bedeckt München 20°

Frauenquote:Hochschule muss Maßstäbe setzen

Wo wissenschaftlicher Fortschritt produziert wird, schauen die Menschen besonders genau hin, wenn es darum geht, wie die Gesellschaft sich entwickelt

Von Thilo Schröder

Zwölf aus 59 - das ist der Frauenanteil an den Professuren am Wissenschaftszentrum Weihenstephan. Das ist eine schlechte Quote. An der Hochschule Weihenstephan ist sie kaum höher. Die zuständigen Frauenbeauftragten loben zwar die Fortschritte hinsichtlich Frauenförderung. Und ja, die Maßnahmen zur Karriereförderung von Frauen sind an beiden Hochschulen tatsächlich zahlreich. In den Berufungszahlen scheint sich das jedoch nur teilweise widerzuspiegeln.

Öffentliche Forschungseinrichtungen könnten Maßstäbe in Sachen Gleichstellung setzen. Sie könnten mit positivem Beispiel vorangehen. Müssten sie sogar. Denn gerade hier, wo (wissenschaftlicher) Fortschritt am Fließband produziert wird, schauen die Menschen besonders genau hin, wenn es darum geht, wie die Gesellschaft sich entwickelt. Gerade hier ist es also wichtig, auch gesellschaftlich eine Vorbildfunktion einzunehmen. Gerade hier sollte gelten: Es geht um die Kompetenz, nicht um das Geschlecht.

Das beginnt schon bei vermeintlich nebensächlichen Begrifflichkeiten. In der Berufsbezeichnung "Frauenbeauftragte" schwingt bereits mit, dass Frauen gegenüber Männern besonderer Hilfestellung bedürfen. Was nicht stimmt. Es geht vielmehr darum, bestehende Nachteile abzubauen. In vielen Institutionen hat sich deshalb stattdessen bereits der Begriff "Gleichstellungsbeauftragte" durchgesetzt, zum Beispiel im Freisinger Landratsamt.

Dass der Frauenanteil an den Professuren dem gesellschaftlichen Fortschritt hinterherhinkt, hat viele Gründe. Manche liegen außerhalb der Handlungsmacht der Hochschulen. An vielen Stellschrauben kann jedoch gedreht werden. Konkret fordern die Frauenbeauftragten mehr Programme, die in der Phase zwischen Familiengründung und Karriereplanung unterstützen, außerdem stärker "gemischte" Berufungskommissionen. Wünschenswert wäre es, dass Frauen- respektive Gleichstellungsbeauftragte an den Freisinger Hochschulen irgendwann überflüssig sind. Dazu müssen vor allem Männer ihren Teil beitragen. Denn schließlich sind sie es, die derzeit den Großteil der Professuren innehaben.

© SZ vom 29.03.2019

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite