Süddeutsche Zeitung

Freisinger Geschichte:Idylle hoch über der Moosach

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Das Haus der Naturfreunde zwischen Rudlfing und Hangenham besteht seit 1924. Gebaut wurde es zwölf Jahre nach der Gründung der Freisinger Ortsgruppe. Ein Neubau ersetzte es in den Jahren 1994/95. Fotografien von Carl Koislmaier bilden das Archivstück des Monats Juli.

Von Florian Notter, Freising

Es ist sicher einer der schönsten Plätze der Freisinger Gegend: das Naturfreundehaus zwischen Rudlfing und Hangenham. Seine exponierte Lage an der tertiären Hangkante ermöglicht einen unvergleichlichen Blick ins Land - auf die Riegerau und die Hirschau und auf die Weite der Münchner Schotterebene mit all ihrer Ambivalenz. Direkt unter dem Naturfreundehaus schlängelt sich die Moosach durch eine dichte Auenlandschaft; anders als im Freisinger Moos in einem noch weitgehend natürlichen Flusslauf, mal schmäler, mal breiter und mit zahlreichen Windungen; es sind die letzten Kilometer der Moosach, bevor sie auf der Höhe von Oberhummel in der Isar aufgeht.

Die noch weniger stark beeinträchtigte Natur und die Idylle waren zu Beginn der Zwanzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts ausschlaggebend dafür, dass sich die Freisinger Naturfreunde hier niederließen. Die Naturfreundebewegung war Ende des 19. Jahrhunderts in Österreich entstanden, breitete sich aber rasch im gesamten deutschsprachigen Raum - und später darüber hinaus - aus. Hauptanliegen war es, für Arbeiterinnen und Arbeiter mit seinerzeit niedrigen Einkommen günstige Freizeitmöglichkeiten in den heimischen Wäldern, Wiesen und Bergen zu schaffen und dabei jeweils Interesse und Verständnis für die Bedürfnisse der Natur zu wecken. Im Kern entspricht das heute noch dem Grundgedanken der Tätigkeit der Naturfreunde. Zentrale Bedeutung kam und kommt dabei den Naturfreundehäusern zu - als gesellschaftlicher Mittelpunkt einer jeweiligen regionalen Ortsgruppe und als Übernachtungsmöglichkeit für Gäste.

So verhielt es sich auch beim Haus der Freisinger Naturfreunde. Abgelegen von der Stadt, den überwiegend beengten Wohnverhältnissen und den Arbeitsorten war es hier möglich, auf andere Gedanken zu kommen. Errichtet wurde das Haus 1924, zwölf Jahre nach der Gründung der Ortsgruppe der Freisinger Naturfreunde. Es stand 70 Jahre und sollte schließlich in den Jahren 1994/95 durch den heutigen Neubau ersetzt werden.

Wenige Jahre nach der Eröffnung des Hauses, in den Jahren um 1930, hatte sich der junge Freisinger Geschäftsmann und versierte Fotograf Carl Koislmaier (1905-1953) mehrfach auf den Weg dorthin gemacht. Einige Fotografien, die er seinerzeit geschossen hat, zeigen, wie das Naturfreundehaus in den Anfangsjahren ausgesehen hat - und auch, wie lebhaft es dort mitunter zuging.

QUELLEN: Fotosammlung Koislmaier-Haslberger (für die freundliche Zurverfügungstellung der Bilder sei Frau Franziska Haslberger, Freising, ausdrücklich gedankt).

LITERATUR: Naturfreunde Freising (Hg.): 60 Jahre Naturfreundehütte Hangenham, 1984; Naturfreunde Freising (Hg.): Die neue Naturfreundehütte Hangenham, o.J. (verm. 1995).

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