Süddeutsche Zeitung

Kurzarbeit:Enorme Herausforderung für die Freisinger Arbeitsagentur

Zahlreiche Anträge auf Kurzarbeit gehen derzeit bei der Freisinger Arbeitsagentur ein. Wie viele Menschen sich aufgrund der Corona-Krise als arbeitslos melden, lässt sich noch nicht sagen.

Von Nadja Tausche, Freising

Wie viele Betriebe die Corona-Krise vor eine enorme wirtschaftliche Herausforderung stellt, zeigt sich an den Erfahrungen der Arbeitsagenturen. Zahlreiche Anträge auf Kurzarbeit gehen derzeit bei der Freisinger Behörde ein: "Um sie alle zu bearbeiten, fahren wir derzeit mit der vierfachen Kraft", berichtet Pressesprecher Wolfram Liebscher. Bayernweit haben bis zum 13. April 112 000 Betriebe Kurzarbeit angemeldet, wie aus einer Mitteilung hervorgeht, die Zahl steigt demnach weiterhin an. In der aktuellen Woche haben zwar nur vier Prozent mehr Kurzarbeit angemeldet als in der Woche davor, einen großen Sprung aber hatte es Anfang April gegeben: Da war die Zahl der Betriebe, die bayernweit Kurzarbeit planen, im Vergleich zur Vorwoche um rund 70 Prozent gestiegen.

Wie stark die Zahl der Arbeitslosen wachsen wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Denn bei Kündigungen zähle die Kündigungsfrist, sagt Liebscher: Wem jetzt gekündigt werde, der zähle erst nach Ablauf der Frist als arbeitslos. Erste Auswirkungen der Corona-Krise auf die Arbeitslosenzahlen in Freising erwartet er für Ende April, wenn der Monatsbericht vorliegt. Auch konkrete Zahlen zu den gestellten Kurzarbeitsanträgen kann die Behörde dann vorlegen. Schwierig sei die Einschätzung deshalb, weil man nicht wisse, wie lange die Corona-Krise anhalte und wie schnell die Betriebe anschließend wieder in ihr normales Geschäft einsteigen können, heißt es vom Vorsitzenden der Geschäftsführung der Freisinger Arbeitsagentur, Nikolaus Windisch, in einer Mitteilung.

Im Monatsbericht für März hatten sich die Entwicklungen rund um Corona derweil noch nicht niedergeschlagen - im Gegenteil. Die Arbeitslosenzahlen waren in dem Monat um gut 600 Menschen auf rund 7400 gesunken, damit lag die Arbeitslosenquote in Freising auf 2,0 Prozent. Grund für die Entwicklung sei die sogenannte Frühjahrsbelebung, erklärt Liebscher: "Also, dass sich Leute nach dem Winter von der Arbeitslosigkeit zurückmelden." Von Windisch heißt es, man gehe davon aus, dass sich der Trend im April umkehre.

Der Kundenkontakt findet nicht mehr persönlich statt

Für die Freisinger Arbeitsagentur hat sich die Arbeitsweise zuletzt verändert. Die Dienststelle ist geschlossen, bis mindestens zum Ende des Monats bleibt das Liebscher zufolge auch so. Zum Beratungsgespräch könne man nicht persönlich vorbeikommen - "das muss alles über das Telefon oder online stattfinden." Intern kümmern sich jetzt mehrere Mitarbeiter um die Kurzarbeitsanträge, die eigentlich in anderen Bereichen arbeiten: Etwa in der Berufsberatung, die derzeit nicht stattfinde. Wegen des erhöhten Aufwands neue Mitarbeiter einzustellen, sei derzeit aber nicht geplant, so Liebscher. Was die psychologische Komponente der Arbeit angeht, sei kein allzu großer Unterschied festzustellen: Dass sich also vermehrt Menschen melden, die wegen der unerwarteten Situation psychologische Unterstützung brauchen, dazu habe er keine Rückmeldung bekommen. Selbst beraten würden die Mitarbeiter in solchen Fällen nicht. "Aber sie wissen, wo sich die Betroffenen Hilfe holen können", sagt Liebscher.

Stellt ein Unternehmen Antrag auf Kurzarbeit, läuft das so ab, dass die Firma vorerst sowohl den Lohn für verrichtete Arbeit als auch das Kurzarbeitergeld an seine Angestellten auszahlt. Innerhalb von drei Monaten muss der Zuständige im Betrieb dann eine Liste mit betroffenen Mitarbeitern an die Arbeitsagentur schicken, nach einer Prüfung zahlt das Amt der Firma die Beträge aus. Wer Kurzarbeit anmeldet, muss sie dabei nicht unbedingt realisieren, wenn sich etwa die Situation für die Firma spontan verbessert.

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SZ vom 20.04.2020/nta
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