Flughafen MünchenBeschwerden über Störung der Nachtruhe nehmen zu

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Ausnahmen von der Nachtflugregelung am Flughafen im Erdinger gibt es nur aus besonderem Anlass.
Ausnahmen von der Nachtflugregelung am Flughafen im Erdinger gibt es nur aus besonderem Anlass. Johannes Simon

Ausnahmen von der Nachtflugregelung werden aber sehr restriktiv behandelt. Zum Beispiel, um Fußballfans so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Wohl auch am 31. Mai, wenn in München das Champions-League-Finale in der Allianz-Arena steigt.

Von Peter Becker, Freising

Fußballfans haben ein gewisses negatives Image, weshalb Städte aus Angst vor Randale bestrebt sind, sie so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Das wird vermutlich auch am Samstag, 31. Mai, der Fall sein, wenn in München das Champions-League-Finale in der Allianz-Arena steigt. Uwe Büchner vom Bayerischen Verkehrsministerium wies deshalb vorsichtshalber in der Fluglärmkommission darauf hin, dass es in der Flughafenregion dann in der Nacht auf Sonntag etwas lauter zugehen könnte.

Einige Flüge würden wohl nach dem Endspiel noch eine Startgenehmigung erhalten, um die Fans möglichst schnell wieder loszuwerden. Auch um den 13. Februar herum könnte es nachts rund um den Flughafen etwas lauter werden, denn einen Tag später beginnt in München die Sicherheitskonferenz. Der eine oder andere Teilnehmende könnte da in den folgenden Tagen mitten in der Nacht auf dem Flughafen im Erdinger Moos starten oder landen wollen.

Büchner sagte, dass die Anträge auf eine nächtliche Startgenehmigung im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr markant zugenommen hätten. Die Ausnahmen von der Nachtflugregelung würden aber sehr restriktiv gehandhabt, versicherte Büchner. 940 Anträge gab es 2024. Für 778 gab es eine Genehmigung, aber letztlich wurden davon nur 265 tatsächlich genutzt. 2023 waren es 90 Flüge weniger.

Einen gewissen Anteil an der Steigerung hatte sicher die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. München war Austragungsort mehrerer Spiele. Verschiebungen in die Nachtzeit hinein gab es auch wegen Wetterunbilden, technischer Umlaufprobleme, Zwischenstopps aufgrund Krankheitsfälle an Bord von Flugzeugen oder randalierenden Passagieren.

Die Nachtflüge der Post sind mittlerweile entfallen

Immerhin, ein wenig Entlastung gibt es auch: Nachdem im vergangenen Jahr das Postmodernisierungsgesetz in Kraft getreten war, entfielen die Nachtflüge des Dienstleisters. Pakete und Briefe werden jetzt mit Lastwagen an ihre Bestimmungsorte gefahren. Im ersten Halbjahr 2024 hatte es noch 62 Postflüge gegeben, im zweiten Halbjahr nur noch deren drei. Im Jahr 2023 frequentierten 230 Flugzeuge im Dienst der Post den Flughafen im Erdinger Moos.

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65 Nachtflüge mehr pro Durchschnittsnacht gab es 2024 im Vergleich zu 2023. Laut Hermann Blomeyer, Umweltbeauftragter der Flughafen München GmbH (FMG) schöpft der Flughafen sein Nachtkontingent zu 55 Prozent aus. Das Jahr zuvor lag dieser Wert bei fünfzig Prozent. Die Kernzeit gilt zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens. Zugelassen sind in diesem Zeitraum generell nur Post- und Vermessungsflüge. Ausnahmen bilden lediglich Not- und Hilfeleistungsflüge, Landungen aus Flugsicherheitsgründen sowie Flüge in begründeten Ausnahmefällen, welche die zuständige Behörde genehmigen muss.

Dann gibt es Nachtrandzeiten zwischen 22 Uhr und Mitternacht sowie von fünf bis sechs Uhr morgens. Zugelassen sind 28 planmäßige Flugbewegungen im Linien- und Charterverkehr, Flüge von Fluggesellschaften, die einen Wartungsschwerpunkt in München, Flugzeuge, die als geräuscharm gelten sowie Ausbildungs- und Übungsflüge.

20 Prozent der Beschwerden werden mit Störung der Nachtruhe begründet

327 Beschwerden waren im Jahr 2024 bei der FMG und der Regierung von Oberbayern eingegangen. Blomeyer sagte, die meisten Beschwerden seien wegen direkter oder zu tiefer Überflüge am Tag eingegangen. Zwanzig Prozent der Beschwerdeführer klagten über die „Störung ihrer Nachtruhe“. Robert Biberger, Lärmschutzbeauftragter der Regierung von Oberbayern, bestätigte, dass die Klagen über nächtliche Flüge „enorm zugenommen“ haben.

Blomeyer sagte, dass der zulässige Dauerschallpegel zu keinem Zeitpunkt überschritten worden sei. Den größten Anteil am Gesamtaufkommen an Nachtflügen stellt das Kontingent der als leiser geltenden Flugzeuge mit 30 Prozent. Knapp dahinter folgen Verspätungen oder verfrühte Landungen (29 Prozent) und planmäßige Flugbewegungen (25). Flüge aus medizinischen oder Sicherheitsgründen schlagen mit einem Anteil von vier Prozent zu Buche, Post- und Vermessungsflüge sowie außerordentliche Genehmigungen machten je ein Prozent im Jahr 2024 aus

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