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Freising:"Abseits"-Debatte verlängert

Unter dem Beifall von 40 Abseitsfreunden hat Grünen-Stadtrat Sebastian Habermeyer ein leidenschaftliches Plädoyer für die Kultkneipe gehalten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Stadt will prüfen, ob sie das Gebäude kaufen und dem Verein in Erbpacht überlassen kann. Die Entscheidung über die Rettung der Kultkneipe fällt vor der Weihnachtsfeier des Stadtrates am 15. Dezember

Der Freisinger Stadtrat hat am Donnerstag die Entscheidung über die Rettung der Kulturkneipe "Abseits" noch einmal vertagt. Geprüft werden soll auf Antrag der Grünen nun, ob die Stadt das unter Denkmalschutz stehende Gebäudeensemble kaufen und dem Verein dann in Erbpacht überlassen könnte. Beraten werden soll darüber vor der Weihnachtsfeier des Stadtrats am Donnerstag, 15. Dezember - Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher dämpfte am Freitag jedoch all zu hohe Erwartungen an diesen Termin: "Ich glaube nicht, dass wir bis dahin schon alle Rahmenbedingungen geklärt haben werden. Es wird eher grundsätzlich um die Frage gehen, ob oder ob nicht."

Grünen-Stadtrat Sebastian Habermeyer hatte zu Beginn der Stadtratssitzung am Donnerstagabend noch einmal ein leidenschaftliches Plädoyer für die Rettung des Abseits gehalten. Hier gehe es nicht um den Erhalt einer Kneipe, wie teilweise unterstellt worden sei, unterstrich er. Es gehe vielmehr darum, auch weiterhin eine bestimmte Art von Kultur in Freising zu ermöglichen. Die Gastronomie des Abseits sei lediglich wichtig, um den Kulturbetrieb dort zu finanzieren, der bisher niemals Zuschüsse von der Stadt gefordert oder erhalten habe. Zudem gehe es auch um den Erhalt eines denkmalgeschützten Ensembles, von denen es in Neustift nicht mehr all zu viele gebe. "Es geht nicht darum, dass sich 20-Jährige in einer Saufbude zudröhnen, sondern darum, ein Stück Freisinger Identität zu erhalten", sagte Habermeyer unter dem Beifall von etwa 40 Abseits-Freunden im Sitzungssaal.

Mit der von der Stadt angebotenen Unterstützung, die sich an der Sportförderung orientieren sollte (zehn Prozent Zuschuss, zehn Prozent zinsloses Darlehen), sei die Kultkneipe jedoch nicht zu retten, stellte der Grünen-Stadtrat klar - und unterbreitete die Kauf/Erbpacht-Lösung, die ihm kurz vor der Sitzung eingefallen sei: "Um 18.10 Uhr". Nachdem sich alle Stadträte zuletzt bemüht hätten, eine Lösung im Sinne des Abseits-Vereins zu finden, freue man sich natürlich über neue Ideen, sagte Reinhard Fiedler für die Freisinger Mitte. Man würde einer Vertagung zur Prüfung des Vorschlags daher zustimmen, wenn das Projekt so zu retten wäre.

Ganz klar hinter Habermeyers Argumentation stellte sich der Kulturreferent des Stadtrats, Hubert Hierl (CSU). Es sei wirklich nicht alltäglich, dass sich für eine Kulturstätte eine so breite Unterstützung in der Bevölkerung finde, betonte er. Die Kulturvereine in der Stadt würden händeringend nach Auftrittsmöglichkeiten suchen, argumentierte Hierl - und erinnerte Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher an dessen Wahlprogramm und die darin versprochene Unterstützung der Kleinkunst in Freising.

Die von den Grünen beantragte Vertagung wurde anschließend einstimmig beschlossen - auch wenn es mahnende Stimmen gab. Diese Lösung dürfe "nicht um jeden Preis" umgesetzt werden, sagte FSM-Stadträtin Monika Schwind. Peter Warlimont (SPD) sagte, der Vorschlag sei "es wert, betrachtet zu werden". Es müssten jedoch "präzise und fundierte Zahlen auf den Tisch kommen". Diese soll der Abseits-Verein nun vorlegen, damit am 15. Dezember über die neueste Variante zur "Abseits"-Rettung abgestimmt und das weitere Vorgehen festgelegt werden kann.

"Es muss natürlich klar sein, dass es dann immer noch um viel Geld geht", sagte Oberbürgermeister Eschenbacher am Freitag: "Wir werden eine realistische Erbpacht verlangen müssen, und ich gehe davon aus, dass die pro Jahr im fünfstelligen Bereich liegt." Zunächst aber müssten vor allem die Vorstellungen von Käufer und Verkäufer über den Preis zusammenpassen - mit diesen Worten hatte auch Habermeyer im Stadtrat schon vor zu großer Euphorie gewarnt. "Wenn wir das nicht hinkriegen, kann es sein, dass es doch nicht klappt, da bin ich Realist".

© SZ vom 03.12.2016

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