Flughafenausbau Es kann noch schlimmer kommen

Freisings Baujurist Gerhard Koch warnt vor dem möglichen Wachstumspotential einer dritten Startbahn

Von Kerstin Vogel

FreisingDie geplante dritte Startbahn am Münchner Flughafen hat für das Wachstum des Flugverkehrs im Erdinger Moos offenbar ein weitaus größeres Potential als aktuell diskutiert wird: Diesen Schluss zieht der Baujurist der Stadt Freising, Gerhard Koch, aus der Baugenehmigung der Regierung von Oberbayern, genauer aus einem Satz, den er auf Seite 705 des Planfeststellungsbeschlusses gefunden hat.

"Der Ausbau soll auch über den Prognosehorizont hinaus eine bedarfsgerechte und leistungsfähige Abwicklung der an die Luftverkehrsinfrastruktur in München herangetragenen Nachfrage ermöglichen", zitierte Koch am Mittwoch bei der Bürgerversammlung in Attaching. Offenbar sei es mit der neuen Bahn möglich, zu einem späteren Zeitpunkt auch noch weitere Bedarfssteigerungen abzuwickeln, folgert der Jurist weiter aus dem Genehmigungstext. Seine Befürchtung: Wenn es so weit kommen sollte, würden die Beschränkungen, die für die neue Nordbahn zunächst gelten sollen, schnell wieder aufgehoben.

Zur Erklärung: Derzeit wird noch davon ausgegangen, dass die dritte Piste überwiegend für Landungen genutzt wird und ein Nachtbetrieb nur in Notfällen gestattet ist. Kochs "Gefahrenszenario": "Wenn die Nachfrage in München - durch welche Maßnahmen auch immer - noch größer wird und dann kommt, was mit der Bahn theoretisch möglich ist, sieht das für Freising und Umgebung in Zukunft ganz anders aus."

Mit seiner Forderung, die Stadt müsse wachsam bleiben und alles unternehmen, "um diese unsägliche, völlig überdimensionierte Planung zu Fall zu bringen", rannte er bei den Attachingern unterdessen offene Türen ein. Immerhin stellt die Dorfgemeinschaft vier der sieben von der Schutzgemeinschaft ausgewählten Musterkläger gegen den Flughafenausbau - und Diskussionsbedarf hat man in dieser Frage zumindest bei einer Bürgerversammlung der Stadt aktuell auch nicht mehr. Überhaupt wurde nicht viel diskutiert an diesem Abend.

Oberbürgermeister Dieter Thalhammer hatte den Attachinger zuvor erklärt, wie die Stadt finanziell dasteht - den Zwischenruf: "Ja wie Griechenland halt" konterte er mit dem Hinweis auf den gerade bestandenen Schulden-TÜV (wir haben berichtet). Er hob hervor, dass die Stadt in den Jahren 2010 und 2011 keine neuen Schulden gemacht habe und erläuterte ausführlich die Zusammenhänge zwischen Einnahmen und Ausgaben der Stadt. Unter anderem erfuhren die Bürger dabei, dass die Gewerbesteuereinnahmen von rund 17 Millionen Euro ziemlich exakt von der Kreisumlage wieder aufgefressen werden. Interessant auch: Von den 4264 in Freising gemeldeten Betrieben sind 3521 so genannte "Nullfälle", Firmen also, die überhaupt keine Gewerbesteuer zahlen. Nur 60 Betriebe zahlten mehr als 50 000 Euro, erläuterte Thalhammer weiter - und dass die Stadt in Sachen Gewerbesteuereinnahmen besonders vom nahen Münchner Flughafen profitiere, sei definitiv nicht richtig.