Die Acheringer Kirche hat ihr Juwel zurück. Nach neunmonatiger Restaurierung steht die Barockorgel wieder auf der Empore. Gespielt werden kann darauf noch nicht. Die 283 Pfeifen werden erst im September eingebaut. Erstmals zu hören sein wird das relativ kleine zierliche Instrument bei der Segnung am Sonntag, 20. Oktober (10 Uhr). Besichtigt werden kann es bereits am 8. September, dem „Tag des offenen Denkmals“. Hans Lengl ist froh, dass der Einbau so gut funktioniert hat. Denn einfach war es nicht, die Orgel an ihren angestammten Platz zurückzubringen. Die gewundene Treppe war dafür zu schmal.
In zwei Teilen musste es nach oben geschoben und gezogen werden. Allein das Untergestell mit der Mechanik wiegt laut Lengl etwa 200 Kilogramm. 14 Mann halfen dabei am Montag – zehn Dorfbewohner und vier Mitarbeiter der Orgelwerkstatt Schreier aus Thierhaupten. Mit langen Holzbrettern war dafür über den Kirchenbänken eine Art Bühne mit einer steilen Rampe konstruiert worden.



Verständlich, dass es für Hans Lengl ein ganz besonderer Moment war, als die Orgel endlich unversehrt ihren Bestimmungsort erreicht hatte. Fragt man ihn danach, legt er beide Hände kurz an die Brust und hält kurz inne. „Die Anspannung, die Last war groß“, räumt er ein. Jetzt empfinde er „extreme Erleichterung und große Freude“.
Lengl war es auch, der sich mit viel Elan und Ausdauer maßgeblich dafür einsetzt hatte, dass die Restaurierung tatsächlich angegangen wurde. Solche Überlegungen gab es früher schon, in die Tat umgesetzt wurden sie nie – vielleicht auch, weil vielen nicht bewusst war, was für ein Juwel sich in der Kirche Sankt Peter und Paul befindet. Das Instrument stammt aus dem Jahr 1785 und ist, soweit bekannt, die einzige noch erhaltene Orgel des Lehrers, Mesners und Orgelbauers Johann Pfaffenbichler aus Götting, Landkreis Rosenheim. Das verrät ein Schriftzug auf der Innenseite des Instruments.
Vermutlich 1804, nach der Säkularisation, kam die Orgel nach Achering. Wo sie zuvor stand, konnten weder Orgelbaumeister Benedikt Schreier noch Lengl bei ihren Nachforschungen herausfinden. Dass die Orgel heute überhaupt noch in der kleinen Kirche steht, ist ein großes Glück. Denn sie auf ihr konnte schon jahrzehntelang nicht mehr gespielt werden. „Sie war total verwurmt“, schildert Schreier, hinzu kamen Verschleißerscheinungen. Nun aber ist das Schmuckstück gerettet.
Für ihn sei es eine Ehre, dieses besondere Instrument restaurieren und aufbauen zu dürfen, sagt Schreier. Die Werkstatt ersetzte Holzteile, in denen der Wurm gewütet hatte, auf traditionelle Weise, ebenso kaputte Pfeifen und die Windanlage, die verloren gegangen war, sowie die marode Klaviatur und das Fußpedal. Auch die Pfeifen waren wild durcheinander montiert, einige waren oben einfach gekappt worden, damit das Klangbild wieder stimmte. Pfleglich umgegangen war man mit dem Instrument in den vergangenen Jahrzehnten nicht. Bei der Kirchensanierung war der obere Aufbau kurzerhand eingemauert worden. Deshalb wurde die Decke über der Orgel jetzt um 20 Zentimeter angehoben. Es sei die Balance gefunden worden, Altes zu erhalten und Neues zu ergänzen, damit sie wieder funktioniert, sagt Lengl. Der Klang soll laut Schreier „so barock wie möglich“ sein.
Beim Abbau im November 2023 waren auch Inschriften früherer Restautoren gefunden worden, etwa vom 14. September 1872 und 1885 durch J. Müller. „Das ist spannend, wenn man solche Botschaften findet“, sagt Schreier. „Es macht Spaß, hinter die Kulissen schauen zu dürfen.“ Auch die Schreiers haben sich verewigt. Wo, das will er nicht verraten. „Das werden künftige Orgelbauer sehen, wenn sie das Instrument wieder einmal zerlegen.“
Etwa 80 000 Euro hat die Restaurierung gekostet. Geld, das durch Patenschaften für Orgelpfeifen, größere Spenden und Zuschüsse zusammenkam. Schreiner, Elektriker und Kirchenmaler halfen unentgeltlich. „Das war ein tolles Zusammenspiel“, bilanziert Lengl, „man brauchte nicht zu betteln“. Vor zwei Jahren sei nicht klar gewesen, ob das Projekt gelingen könnte, aber „die Leute haben sich begeistert“.



Auch überregional erzeugte das Projekt Aufsehen. Christoph Brückner, Organist und Kirchenmusiker, der in den Bistümern Fulda und Mainz tätig ist, schrieb eine Partitur für ein Orgelstück „Dona nobis pacem“, das am 20. Oktober aufgeführt wird. Mit Christina Hölzl ist auch eine junge Organistin gefunden, die das Instrument künftig spielen wird. „Und wir wollen eine kleine Chronik schreiben“, sagt Lengl, „weil es so viel Positives zu erzählen gibt“.


