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Frank de Bruin ist tot:Das Spiel verloren

Der an der Muskelkrankheit ALS erkrankte Freisinger Fußballer ist am Mittwoch gestorben. Noch vor ein paar Wochen kamen 1000 Zuschauer zu dem Benefizspiel für ihn in die Savoyer Au.

Von Johann Kirchberger

"Aufgeben ist nicht. Ich bleibe zuversichtlich", hat er in seinem Grußwort geschrieben, als am 12. April der SE Freising, der SV Vötting und die SG Moosburg in der Savoyer Au für ihn ein Benefizspiel organisierten und fast 1000 Zuschauer kamen. Sein Leben hat er mit einem Fußballspiel verglichen, die Krankheit als seinen Gegner bezeichnet, der "4:1 in Führung liegt". Am 1. Mai hat Frank de Bruin das Spiel in einem Münchner Krankenhaus endgültig verloren. Er starb mit nur 45 Jahren. Um den Niederländer trauern seine Frau, seine drei Kinder, seine Geschwister und unzählige Fußballfans aus dem ganzen Landkreis.

Der lebenslustige und begeisterte Fußballspieler stand einst in der legendären Aufstiegsmannschaft des SE Freising, die bis in die Landesliga durchmarschierte, trainierte später den FC Moosburg und den SV Vötting, schrieb Fußballbücher und war voller Tatendrang, als er im Herbst 2012 eine schlimme Nachricht erhielt. Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) diagnostizierten seine Ärzte, eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems, das mit Muskelschwund und Lähmungen einhergeht. Rasch verschlechterte sich der physische und psychische Zustand von Frank de Bruin, er wurde zum Pflegefall, musste 24 Stunden am Tag betreut werden. Trotzdem schöpfte er immer wieder Hoffnung, wenn sich kleine Verbesserungen einstellten. Nachdem er bereits auf der Palliativstation im Krankenhaus lag, durfte er an Weihnachten wieder nach Hause. Eine Atemtherapie hatte gut angeschlagen. Der Hoffnung aber war trügerisch, gegen die unheilbare Krankheit war der große Kämpfer, der noch vor einem Jahr aktiv auf dem Fußballplatz stand, letztlich machtlos.

Weil seine Pflege viel Geld verschlang und die Pflegekasse nur einen Teil der Kosten übernahm, organisierten seine Freunde ein Benefizspiel in der Savoyer Au, um wenigstens die finanzielle Not, in die seine Familie geraten war, ein wenig zu lindern. Die Reaktionen darauf waren enorm. Zahlreiche Spenden gingen schon vor dem Spiel ein, die Spieler seiner alten Mannschaften kamen teilweise aus ganz Deutschland angereist und fast 1000 Zuschauer bekundeten ihre Solidarität mit Frank de Bruin. Rund 25 000 Euro kamen auf diese Weise zusammen. Er selbst wollte und konnte nicht mehr dabei sein. "Vielleicht schau ich irgendwo durch den Zaun", hatte er ausrichten lassen. Aber auch dieser Wunsch blieb unerfüllt. Seinen Dank überbrachte Bruder Andreas, der von der großen Kraft sprach, mit der Frank gegen die Krankheit ankämpft. Ende des Monats war diese Kraft aufgebraucht.

Die Trauerfeier für Frank de Bruin findet am kommenden Mittwoch, 8. Mai, um 12 Uhr im Freisinger Waldfriedhof statt.

© SZ vom 04.05.2013
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