Süddeutsche Zeitung

Flughafen München:Erwachen aus dem Dornröschenschlaf

Der Flughafen München kehrt langsam zur Normalität zurück. Bis allerdings wieder so viel geflogen wird, wie vor der Corona-Pandemie, dürften noch ein paar Jahre vergehen. Die verschiedenen Baumaßnahmen am Airport verlaufen "planmäßig", wie es heißt

Von Gerhard Wilhelm, Flughafen

"Einerseits freuen wir uns natürlich, dass der Verkehr jetzt über die letzten Monate kontinuierlich wieder angezogen hat. Andererseits ist er natürlich noch weit entfernt von dem was wir 2019, vor der Corona-Pandemie, hatten", sagt Ingo Anspach, Pressesprecher der Flughafen München GmbH (FMG). Zuletzt sei man bei rund 50 Prozent des früheren Flugaufkommens gelegen, bei den Passagieren bei 40 Prozent. Mehr als 1,8 Millionen Fluggästen wurde im August gezählt. "Deutlich mehr als 2020, aber es ist noch ein gutes Stück zu gehen." Im Reiseverkehr von und nach Griechenland seien die Passagierzahlen im August sogar über dem Niveau des Vorkrisenjahres 2019 gelegen. Die meisten Auslandsflüge führten in den Ferien mit mehr als 1000 Starts nach Spanien - insbesondere zu Zielen auf den Balearen und Kanaren.

"Größter Hemmschuh für eine nachhaltige Erholung des Luftverkehrs sind gegenwärtig noch die nach wie vor gültigen Reisebeschränkungen, die insbesondere den Langstreckenverkehr empfindlich treffen", sagt Anspach. Insofern werde die Verkehrsentwicklung der kommenden Monate ganz entscheidend davon abhängen, wann die bestehenden Restriktionen gelockert oder aufgehoben werden. Vor allem eine Öffnung des Reiseverkehrs in die USA für alle Passagiere dürfte einen erheblichen Schub zur Folge haben, aber auch im Reiseverkehr nach Asien würden sich weitere Öffnungsschritte sehr schnell bemerkbar machen

Dass der Flugverkehr wieder anzieht, sieht man auch an den Geschäften auf dem Airport. Die allermeisten Läden und Restaurants im Terminal 1 und Terminal 2 haben mittlerweile wieder geöffnet. "Aber es gibt auch ein paar, die nicht aus der Krise gekommen sind", sagt Anspach. Zum Beispiel Geschäfte wie Benetton und die Restaurants Mangustin und Maredo. Dafür habe man neue gewonnen: das Hard Rock Café Rock Shop, die Boutique Longchamps oder das Restaurant Dean&David. Momentan würde man "vielversprechende Gespräche mit Vertretern weiterer namhafter Marken führen". Noch nicht in Betrieb sei aber der Satellit des Terminal 2.

Relativ ungeschoren von der Corona-Pandemie davon gekommen sind die großen Baumaßnahmen am Münchner Airport. Die Verlängerung des bestehenden Bahntunnels nach Osten, die eine Voraussetzung für den Erdinger Ringschluss darstellt, werde planmäßig fortgeführt und demnächst könne man - drei Jahre nach Baubeginn - den Durchstich zur Oberfläche vermelden, sagt Ingo Anspach. Durch die Verlängerung des Tunnels wird eine Durchquerung der Flughafens für den Schienenverkehr ermöglicht. Die oberirdische Verlängerung der Strecke bis zur Wende-und Abstellanlage in Schwaigerloh stehe danach an.

Sichtbar vorangeschritten sind auch die Arbeiten für den in das westliche Vorfeld ragenden neuen Flugsteig am Terminal 1 und die damit zusammenhängenden Umbaumaßnahmen. An dem Flugsteig sollen später - je nach Größe der Maschinen - bis zu zwölf Flugzeuge andocken können, wie der FMG-Pressesprecher sagt. Aktuell laufen die Rohbauarbeiten und Anpassungsmaßnahmen auf dem Vorfeld. Aufgrund der steigenden Nachfrage hatte man das Terminal 1 bereits im Juni wieder in Betrieb genommen. Alle dort ansässigen Airlines, die vorübergehend ins Terminal 2 ausgelagert waren, kehrten wieder zurück.

Gleich zwei große Neubauten entstehen derzeit auf dem "Lab Campus". Mit dem ersten Bürogebäude, dem LAB 48, sei der Grundstein für branchenübergreifende Kollaboration und Vernetzung in dem Innovationscampus im nordwestlichen Areal des Flughafen gelegt worden. Dort laufe der Innenausbau derzeit. Im März 2022 soll Eröffnung sein. Das zweite im Bau befindliche Gebäude sei die Airport Academy, die nicht nur der Weiterbildung von Flughafenbeschäftigten dienen soll, sondern auch anderen Nutzern für Lehr- und Trainingsveranstaltungen zur Verfügung stehen wird, wie Anspach sagt. Die Academy soll im ersten Quartal 2023 fertiggestellt werden und neben Seminarräumen und Büroflächen auch einen Gastronomiebereich beherbergen.

Nach Abschluss umfangreicher Sanierungsarbeiten und der Kalibrierung des Instrumentenlandesystems der südlichen Start- und Landebahn, wird jetzt die nördliche Bahn saniert. Die Erneuerung der Betondecke auf einer Gesamtfläche von 3000 Quadratmetern sei inzwischen weitgehend abgeschlossen. Bei den noch ausstehenden Arbeiten gehe es unter anderem um die Erneuerung von Befeuerungsanlagen und Schlitzrinnen. Wieder in Betrieb soll die Bahn Anfang Oktober gehen.

Auch in Pandemiezeiten bleibt der Münchner Airport in Europa auf dem Spitzenplatz: Bei den jährlich verliehenen "World Airport Awards" des Luftfahrtforschungsinstituts Skytrax wurde München bei einer Passagierumfrage erneut mit dem Titel "Best Airport in Europe" ausgezeichnet. Im weltweiten Ranking erreichte München den sechsten Rang - vor dem Airport liegen lediglich fünf asiatische Flughäfen.

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Quelle:
SZ vom 07.09.2021
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