Es gibt Gebäude, die viel mehr sind als Beton und Stein, weil sie eine langjährige Geschichte erzählen und im ständigen Dialog mit der Stadt stehen. Das Asam am zentralen Marienplatz in Freising ist so ein Bauwerk. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es mehrmals umgenutzt: Es war unter anderem fürstbischöfliche Hochschule, Schule, Appellationsgericht, Multifunktionsraum für kulturelle Events. Seit der 2024 beendeten Generalsanierung beherbergt das Asam unter anderem das Stadtmuseum Freising, das nun dem eigenen Haus eine Ausstellung widmet.
„Mit allen Sinnen – Die Geschichte des Asamgebäudes“ heißt die Sonderausstellung, die bis zum 31. August im Stadtmuseum zu sehen ist und die wechselvolle Bau- und Nutzungsgeschichte des für Freising wichtigen Gebäudes thematisiert. Die Besucher und Besucherinnen erwarten Kunstobjekte aus der Sammlung des Historischen Vereins Freising. Dazu zählen etwa eine seltene Skulptur der damals hochverehrten „Seminarmadonna“, Gemälde und Objekte aus der Vergangenheit und Erlebnisinseln, die die Hausgeschichte mit unterschiedlichen Sinnen erfahrbar machen. Ein Beispiel: In der Schreibwerkstatt werden die Gäste dazu eingeladen, sich mit alten Schreibschriften wie Sütterlin oder Kurrent auszuprobieren.

Das Asam, wie heute das Gebäude genannt wird, wurde in mehreren Phasen ab dem Jahr 1688 errichtet. Grund dafür ist eine Entscheidung des Konzils von Trient im Jahr 1563: Demnach sollte jede Domkirche ein Seminar zur Vorbereitung auf den Priesterberuf besitzen. In Freising ließ man sich Zeit – und begann erst Ende des 17. Jahrhunderts mit der Gründung einer fürstbischöflichen Hochschule. Der heute so einheitlich aussehende Vierflügelbau wurde nicht auf einmal, sondern nach und nach gebaut. Das Deckengemälde von Hans Georg Asam, dem Namensgeber des Gebäudes, wurde 1709 geschaffen.
Bereits im ersten Jahr der Eröffnung waren etwa 100 Studenten eingeschrieben. Mitte des 18. Jahrhunderts stiegt die Zahl auf 900: Da der Unterricht kostenlos war, kamen die Studenten aus allen sozialen Klassen. Der Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher konnte den Benediktinerorden dafür gewinnen, die Professoren zu stellen. Um allerdings von einer Hochschule zu einer Universität umbenannt zu werden, wie es Eckher wollte, fehlte das sogenannte kaiserliche Privileg, also das Sonderrecht. Nach der Schließung der Einrichtung 1803 im Zuge der Säkularisation diente das Gebäude verschiedenen Funktionen.

„Das Asamgebäude ist weit mehr als ein historisches Bauwerk. Es ist ein Ort gelebter Geschichte“, sagte Oberbürgermeisterin Monika Schwind bei der Vernissage. „Die Geschichte des Asamgebäudes ist mit der Stadt eng verknüpft“, betonte Museumsdirektorin Eva Willberg. Heute erstrahlt das sanierte Gebäude in neuem Glanz: „Das große Verdienst des jetzigen, sanierten Baus ist, dass großzügige Flächen erhalten werden konnten.“ In der Vergangenheit waren einige Räume durch die vielen Nutzungen verkleinert und umgestaltet worden, im Rahmen der Sanierung wurde das teils wieder rückgängig gemacht. „Hier kann man den barocken Charakter wirklich noch erleben“, sagte Willberg.
Die Ausstellung „Mit allen Sinnen – Die Geschichte des Asamgebäudes“ ist während der normalen Öffnungszeiten, dienstags 15 bis 21 Uhr sowie mittwochs bis sonntags 11 bis 17 Uhr, zu sehen.

