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Freising:Auf den Spuren der Freisinger Stadttore

Von den sechs Türmen hat keiner die Zeit überdauert. Das Ziegeltor war das letzte, das 1898 der Expansion der Bevölkerung weichen musste. Nur am geistlichen Domberg haben auf dem Weg zum Mariendom zwei Bauwerke überlebt

Mittelalterliche Städte schmücken sich gern mit ihren Stadtmauern, Toren und Wehrtürmen. Rothenburg an der Tauber oder Nördlingen sind Paradebeispieler dafür. Bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gab es Freising sogar noch einen Türmer, der von Sankt Georg aus Ausschau nach Feuerbrünsten hielt. Der Verlauf der Stadtmauer lässt sich heute nur noch erahnen. Das letzte Stadttor ließen die Freisinger Stadtväter 1898 abreißen. Freising war es in seinem Jahrhundert alten Korsett zu eng geworden. Die Bevölkerung nahm zu und drängte über die Mauern, die bereits seit dem 17. Jahrhundert verbaut waren, nach draußen.

Der Domberg hat sich Mitte des 12. Jahrhunderts von der Stadt abgegrenzt, die ihm zu Füßen liegt. Seit der Zeit Ottos von Freising gibt es seit etwa um das Jahr 1150 herum die beiden Tore, die heute noch auf dem Weg zum Mariendom zu sehen sind. Der Fürstbischof verfügte, dass der Domberg fortan nur der Geistlichkeit gehören sollte. Weltliche Bürger durften auf dem Hügel nicht mehr wohnen. Zu dessen Fuß wuchs Freising an, erhielt aber erst im späten Mittelalter eine Stadtmauer. Dort wo die Straßen ins Umland führten entstanden sechs Stadttore, die Stadtarchivar Florian Notter vor einigen Jahren im Magazin Fink beschrieben hat.

Veitstor

Das Veitstor stand am westlichen Ende der Oberen Hauptstraße, etwa dort, wo sich heute die Bar "Carlitos" befindet. Laut Notter ist das Veitstor 1386 zum ersten Mal erwähnt. Die Straße führte damals über Fahrenzhausen weiter nach Dachau. Seinen Namen hat das Tor nach dem Benediktinerkloster erhalten, das anstelle des Lindenkellers auf dem Weihenstephaner Berg stand. Es fiel der Säkularisation zum Opfer. Die Tordurchfahrt war relativ niedrig. Es mehrere darüber liegende Geschosse auf, gekrönt von einem gotischen Zinnengiebel. Das Tor wurde 1875 abgerissen.

Ziegeltor

Das Ziegeltor war das letzte, das der Freisinger Expansion weichen musste. Es fiel 1898, wobei der Stadtrat und Landtagsabgeordnete der Patriotenpartei Balthasar von Daller seine Hände im Spiel gehabt haben soll. Zum ersten Mal schriftlich dokumentiert ist das Tor im Jahr 1487. Es stand am Ende der Ziegelgasse, wo seine Umrisse heute rot auf dem Pflaster nachgebildet sind. Der Name rührt daher, das die dort einst verlaufende Straße zu den Lehmgruben führte, aus denen die Freisinger ihre Ziegel brannten. Notter beschreibt das Tor als mehrgeschossig mit vergleichsweise hoher Durchfahrt. Ursprünglich besaß es ein Krüppelwalmdach. Nach dem Geschmack des 19. Jahrhunderts wurde dies um dessen Mitte entfernt und durch einen damals modischen Treppengiebel ersetzt.

