Entwicklung der westlichen Freisinger Altstadt:Weniger Autos, mehr Grün

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Die stark frequentierte Karlwirtkreuzung soll für Radfahrer sicherer werden, die mittlerweile abgespeckte Planung für die Touristen-Bushaltestelle wertet den Johannispark optisch auf.

Von Kerstin Vogel, Freising

Blick vom Wörth in einer Visualisierung des neu geplanten Johannisparks: Auch der gewünschte Brunnen könnte künftig wieder sprudeln. (Foto: Visualisierung: Chang Hoon Jeong, Architekt/Toponauten landschaftsarchitekturGesellschaft mbH)

Ende des Jahres soll der westliche Eingang in die neu gestaltete Freisinger Innenstadt fertig werden - und damit rückt nun auch der Bereich davor, die Karlwirtkreuzung mit dem Aufgang zum Lindenkeller und dem umstrittenen Halt für Touristenbusse an der Johannisstraße, in den Fokus der Freisinger Stadtplaner. Neben einer optischen Aufwertung soll der derzeit wenig ansehnliche Bereich vom Autoverkehr entlastet und vor allem auch für Radfahrende sicherer werden.

Zu den Ideen, die dazu am Mittwoch im Planungsausschuss des Freisinger Stadtrats vorgestellt und mehrheitlich angenommen wurden, gehört, dass Autofahrer von dieser Seite her nicht mehr in die Obere Hauptstraße einfahren sollen. Damit würde etwa die Linksabbiegerspur an der Wippenhauser Straße ebenso entfallen wie die Geradeausspur von der Vöttinger Straße her - und so würde endlich der Raum frei, den man für die notwendigen Radfahr-Anlagen braucht. An der Johannisstraße könnte eine spezielle Ampel als Fahrradschleuse dienen, es gäbe Raum für Aufstellflächen und Linksabbiegespuren für Radfahrende, so die Überlegungen.

Die Planer haben "die Hausaufgaben sehr ernst genommen"

Eine möglicherweise konsensfähige Lösung wurde unterdessen auch für den geplanten Bushalt an der Johannisstraße erarbeitet, dessen ursprüngliche Dimensionen bekanntlich zahlreiche Anwohner und Anwohnerinnen auf den Plan gerufen hatten. Unterstützt auch von Grünen und Linken im Stadtrat, hatten sich die Kritiker unter anderem gegen die damit verbundenen Flächenversiegelungen gewendet und stattdessen eine Wiederherstellung des früheren Johannisparks samt historischem Brunnen gefordert.

Nicht eben attraktiv präsentieren sich derzeit die Reste des Johannisparks. (Foto: Marco Einfeldt)
Eine Visualisierung zeigt, wie künftig der Blick von der Johannisstraße in Richtung Karlwirtkreuzung aussehen würde. (Foto: Chang Hoon Jeong, Architekt/Toponauten landschaftsarchitekturGesellschaft mbH)

Tobias Kramer von den für die ursprünglichen Planungen arg gescholtenen Landschaftsplanern "Toponauten" stellte am Mittwoch nun eine abgespeckte Variante vor - so wie das seinem Büro im November 2020 aufgegeben worden war. Man habe "die Hausaufgaben sehr ernst genommen", sagte er, und sogar Umweltreferent Manfred Drobny erkannte an, dass versucht worden sei, die Kritik an dem Projekt anzunehmen. Trotzdem sei dieser Standort der Falsche für einen Touristenbushalt, beharrte Drobny, wurde allerdings belehrt, dass diese Entscheidung gefallen sei und es jetzt nur noch um die Ausgestaltung der Planung gehe.

Die sieht nun vor, den Halt für die ÖPNV-Busse auf die Fahrbahn zu verlegen, was durch eine Verkürzung der Linksabbiegerspur auf der Johannisstraße möglich wird. Für die Touristenbusse soll es eine längs angeordnete Haltebucht geben, die durch eine neue Baumreihe von der Straße abgegrenzt wird. Das Toilettenhäuschen an der Johannisstraße soll durch die Anlage ersetzt werden, die derzeit noch am Marienplatz steht, dort aber überflüssig wird, sobald das Asamgebäude fertig ist.

Stadtauswärts fällt aktuell vor allem die Baustelleneinrichtung in dem vernachlässigten Park ins Auge. (Foto: Marco Einfeldt)
Bänke, eine neue Baumreihe und extensive Staudenbeete sollen hier Abhilfe schaffen. (Foto: Chang Hoon Jeong, Architekt/Toponauten landschaftsarchitekturGesellschaft mbH)

Der nördliche Bereich des kleinen Johannisparks soll Kramer zufolge "so extensiv wie möglich" begrünt werden. Die bestehenden Wegeverbindungen sollen erhalten und durch eine zusätzliche Brücke in Richtung Wörth ergänzt werden. Ein extensives Staudenbeet will man mit einer kleinen Mauer zum Fuß- und Radweg hin abgrenzen - und auch der gewünschte Brunnen ist in der Planung nun vorgesehen. Insgesamt komme man mit der neuen Variante auf eine zusätzliche Flächenversiegelung von etwa fünf Prozent, sagte Kramer auf eine Frage von Grünen-Stadtrat Werner Habermeyer. Der neue Baumfilter an der Johannisstraße bringe aber ausgleichend einen Nutzen für das Stadtklima.

Für den Aufgang zum Lindenkeller ist eine Lichtinstallation vorgesehen

Weil der gesamte Bereich rund um die Karlwirtkreuzung mit seinen einzelnen Projekten "nicht so messerscharf zu trennen" ist, wie Stadtbaudirektorin Barbara Schelle eingangs der Sitzung erklärt hatte, wurden im Ausschuss dann auch noch die Pläne für die Umgestaltung des Areals am Aufgang zum Lindenkeller präsentiert. Hier ist schon länger eine Lichtinstallation vorgesehen, die den Aufgang zu der beliebten Kulturstätte in Szene setzen und für ein besseres Sicherheitsgefühl sorgen soll.

Mit Fördermitteln aus einem EU Programm wird nun außerdem in einem ersten Schritt ein hochwertiges Gestaltungskonzept entwickelt, "das die Wahrnehmbarkeit und Aufenthaltsqualität des Platzes erhöht", wie es seitens der Verwaltung heißt. Die Fertigstellung des Entwurfs ist für Juni 2022 angestrebt, mit einem Teil der Bauarbeiten könnte bereits im Herbst begonnen werden. Neben dem besagten Lichtkonzept sollen Belagsarbeiten durchgeführt werden, "einladendes Mobiliar" wird angekündigt - und es sollen die Stellplätze vor der Eisdiele am Fuß des Lindenkellers wegfallen, der Behindertenstellplatz wird geringfügig verschoben.

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