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Frauenhaus Freising:Kein Platz mehr für Frauen in Not

Wer einen Platz im Frauenhaus bekommt, kann sich psychisch stabilisieren - und sich ein neues Leben aufbauen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Kreistag ist sich einig, dass das Frauenhaus mehr Plätze braucht. Im Vorjahr gab es 143 Anfragen, elf Frauen kamen unter. Doch ein Beschluss steht noch aus.

Von Gudrun Regelein, Freising

Momentan ist es in der Kommunalpolitik groß im Gespräch, das Frauenhaus der Diakonie Freising. Nachdem sich der SPD-Kreisverband schon in seinem Neujahrsgespräch für die Einrichtung stark gemacht hatte, ging es vor Kurzem im Ausschuss für demografische und soziale Fragen des Kreistags um die Frage, wie es in Corona-Zeiten um einen Platz im Frauenhaus bestellt sei. Im jüngsten Kreisausschuss fand das seine Fortsetzung - obwohl es bei dieser Sitzung eigentlich nur um eine neue Vereinbarung mit der Diakonie ging. Johannes Becher von den Grünen nämlich forderte, dass mehr Kapazitäten geschaffen werden müssen: Das Frauenhaus sei "rappelvoll", sagte er.

Momentan bietet dieses fünf Plätze für Frauen und bis zu zehn Plätze für deren Kinder, berichtet Diakonie-Vorständin Beate Drobniak auf Nachfrage der SZ. "Das ist so nicht mehr tragbar, das Haus ist definitiv zu klein", betont sie. "Wir platzen seit Langem aus allen Nähten." Auch die Anfragen zeigten, dass eigentlich viel mehr Plätze notwendig seien: 143 Frauen baten im vergangenen Jahr um eine Aufnahme, nur elf konnte man letztendlich unterbringen. Ein anderes Problem ist laut Drobniak die durchschnittlich extrem lange Verweildauer: "Die Frauen bleiben immer länger, als die eigentlich vorgesehenen zwölf Wochen - auch deswegen sinkt unsere Aufnahmekapazität." Zwölf Wochen seien eine Illusion, sie sei froh, wenn eine Frau nach einem halben Jahr wieder ausziehen könne. Ein Grund dafür sei der sehr angespannte Wohnungsmarkt in Freising und der Region. "Als alleinerziehende Mutter eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist kaum mehr möglich", berichtet Drobniak. Eigentlich aber wäre es wichtig, dass sich Frauen - wenn sie sich wieder stabilisiert haben - ein eigenständiges Leben aufbauen. "Auch für deren Kinder wäre das besser", sagt die Vorständin.

Montagsinterview

Diakonie-Vorsitzende Beate Drobniak.

(Foto: Marco Einfeldt)

Im Kreistag ist man sich einig, dass es mehr Plätze braucht

Dass sich alle Fraktionen im Kreistag einig seien, dass das Freisinger Frauenhaus mehr Plätze benötige, sei "sehr erfreulich". Eigentlich dürfte man rein theoretisch auf 8,5 Plätze vergrößern, das hält Drobniak auch für dringend notwendig. Aber: "Das scheitert schon alleine daran, in Freising eine entsprechend große leer stehende Immobilie zu finden." Das andere Problem ist die Finanzierung, denn größer bedeute auch höhere Kosten. "Da muss viel mehr Geld in die Hand genommen werden", sagt Drobniak.

Bislang finanziert sich das Frauenhaus Freising über einen pauschalierten Zuschuss aus staatlichen Mitteln und zum Großteil aus Landkreis-Mitteln. Der Träger selbst, also die Diakonie, muss eine Eigenbeteiligung von mindestens zehn Prozent leisten, erklärt Drobniak. "Und diese zehn Prozent müssen wir erst einmal einwerben, dafür brauchen wir Spenden - da müssen wir einiges leisten."

Täter und Opfer sollen sich nicht begegnen

Die neue Leistungs-, Finanzierungs- und Prüfungsvereinbarung, die nun in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses Thema war, soll nicht zu Lasten der Diakonie Freising gehen. Mit der Vereinbarung will der Landkreis lediglich vermeiden, unter Umständen auf seinen Kosten sitzen zu bleiben. Beispielsweise, wenn eine Bewohnerin im Frauenhaus aus einem der Landkreise kommt, mit denen der Landkreis Freising keine Vereinbarung auf einen gegenseitigen Verzicht von Erstattungsansprüchen geschlossen hat, erklärte Werner Wagensonner, Leiter der Sozialverwaltung des Freisinger Landratsamts. Oder aber bei Frauen, die aus anderen Bundesländern kommen. Bei diesen gebe es die meisten Probleme bei der Abrechnung, sagte Wagensonner. Letztendlich gehe es darum, Außenstände einfordern zu können und zu verhindern, dass neue entstehen. Tatsächlich kommt nur der "wesentlich geringere Teil" der Frauen aus dem Landkreis Freising, berichtet Drobniak. Das sei übliche Praxis, die Frauenhäuser kooperieren und auch Frauen aus dem Landkreis Freising werden zumeist in anderen Häuser untergebracht. "Das ist auch sehr sinnvoll, damit soll eine Gefährdungssituation vermieden werden." Freising sei eine kleine Stadt - die Gefahr, dass sich Opfer und Täter begegnen, entsprechend groß.

© SZ vom 13.02.2021/av
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