Judentor

Dieser Durchstich durch die Stadtmauer nannten die Freisinger auch Murn- oder Landshuter Tor. Es lag am Ende der General-von Nagel-Straße. Zwei wichtige Straße nahmen dort ihren Lauf. Die eine, die Bundesstraße B 301 führte von dort nach Regensburg. Die andere wies den Weg nach Landshut, allerdings verlief diese damals über die Alte Poststraße. Daher rührt der Name Landshuter Tor. Eine weitere Bezeichnung erinnert an sumpfiges Gebiet vor der Stadt. Der Name "Murn" leitet sich vom althochdeutschen "Mar" ab, der ein Moor oder einen Sumpf bezeichnet. Die Bezeichnung "Judentor" wiederum weist auf eine kleine jüdische Siedlung auf dem so genannten "Schelmenbuckel" hin. Dies entspricht dem heutigen Gelände hinter der Korbiniansapotheke. Als einziges der Freisinger Tore besaß es ein von Zinnen gekröntes flaches Dach. 1828 musste es dem Neubau der Landshuter Straße weichen. Die königliche Regierung genehmigte den Abriss mit der Auflage, die Freisinger müssten ein neues Tor bauen. Diesem Gebot kamen sie nie nach.

Isartor

Auch "Erdinger Tor" genannt, wurde es 1417 erstmals erwähnt. Verbunden mit der Dombergbefestigung stand es am südlichen Ende der Heiliggeistgasse, wo diese heute auf die Untere Domberggasse und Sondermüllergasse trifft. Der Name leitet sich von seiner Nähe zur Isar und der Anlegestelle für die wirtschaftlich bedeutsamen Lände ab. An dieser trafen viele bedeutsame Versorgungsgüter ein. Dort befanden sich Magazine und Speicher für Holz, Steine, Kalk, Bier- und Weinfässer. Notter beschreibt es als niedrig mit spitzbogiger Durchfahrt und einem Zinnengiebel. Die Stadt ließe es 1864 abreißen.

Basteltipp

Wer Spaß an Basteleien hat, kann die Freisinger Stadttore daheim "nachbauen" und dann bemalen. Die entsprechenden Bastelbögen gibt es im Freisinger Stadtmuseum, im Museumsladen. Zu jedem Tor gibt es auch Hintergrundinformationen. Erzählt wird, wo es stand, woher es seinen Namen hat und wann es, zum großen Bedauern der Denkmalschützer, abgerissen wurde. Beigelegt ist der Mappe auch der Freisinger Urkataster aus dem Jahr 1810, der älteste Stadtplan der Domstadt. Darauf findet man natürlich auch die Standorte der alten Freisinger Stadttore.

Für die SZ hat die sechsjährige Ella Zimmerhof die Stadttore zusammengebastelt und entsprechend bemalt (Fotos). Beim Ausschneiden und Zusammenkleben brauchte sie allerdings ein klein wenig Hilfe von der Mama. vo

Münchner Tor

Nicht weit weg vom Vinzentinum befand sich das jüngere der beiden Münchner Tore. Entstanden ist es wohl im Zusammenhang mit dem spätmittelalterlichen Fürstenweg , einer neuen Straße, die von Freising bis Eggertshofen verlief. Er entsprach dem Verlauf der Münchner Straße der Gegenwart. Benutzten durfte diese lange Zeit allerdings nur der fürstbischöfliche Hof. Das Münchner Tor entstand etwa in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Passieren durften dort ebenso nur Geistliche. Mit seiner prächtigen Gestaltung hob es sich von den anderen Freisinger Stadttoren ab. Trotz heftiger überregionaler Proteste ließ die Stadt das Münchner Tor 1878 aber abreißen.

Münchner Törl

In der Nähe des Parkhauses am Wörth stand einst das ältere der beiden Münchner Tore. Dort verlief bis ins Spätmittelalter hinein die alte Münchner Straße. Die neue Münchner Straße, die heute dem Verlauf der Bahnhofstraße entspricht, maß dem Tor eine untergeordnete Rolle zu. Darauf weist auch der Name hin. 1450 erstmals erwähnt, war es aufgrund seiner geringen Bedeutung das erste Freisinger Stadttor, das abgerissen wurde. Das geschah im Jahr 1810.

© SZ vom 02.01.2015

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