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Erfolg für Anwohner des Münchner Flughafens:Ultrafeinstaub soll bald gemessen werden

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) teilt in Neufahrn mit, dass Ultrafeinstaub gemessen werden soll.

(Foto: Marco Einfeldt)

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber erläutert bei einer Wahlveranstaltung der Freien Wähler in Neufahrn die Vorbereitungsmaßnahmen. Zwei Messstationen sind wohl am Airport geplant.

Als Wegzehrung bekam Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) nach der FW-Wahlkampfveranstaltung in Neufahrn eine echt lokale Brotzeit mit: Bürgermeisterkandidat Norbert Manhart überreichte ihm Flüssiges aus der Mintrachinger Milchtankstelle und aus der Neufahrner Brauerei, Käse vom Laden am Marktplatz und Pralinen aus der nahegelegenen Confiserie. "Ich freu mich darauf", versicherte Glauber. Ganz nach dem Geschmack seiner Zuhörer war das, was er selbst kurz zuvor verkündet hatte. Im Umfeld des Flughafens München sollen noch in diesem Jahr offizielle Ultrafeinstaubmessungen durchgeführt werden: "Wir werden hier am Flughafen messen - Sie können sich darauf verlassen." Derzeit würden gerade die Standorte dafür sowie auch für Messungen in ganz Bayern ausgewählt, sagte Glauber vor rund 70 Zuhörern - darunter auch Bürgermeister Franz Heilmeier (Grüne). Dieser hatte extra das goldene Buche der Gemeinde mitgebracht, damit sich der Minister dort eintragen konnte.

Nach Angaben des FW-Landtagsabgeordneten Benno Zierer aus Freising sollen am Flughafen zunächst zwei Messstationen errichtet werden. Er habe dem Umweltministerium auch mögliche Standorte vorgeschlagen - unter anderem im Süden von Freising, in Hallbergmoos, in der Gemeinde Neufahrn und in Schwaig. Das geschah in Abstimmung mit dem Bürgerverein Freising, der seit Jahren selbst Messungen mit mobilen Geräten durchführt und immer wieder alarmierende Ergebnisse veröffentlicht. Im Dezember hatte der Umweltausschuss des Landtags einen Antrag der Grünen auf UFP-Messungen am Flughafen abgelehnt. Zugleich wurde aber der Vorschlag der Koalition angenommen, mit dem die Staatsregierung aufgefordert wurde, Messungen im Flughafen-Umfeld zu prüfen. Damit habe man den politischen Auftrag gegeben, der jetzt umgesetzt werde, betont Zierer.

Das Moratorium als "endgültiger Sargnagel" für die dritte Startbahn

Glauber verteidigte in Neufahrn auch noch einmal das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen, das nur ein Moratorium in Sachen dritte Startbahn vorsieht. "Es gibt Dinge, die man sich stärker hineinverhandelt gewünscht hätte", räumte der Minister ein. Aber dass die Planungen erst einmal nicht mehr weiterverfolgt würden, bedeute doch, dass man das Thema die nächsten 15 Jahre gar nicht diskutieren brauche. "Wir haben nicht das Maximale erreicht, resümierte Glauber, "aber wir haben Wort gehalten: Mit uns gibt es keine dritte Startbahn - Punkt."

FW-Landrats-Kandidat Helmut Petz zeigte sich überzeugt, dass das Moratorium "der endgültige Sargnagel" für die dritte Startbahn ist. Zumal man inzwischen wisse, dass die Prognosen zu den Flugbewegungen, die dem Planfeststellungsbeschluss zugrunde lagen, "bei weitem verfehlt" gewesen seien. Auch sei es mittlerweile "politisch undenkbar", dass die Startbahn gebaut werde, "wenn man sie gar nicht braucht", so Petz mit Blick auf die Klimaschutzdiskussionen. Das Resümee des Landratskandidaten, der als Richter am Bundesverwaltungsgericht auch für Flughafenrecht zuständig ist: "Die dritte Startbahn ist klinisch tot", und als Landrat werde er auch "alles tun, damit Wiederbelebungsversuche nicht erfolgreich sind."

Eine ungewöhnliche Aufforderung gab Bürgermeisterkandidat Manhart dem Publikum mit auf den Weg. "Geben Sie mir etwas auf den Deckel." Denn auf den Tischen lagen Bierdeckel mit Manharts Konferfei aus, und auf der Rückseite kann man Fragen und Wünsche an ihn notieren.

© SZ vom 05.02.2020/nta
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