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Asamgebäude in Freising:Ein einmaliger Fund

Im Rahmen der Sanierung des Asamgebäudes wurde ein historisches Pumpengehäuse (rechts im Bild) sowie eine im Boden verankerte Platte gefunden. Laut Bauhistorikerin Eva Willberg und Archäologe Folke Prill (links) ist die Anlage aus dem 18. Jahrhundert ein für Süddeutschland einmaliger Fund

(Foto: Marco Einfeldt)

Bei der Sanierung kommt eine historische Pumpenanlage zutage, die wohl aus dem 18. Jahrhundert stammt und Wasser in die Freisinger Altstadt sowie auf den Domberg gefördert hat. Deutschlandweit gibt es nur zwei Restauratoren, die sich damit auskennen.

Von Nadja Tausche, Freising

Als "kleine Sensation" bezeichnete die Bauhistorikerin Eva Willberg den Fund, den man bei der Sanierung des Asamgebäudes gemacht hat: Eine historische Pumpenanlage nämlich, die wohl aus dem 18. Jahrhundert stammt und Wasser in die Freisinger Altstadt sowie auf den Domberg gefördert hat. In dieser Größe und Beschaffenheit sei die Anlage "ein für Süddeutschland einmaliger Fund", wie die Verantwortlichen bei einem Termin am Donnerstag vor Ort betonten.

Etwas Besonderes ist die Pumpenanlage wegen ihres guten Zustands. Auch die Größe sei beachtlich, so Bauhistorikerin Willberg: Deutschlandweit gebe es nur zwei Restauratoren, die sich mit historischen Pumpen dieser Größe auskennen. Dazu kommt das Material. Das Gehäuse der Pumpe besteht größtenteils aus Eichenholz: Normalerweise sei bei Pumpen dieser Art viel mehr Metall verbaut, erklärte Folke Prill vom betreuenden Archäologischen Büro. Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher sagte bei dem Termin, man erlebe bei solchen Bauprojekten oft Überraschungen: "Manchmal ist wirklich Erstaunliches dabei."

Das Gehäuse sieht aus wie ein Sarg mit Metallstiften

Aus welcher Zeit die Anlage stammt, darauf gibt ein Plan von 1803 den Hinweis. Darauf sei die Pumpe bereits verzeichnet, berichtete Ulrich Setzwein vom Hochbauamt. Die Anlage befindet sich im Südflügel des Gebäudes, unter der künftigen Gastronomie. Für den nicht fachmännischen Beobachter mutet das geborgene Gehäuse der Pumpe an wie ein Holzkasten, etwa so groß wie ein Sarg, aus dem vereinzelt Metallstifte herausragen. Darin verbaut sind drei Löcher: Darin waren die Kolben befestigt, erklärte Prill. In dem Raum mit plattgetretenem Kies als Boden und rohen Ziegeln an den Wänden ist das Pumpengehäuse schon aus dem Boden gehoben worden und nun etwas erhöht gelagert. Ebenfalls gefunden wurde eine Holzplatte, die derzeit noch im Boden verankert ist: Das war wohl der Grundstein der Pumpe, hieß es. Außerdem war wohl ein Wasserrad Teil der Anlage sowie ein Brunnen. "Man war darauf erpicht, sauberes Grundwasser zu bekommen, nicht das Wasser aus der Moosach", so Prill. Mit dem Wasser wurde dann das Asamgebäude selbst versorgt, eine weitere Leitung führte zum Marienplatz - und die dritte, nämlich die hinauf zum Domberg, sicherte unter anderem die Bierversorgung der Stadt: Sie führte wohl zum Hofbrauhaus.

efm. Asam-Baustelle: Historische Pumpenanlage / Ulrich Setzwein

(Foto: Marco Einfeldt)

Gefunden wurden die Teile der Pumpe, als man im Erdgeschoss des Asamgebäudes Drainagen verbaute. So will man das Gebäude trocken bekommen. Interessant ist, dass man die Anlage Prill zufolge schon im Jahr 2017 fast ausgegraben hätte: Schon damals sei man auf ein Becken gestoßen, habe aber nicht weitergegraben. "Man ging davon aus, dass man nicht so tief graben muss", es sei schließlich um den Zweck der Trockenlegung gegangen.

Die Anlage muss jetzt schnell eingelagert werden

Viel länger kann man die Pumpe nun nicht lassen, wo sie ist. Denn: Dass die Teile überhaupt noch so gut erhalten sind, liegt daran, dass sie nie ausgetrocknet sind. "Die Moosach hat das Pumpengehäuse feucht gehalten", erklärte Birgit Anzenberger, Leiterin des betreuenden Archäologischen Büros: "Balken verrotten nicht, solange sie feucht sind." Derzeit befinde sich die Anlage aber an der Luft, man müsse sie nun schnell einlagern - "sonst ist sie in spätestens zwei Monaten verrottet." Wo derweil die restlichen Teile der Pumpe sind, etwa die Kolben und das Gestänge, wisse man nicht: Möglicherweise seien sie beim Installieren einer neueren Pumpe herausgenommen worden sind, so Anzenberger.

Außerhalb des Fundes gehen die Sanierungsarbeiten im Asamgebäude an verschiedenen Stellen voran. Neben der Drainage im Erdgeschoss baue man in den oberen Stockwerken Lüftungsleitungen sowie Elektro-Installationsleitungen ein, berichtete Setzwein. Außerdem wird nicht historischer Putz entfernt, kaputtes Mauerwerk saniert und die Decken werden verstärkt. Das denkmalgeschützte Asamgebäude wird seit 2017 generalsaniert, die Kosten belaufen sich nach derzeitigem Planungsstand auf 51,85 Millionen Euro. Fertiggestellt werden soll das Mammutprojekt in der zweiten Hälfte des Jahres 2022, der Termin hat sich allerdings schon einmal verschoben - zu schaffen macht beim Umbau vor allem die Feuchtigkeit des Gebäudes. Nach der Fertigstellung wird dort wieder das Freisinger Stadtmuseum untergebracht. Außerdem ist ein Bürger- und Kulturzentrum geplant, es soll ein generationenübergreifender Treff inklusive Gastronomie entstehen. Auch das Asamtheater wird in dem Komplex seine Heimat finden.

© SZ vom 01.08.2020/nta
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