Hamlet in Freising:Gedanken, die noch immer bewegen

theater

Ein zeitloses Meisterwerk: Das Kreative Schauspiel Ensemble inszeniert Shakespeares Hamlet modern und minimalistisch.

(Foto: KSE)

Das Kreative Schauspiel Ensemble inszeniert Shakespeares "Hamlet", Premiere ist an diesem Sonntag. Wie das zeitlos und zugleich modern gelingt, erzählt Regie-Debütantin Leoni Mäurer.

Das Kreative Schauspiel Ensemble (KSE) inszeniert von Sonntag, 3. Oktober, an William Shakespeares Hamlet. Zeitgemäß und minimalistisch möchte die Freisinger Theatergruppe das über 400 Jahre alte Stück aufführen, das seinerseits auf einer mittelalterlichen nordischen Erzählung beruht. Wie das gelingen kann, was das Publikum erwartet und wieso virtuelle Proben in der Hochphase der Pandemie letztlich sogar förderlich waren, erklärt Regisseurin Leoni Mäurer.

In der nach ihm benannten Tragödie sinnt der dänische Prinz Hamlet (gespielt von Jonathan Avonda) auf Rache an seinem Onkel Claudius (Nils Mäurer). Dieser soll Hamlets Vater, den König, ermordet haben und lebt jetzt in verbotener Ehe mit Hamlets Mutter. Hamlet wäre aber kein Shakespeare-Stück, wenn der Thronfolger nach dem Auge-um-Auge-Prinzip den unrechtmäßigen Herrscher schlicht eliminieren würde.

Der Prinz simuliert Wahnsinn, um Zeit zu gewinnen, verstrickt sich dadurch aber immer weiter im Chaos. Freunde und seine Geliebte Ophelia (Svenja Vogel) werden beauftragt, ihn auszuhorchen, der Wahnsinn wird Wirklichkeit. Missverständnisse, Heimtücke und Mord geben der Katastrophe ihren Anstoß.

Minimaler Requisitenaufwand

Das KSE möchte mit seiner Inszenierung keine bestimmte Epoche abbilden. "Wir wollen nicht in die Renaissance, sondern moderner inszenieren", sagt Mäurer. "Es gibt keine Degen statt Pistolen, keine alten Kostüme, der Requisitenaufwand ist minimal. Wir versuchen es zeitlos zu gestalten." Dafür hat das Ensemble auch auf eine neuere Übersetzung von Frank Günther zurückgegriffen. Der 2020 verstorbene Günther übersetzte von den 1970er Jahren an Shakespeares Gesamtwerk ins Deutsche.

In Interviews gab er an, dabei eine Sprache ohne falsche Syntax oder Grammatik zu schaffen, wie es bei anderen, zuweilen verschroben klingenden Übersetzungen der Fall sei. Günthers Sprache sei "schon noch ein bisschen altertümlich", sagt Mäurer, jedoch nicht in dem Maße wie jene von August Wilhelm von Schlegel (1767 - 1845). Zeitlos sind auch die Themen der Tragödie. "Weil die Gedanken, die Hamlet in seinen Monologen hat, die Leute immer noch umtreiben und von Bedeutung sind", erläutert Mäurer. Gedanken über den Tod, über Gott und die Welt.

Innerer Konflikt

Hamlet ist gefangen in einem inneren Konflikt zwischen einem Verlangen nach selbstgerechter Sühne und einem modernen, eigenverantwortlichen Menschenbild. Der Beginn seines wohl bekanntesten Monologs steht noch heute sinnbildlich für Situationen, die für Betroffene existenziell bedeutsam sind: "Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage". Gleichwohl, sagt Mäurer, sei manches aus dem Stück heute nicht mehr darstellbar wie zu Shakespeares Zeiten. Beispielsweise die Art und Weise, wie Ophelia unter dem Patriarchat leide. Es sei eine Herausforderung, die dennoch wertvollen Gedanken dieser Figur adäquat abzubilden.

Für Mäurer ist "Hamlet" ein Regie-Debüt. Die 22-Jährige hat zwar schon zu Schulzeiten assistiert, das sei jedoch nicht dasselbe, sagt sie. "Es ist interessant zu sehen, wie viel Arbeit hinter so einem Stück steckt. Diese Ahnung, wie es werden könnte, in die Tat umzusetzen, das ist eine schöne Erfahrung." Vor über einem Jahr habe man mit dem Proben angefangen. Doch nach einer Leseprobe in Präsenz habe man wegen des zweiten Lockdowns auf Zoom-Treffen wechseln müssen. In den Folgemonaten habe man vor allem an den Charakteren gearbeitet.

80 Plätze für die Zuschauer

Im Nachhinein sei das gar nicht so schlecht gewesen, sagt Mäurer. Als Ende Mai Präsenz-Proben wieder möglich waren, seien so alle textsicher gewesen, besonders Avonda als Hamlet-Darsteller habe viel Text zu lernen. Zu sehen ist "Hamlet" im Montessori-Zentrum Freising, Gute Änger 32, am Sonntag, 3. Oktober, sowie von Freitag bis Sonntag an den beiden folgenden Wochenenden. Einlass ist jeweils um 19 Uhr, Beginn um 19.30 Uhr, Dauer etwa zwei Stunden. Der Eintritt ist frei. Es gilt die 3-G-Regel; dafür kann auch ein mitgebrachter Antigen-Schnelltest zur Eigenanwendung vor Ort unter Aufsicht gemacht werden. Es besteht keine Reservierungsmöglichkeit. Im Gegensatz zu Shakespeares Zeiten, als das Publikum in der Regel stehen musste, gibt es 80 Plätze, verteilt auf Sitzgruppen. Weitere Infos unter www.kse-theater.de.

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