Kirchbergers Woche:Überall nur Mangelverwaltung

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Sonnenblumenöl ist knapp, das Personal am Flughafen fehlt und die Lehrer sowieso. Nur die Freisinger FDP ist gut aufgestellt.

Kolumne von Johann Kirchberger

Schuld an allem sind nur dieser blöde Putin und sein Krieg gegen die Ukraine. Erst gab es kein Sonnenblumenöl und kein Mehl, dann wurden Obst und Gemüse so teuer wie ein Filet vom Kobe-Rind und schließlich erreichten die Preise für Benzin und Diesel Rekordniveau. In unserer Verzweiflung haben wir der Bahn ein Neun-Euro-Ticket abgekauft, um noch ein bisschen mobil zu sein. Und jetzt? Jetzt gehen uns auch noch die Lehrer aus, weil die jungen Leute heutzutage nicht mehr auf Lehramt studieren wollen (trotz der vielen Ferien), sondern lieber Heizungsbauer werden und ordentlich Kohle machen wollen. Statt Lehrer nach Berlin zu exportieren, müssen wir selbst welche aus Osteuropa oder Afghanistan holen, und Busfahrer haben wir auch keine mehr, geschweige denn Kofferschubser am Flughafen. Deshalb müssen die Leute jetzt schon zweieinhalb Stunden vor Abflug am Airport sein, ihre Koffer als Handgepäck deklarieren und selbst ins Flugzeug schleppen.

Wie rar Fachkräfte mittlerweile geworden sind, sieht man am Beispiel FDP. Nach den letzten Bundestagswahlen freuten sich die Liberalen noch darüber, vor allem von jungen Leuten gewählt worden zu sein, und nun müssen sie bei den Landtagswahlen einen 86-jährigen Bewerber ins Rennen schicken. Der wurde im Landkreis München-Süd nicht mehr aufgestellt, aber für Freising, wenn man ihn ein wenig herrichtet und aufpoliert, da tut er es schon noch. Helmut Markwort ist schließlich ein politisches Schwergewicht - heißt es zumindest - und solche gibt es im Landkreis nicht mehr so viele.

Noch weiß man allerdings nicht so recht, ob sich die Nominierung von Markwort nicht doch noch als Aprilscherz im August herausstellt. Die FDP-Leute sind ja immer zu einem kleinen Späßchen aufgelegt. So behaupten sie etwa, dass ein Tempolimit ihre persönliche Freiheit einschränken würde. Und sie behaupten, jeder habe das Recht sich mit Corona anzustecken, weswegen es keine Masken braucht. Na gut, das hat ein gewisser Jens Spahn - die Älteren werden sich an ihn erinnern - auch gesagt, als es noch keine Masken gab. Aber jetzt hätten wir welche, vermittelt von einigen untadeligen CSU-Abgeordneten.

Aber nicht nur die FDP ist manchmal ein wenig "albrig", um mal wieder Heinz Erhardt zu bemühen. Auch in der Gemeinde Hallbergmoos leben Gemeinderäte, die es an der Zeit finden etwas für das Image zu tun und aus einer Moosgemeinde einen Wallfahrtsort für Surfer zu machen. Mitten im Ort soll ein Loch für ein 10000 Quadratmeter großes Becken gegraben und mit Wasser gefüllt werden, damit der Großraum München neben dem Eisbach eine zweite, professionelle Surf-Gelegenheit für Wellenreiter hat. Kurzum, und das ist ernst gemeint und kein Aprilscherz (die FDP ist ja im dortigen Gemeinderat gar nicht vertreten), Hallbergmoos soll eine Surf-Town werden, so etwa wie Freising eine Fair-Trade-Stadt geworden ist. Sie wollten ein Hawaii-Feeling schaffen, haben die Investoren versprochen. Ob das dem seligen Graf Hallberg recht gewesen wäre?

Noch bemerkenswerter als die Idee der Hobbysurfer ist allerdings das Tempo der Umsetzung. Im Mai wurde die Baugenehmigung erteilt, jetzt war erster Spatenstich und im Herbst 2023 soll alles fertig sein. Daran könnten sich die Freisinger Stadtumbauer ein Beispiel nehmen. Die graben und betonieren seit fünf Jahren in der Innenstadt und haben seither nur ein kleines Stück Moosach freigesetzt, ohne Surfwelle.

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