Flughafen Klagen über Nachtflüge häufen sich

Auch nachts gibt es im Tower am Flughafen viel zu tun, denn ein striktes Nachtflugverbot gibt es zum Leidwesen der Anwohner nicht.

(Foto: Marco Einfeldt)

In Einzelfällen kann die Flughafengesellschaft helfen, indem sie Routen besonders lauter Maschinen verlegt. Doch die Nachfrage nach Flugbewegungen in den Randzeiten steigt, OB Eschenbacher schlägt höhere Gebühren vor

Von Peter Becker, Flughafen

Hört sich Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher, der zugleich Vorsitzender der Fluglärmkommission ist, bei Bürgerversammlungen um, dann klagen viele darüber, dass die Nachtflüge am Flughafen zugenommen haben. Dass dies kein subjektives Empfinden ist, bestätigten Hermann Blomeyer und Josef Schwendner von der Flughafen München GmbH (FMG). "Die Nachfrage ist da", sagten beide in der Sitzung der Fluglärmkommission am Montag.

Ein striktes Nachtflugverbot gibt es am Flughafen im Moos nicht, sondern nur eine Regelung. Als Kernzeit, während der keine Starts und Landungen stattfinden sollten, gelten die Stunden zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens. In den Randflugzeiten nach 22 Uhr sowie zwischen 5 und 6 Uhr morgens ist ein gewisser Flugverkehr möglich.

Blomeyer bezeichnete die Nachtflugregelung am Flughafen als modern, weil sie ein Lärmkontingent enthalte. Dieses errechnet sich aus den eingesetzten Flugzeugtypen sowie den Starts und Landungen pro Durchschnittsnacht in einem Kalenderjahr. Der Wert für das zulässige Lärmvolumen liegt bei 105. Dieses hatte die FMG im Jahr 2017 zu 65 Prozent ausgenutzt. Die Tendenz im laufenden Jahr ist steigend, nach den Monaten Januar bis Oktober sind es 69 Prozent. Im Jahr 2017 fanden täglich laut FMG-Statistik 72 Flüge nachts statt, die Tendenz ist steigend. Nach der seit 2001 geltenden Nachtflugregel wären laut Blomeyer 97 bis 100 erlaubt. Eine starke Nachfrage verzeichnet er bei den planmäßigen Flugbewegungen. Erlaubt sind maximal 28 in der Zeit von 22 bis 23.30 Uhr. Ausnahmen gelten für verspätete Starts und Landungen, auch für Interkontinentalflüge. Und die nehmen deutlich zu. Gründe dafür sind laut Blomeyer in der Gesamtsituation im Luftraum, den schwierigen Wetterlagen und der Situation bei der Flugsicherung zu suchen. Die Regierung gewährt zudem Ausnahmen bei Staatsbesuchen, Fußballspielen oder Katastropheneinsätzen. Eine Zunahme gibt es bei den Starts und Landungen von Flugzeugtypen, die einen Lärmwert von 75 Dezibel nicht überschreiten. Doch was dem Flughafen als leise gilt, trifft auf den Bürger noch lange nicht zu. Dem sei es egal, ob er mit 75 oder 85 Dezibel aus dem Schlaf gerissen werde, sagte Eschenbacher. Im Baurecht werde über wesentlich niedrigere Werte in Wohngebieten diskutiert.

Um Grenzwerte einzuhalten, gibt es ein Nachtflugmanagement. Da werden dann Flugrouten etwa von lauten Flugzeugen schon mal verlegt. Schwendner sagte, es sei gelungen, über Eitting einen besonders lauten Überflug einer thailändischen Maschine "wegzumanagen". Flüge des Airbus 380 nach Asien wurden zum Verdruss von Kirchdorfs Bürgermeister Uwe Gerlsbeck von der Süd- auf die Nordbahn verlegt. Er machte auf eine Diskrepanz zwischen den planmäßigen und den tatsächlichen Abflugzeiten aufmerksam. Eigentlich sollten die Maschinen Kirchdorf weit vor 23 Uhr überflogen haben. Ein Lufthansa-Sprecher sagte, man würde gerne planmäßig fliegen, doch leide man selbst ständig unter Verzögerungen, die sich durch den ganzen Tag zögen. Schwendner betonte, die FMG habe kein Interesse daran, Interkontinentalflüge mit lauten Flugzeugen in die Nachtstunden zu verlegen. Dies gehe zu sehr zu Lasten des Lärmvolumenkontos.

Eschenbacher fragte, ob man der Nachfrage immer nachgeben müsse, 76 Flüge pro Nacht grenzten an Dauerbetrieb. Er hätte gern die Nachtflüge über höhere Entgelte für Fluggesellschaften geregelt. "Wir haben das im Fokus", sagte Schwendner.