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TU München in Garching:Freisinger erhält Forschungspreis

Der 55-jährige Thorsten Bach lehrt und forscht seit 20 Jahren an der TU München in Garching und lebt seit zwölf Jahren mit seiner Familie in Freising.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Chemie-Professor Thorsten Bach hat den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis erhalten. Der wird jedes Jahr nur an zehn Spitzenforscher verliehen.

Von Katharina Aurich, Freising

Der Freisinger Chemie-Professor Thorsten Bach hat den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis erhalten, den wichtigsten Deutschen Forschungspreis, der alljährlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an zehn Spitzenforscher aus allen Wissenschaftsdisziplinen verliehen wird. Die Auszeichnung wurde kürzlich während einer Online-Feier überreicht. Der 55-Jährige lehrt und forscht seit 20 Jahren an der TU München in Garching und lebt seit zwölf Jahren mit seiner Familie in Freising.

Bach ist mit der Professorin Martina Otten verheiratet, die an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf das Fach Chemie vertritt. Die Auszeichnung habe ihn natürlich riesig gefreut, sagt er. Man könne sich um den Preis nicht bewerben, sondern werde von Forscherkollegen vorgeschlagen und international evaluiert. Davon habe jedoch niemand etwas durchsickern lassen.

Bach erhielt bereits mit 31 Jahren eine Professur und wurde mit 35 Ordinarius

Bachs wissenschaftliches Lebensthema ist das Licht, besser gesagt das Licht in seinen Wechselwirkungen mit Materie. Dies habe ihn schon während seiner Promotion fasziniert. Wie ein Architekt baut der Chemiker mittels Fotochemie gezielt und energieschonend neue organische Moleküle, Strukturen und damit Grundchemikalien auf, die in unserem Alltag, zum Beispiel in Medikamenten, Farben, Lacken oder im Pflanzenschutz, eingesetzt werden. Licht habe jedoch viele Facetten, auch der Schutz davor sei ihm ein Anliegen, sagt Bach. Für ein Molekül, das er entwickelte, um die menschliche Haut vor Sonneneinstrahlung zu schützen und das inzwischen Bestandteil vieler Sonnenschutzcremes ist, hält Thorsten Bach ein Patent als Haupterfinder.

Als der Wissenschaftler in den neunziger Jahren begann, sich mit dem Thema "Licht" zu beschäftigen, habe dies niemanden interessiert, das Thema sei "out" gewesen, erinnert er sich. Für ihn aber war es ein weites Feld, das offen stand, um erschlossen zu werden. "Ich wollte immer in Neuland vorstoßen, habe bei exzellenten Wissenschaftlern gelernt, hatte inspirierende Vorbilder, war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und hatte Glück", beschreibt der Geehrte. Der Leibniz-Preis würdigt nun Bachs richtungsweisende Arbeiten auf dem Gebiet der Fotochemie, die zuvor als ungeeignet galt, um Moleküle mit einer definierten Konfiguration herzustellen. Damit habe er ein neues, heute international als "enantioselektive Photokatalyse" bekanntes Forschungsgebiet eröffnet, schreibt die DFG.

Mit dem Preisgeld will er in der Forschung Verantwortung für die nächste Generation übernehmen

Nach Forschungsaufenthalten in der ganzen Welt erhielt Bach bereits im Alter von 31 Jahren eine Professur, wurde mit 35 Ordinarius und betreute bisher mehr als 100 Doktorarbeiten. Er arbeite ganz bewusst nicht in der Industrie, sondern an einer Universität, wo ihm die notwendige Freiheit für seine Forschung geschenkt werde. "Ich kann jeden Tag frei von äußeren Zwängen meine wissenschaftlichen Ideen umsetzen", sagt er. An Bachs Lehrstuhl arbeiten 30 Mitarbeiter, darunter zwischen 15 und 20 Doktoranden, mehrere Postdocs aus dem Ausland, Techniker und Verwaltungsmitarbeiter. Es mache ihm große Freude, immer wieder mit seinen Doktoranden und Postdocs zu diskutieren und über ihre Experimente zu sprechen, berichtet der Professor.

Mit dem Leibniz-Preis kann der Chemiker nun seine Forschung mit den auf sieben Jahren verteilten 2,5 Millionen Euro voranbringen und muss weniger Zeit auf die Beantragung von finanziellen Mitteln verwenden. "Der Preis erleichtert meine Pläne, gibt mir Freiheit und ich kann mit dem Geld planen", sagt er. Mit seiner Arbeit wolle er aber nicht nur forschend neue Wege beschreiten, sondern auch Verantwortung für die nächste Generation übernehmen.

Dazu gehöre unter anderem auch, junge Menschen zu guten Wissenschaftlern auszubilden, ihnen zu zeigen, wie man die Natur befragt und wie man aus der Antwort, die man erhält, neue Erkenntnisse formuliert, erläutert Thorsten Bach.

© SZ vom 24.11.2020/ilos
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