsplätze anbieten, sagt Reiter und folgert: "Mehr können wir nicht machen."

© SZ vom 26.08.2020/ilos
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