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Frauen beten rund um den Globus:Weltgebetstag in Tüten

Ein Infotisch steht in der Langenbacher Pfarrkirche zum Weltgebetstag der Frauen am 5. März bereit. Im Mittelpunkt stehen dieses Mal Frauen des pazifischen Inselstaats Vanuatu.

(Foto: Marco Einfeldt)

Gottesdienste sind in diesem Jahr nur eingeschränkt möglich, in Au und Osterwaal warten auf die Gläubigen kleine Überraschungen. Im Mittelpunkt des Aktionstags stehen die Frauen des pazifischen Inselstaats Vanuatu

Von Kerstin Vogel, Freising

Frauen auf der ganzen Welt feiern seit mehr als hundert Jahren über Länder- und Konfessionsgrenzen hinweg am ersten Freitag im März den Weltgebetstag der Frauen. 2021 kommt der Gottesdienst dazu von Frauen des pazifischen Inselstaats Vanuatu, die den 5. März unter das Motto "Worauf bauen wir?" gestellt haben. Denn nur das Haus, das auf festem Grund steht, würden Stürme nicht einreißen, heißt es bei Matthäus 7,24-27, wie Pfarrerin Sophie Schuster aus Au zur Erklärung schreibt.

Es gelte, Hören und Handeln in Einklang zu bringen: "Unser Handeln ist entscheidend", zitiert Schuster die Frauen, die den Gottesdienst vorbereitet haben. Ihnen sei bewusst, "dass sie die wunderbare Natur ihres Landes, das Leben im Meer schützen müssen, um ihre Lebensgrundlagen zu erhalten", so der Moosburger Pastoralreferent Markus John zum Weltgebetstag.

Dieser Ansatz werde in Vanuatu in Bezug auf den Klimawandel bereits verfolgt, schildert Schuster weiter. Denn die 83 Inseln im Pazifischen Ozean, von denen 67 bewohnt sind, seien vom Klimawandel betroffen wie kein anderes Land - und das, obwohl es keine Industrienation sei und auch sonst kaum CO₂ ausstoße. Die steigenden Wassertemperaturen würden Fische und Korallen gefährden, durch deren Absterben würden die Wellen mit voller Wucht auf die Inseln treffen und sie Stück für Stück abtragen. Früchte würden nicht mehr so wachsen wie früher, der Meeresspiegel steige und die tropischen Wirbelstürme würden stärker. Um dem allem entgegenzuwirken, gelte seit zwei Jahren in Vanuatu ein rigoroses Plastikverbot. Die Nutzung von Einwegplastiktüten, Trinkhalmen und Styropor sei bei hoher Strafe verboten.

Doch nicht alles in dem Land ist so vorbildlich, wie Schuster bedauert. So sitze im vanuatuischen Parlament keine einzige Frau, obwohl sich 15 im Jahr 2020 zur Wahl gestellt hätten. Frauen kümmerten sich in dem Inselstaat um das Essen, die Kinder und die Pflege der Seniorinnen und Senioren. Auf sogenannten Mammas-Märkten verkauften viele Frauen, was sie erwirtschaften können: Gemüse, Obst, gekochtes Essen und einfache Näharbeiten. So könnten sie einen Großteil zum Familieneinkommen beitragen. Doch die Entscheidungen träfen die Männer, denen sich Frauen traditionell unterordneten. Machten Frauen das nicht, drohten ihnen oft Schläge. Dabei wurde im Jahr 1980 die Demokratie eingeführt, nachdem das Volk zwei Jahre davor die Unabhängigkeit eingefordert hatte.

Mit seiner Projektarbeit unterstütze der Weltgebetstag Frauen und Mädchen weltweit, erklärt Schuster die Intention dieser laut John "größten Basis-Bewegung christlicher Frauen". Im pazifischen Raum, eben auch auf Vanuatu, lernten Frauen, sich über die Medien eine Stimme zu verschaffen, damit ihre Sichtweisen und Probleme wahrgenommen werden. In Indonesien lernten Frauen neben ökologischem Landbau, welche Rechte sie haben und wie sie um deren Einhaltung kämpfen. Auch in Deutschland werde der Weltgebetstag in diesem Jahr für das Klima tätig und wolle Bienenwiesen säen.

Die Gottesdienste im Landkreis Freising (Kasten links) sind in diesem Jahr durch die Corona-Pandemie eingeschränkt, weshalb die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde und die katholische Pfarreiengemeinschaft St. Vitus Au und St. Bartholomäus Osterwaal den Gläubigen "den Weltgebetstag in Tüten zum Mitnehmen" packen, die am Freitag, 5. März, in den Kirchen bereitgestellt werden.

Der Fernsehsender "Bibel TV" überträgt am Freitag, 5. März, um 19 Uhr den Gottesdienst zum Weltgebetstag. Außerdem wird er online auf der offiziellen Homepage www.weltgebetstag.de zu sehen sein. Unter www.auhallertau-evangelisch.de auf der Homepage der evangelischen Kirchengemeinde findet sich zudem ein Online-Gottesdienst zum Weltgebetstag und dem Thema "Worauf bauen wir?" mit Pfarrerin Sophie Schuster.

© SZ vom 03.03.2021
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