Flughafen legt Zahlen für 2011 vor Im Steigflug

Die Passagierzahl am Münchner Airport nimmt weiter zu, die Starts und Landungen erreichen frühere Rekordwerte aber nicht

Von Marco Völklein

Der Münchner Flughafen hat 2011 einen Passagierrekord verbucht. Insgesamt zählte Deutschlands zweitgrößter Airport fast 38 Millionen Fluggäste, 8,8 Prozent mehr als im Vorjahr. In Frankfurt, wo im Oktober eine vierte Landebahn in Betrieb genommen wurde, wuchs die Zahl der Passagiere um 6,5 Prozent. Die Zahl der Flugbewegungen in München stieg um fünf Prozent auf knapp 410 000. Damit ist der Airport weiterhin von seinen Rekordzahlen aus den Jahren 2007 und 2008 entfernt. Damals hatten die Statistiker 432 000 An- und Abflüge pro Jahr gezählt (siehe Grafik). Flughafenchef Michael Kerkloh rechnet allerdings damit, diese Rekordwerte "in ein bis zwei Jahren" wieder zu erreichen. Die Zahl der Flugbewegungen ist wichtig, weil Gegner wie Befürworter der geplanten dritten Startbahn in der Auseinandersetzung darauf verweisen. So führte Christian Magerl, Landtagsabgeordneter der Grünen, am Dienstag aus, dass die Zahl für 2011 unter der aus dem Jahr 2006 lag - dem Jahr, in dem der Airport mit den Ausbauplanungen begonnen hat. Zudem habe die Zahl der An- und Abflüge in der ersten Kalenderwoche 2012 laut Deutscher Flugsicherung um 2,6 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen. Helga Stieglmeier vom Aktionsbündnis "Aufgemuckt" verwies auf den Sommerflugplan 2012, bei dem die Flugbewegungen in etwa auf dem Niveau von 2011 liegen. "Die Zahlen zeigen, dass der Flughafen keine dritte Start- und Landebahn braucht", ergänzte Münchens Grünen-Chefin Katharina Schulze. Ganz anders sieht das Kerkloh: Er rechnet für 2012 mit einem Wachstum bei den Passagieren um vier Prozent und bei der Zahl der An- und Abflüge von einem Prozent. Mit einer dritten Startbahn, so Kerkloh, sei allerdings ein noch größerer Zuwachs möglich. Denn derzeit arbeite der Flughafen - insbesondere in den Stoßzeiten - an der Kapazitätsgrenze. "In den Hauptverkehrszeiten gibt es keine freien Slots für Starts und Landungen mehr, so dass viele nachgefragte Verbindungen nicht realisiert werden können", so Kerkloh. Zudem wolle man die dritte Piste nicht bauen, um das kurzfristige Wachstum zu sichern, sondern um langfristig Wachstum zu ermöglichen. "Wir bauen die Bahn nicht für die Jahre 2015 oder 2018, sondern für 2025 und darüber hinaus." Kerkloh versicherte, bereits vor der Inbetriebnahme der neuen Start- und Landebahn wichtige Fragen zum Lärmschutz klären zu wollen. Insbesondere die Lage der künftigen An- und Abflugrouten wolle man "so schnell wie möglich" präsentieren. Zuletzt hatte die Deutsche Flugsicherung (DFS), die dafür zuständig ist, erklärt, die Routen bis Sommer 2014 vorzulegen. "Unser Wunsch ist, dass wir das eher hinkriegen", sagte Kerkloh am Dienstag. So könne man "viele Fragen, die entstehen, frühzeitig entschärfen". Auch die Staatsregierung hatte am Montag darauf gedrungen, das Routenkonzept früh zu diskutieren. Eine DFS-Sprecherin erklärte am Dienstag auf SZ-Anfrage, man prüfe derzeit den Zeitplan. Eine Entscheidung darüber, ob man das Routenkonzept auch früher vorlegen könne, gebe es aber noch nicht. Kerkloh versprach indes, in München werde man das Thema "deutlich früher als in Berlin und Frankfurt" mit den Anliegern diskutieren. In Frankfurt zum Beispiel war bis kurz vor Inbetriebnahme der neuen Landebahn vielen Anwohnern nicht klar, dass sie künftig stärker von Fluglärm betroffen sind. Entsprechend massiv fallen nun - nach Inbetriebnahme - die Proteste aus. Die Ausbaugegner erwarten, dass ähnliches in einigen Jahren auch in München droht.