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Flüchtlingshelfer klagen:"Es ist extrem schwierig"

Viele Vermieter haben Vorbehalte gegen Asylbewerber. Allein in der Stadt Freising fehlen bis zu 600 zusätzliche Wohnungen

Landkreisweit, so wurde bei der Sitzung des Neufahrner Sozialbeirats am Donnerstag bekannt, gibt es derzeit 54 Fehlbelegungen von Asylbewerberunterkünften. Im Freisinger Landratsamt weiß man das natürlich. Für Pressesprecherin Eva Dörpinghaus ist das aber gar nicht das drängendste Problem. Sorgen bereiten ihr eher die zusätzlichen 700 Asylbewerber, die der Landkreis bis Jahresende noch unterbringen muss, wie sie sagt. Im Vergleich dazu nehme sich die Zahl der 54 Fehlbeleger gering aus.

Überdies seien die Gemeinden von dem Problem ja gar nicht direkt betroffen. "Das ist ein Problem des Landkreises und nicht der Kommunen. Wir lassen die Asylbewerber mit Bleiberecht ja in den Unterkünften drin. Sonst könnten sie sich in der Gemeinde, in der sie leben, obdachlos melden und dann wird das Ganze nur verlagert."

Kritischer sieht das beispielsweise der Wanger Bürgermeister Hans Eichinger. Wang habe derzeit drei "Fehlbeleger" und zu sagen, das sei Sache des Landkreises und nicht der Gemeinde, sei zu einfach. "Diese Personen mit Bleiberecht melden sich ja trotzdem bei uns, weil sie eine eigene Wohnung und aus der Unterkunft raus wollen". In den Asylbewerberunterkünften sei ja auch nicht alles ideal, so der Wanger Bürgermeister. "Da muss ein Kühlschrank für acht Leute reichen, oder die einen gehen erst um eins ins Bett und die anderen müssen um drei schon wieder aufstehen, weil sie einen Job in Moosburg haben."

Wohnungen für Asylbewerber mit Bleiberecht zu finden, ist aber eine Herausforderung. "Es ist extrem schwierig", schildert das Franz Asbeck von der BI in Au, die sich um Asylbewerber kümmert. "Es ist ein Riesenproblem, selbst bei uns mit den relativ günstigen Mieten." Für Flüchtlinge mit Bleiberecht, "da fängt das Leben ja erst an", erzählt Asbeck weiter. "Dann wollen sie raus aus der Unterkunft, eine eigene Wohnung, auf eigenen Füßen stehen. Und wir gehen dann auch mit zum Vermieter und kümmern uns." Aber viele sagten Nein, hätten Vorbehalte. "Dabei sind das bei uns alles problemlose Leute", versicherte Asbeck. Die BI in Au betreue derzeit 52 Asylbewerber "und mehr geht auch nicht, mehr schaffen wir nicht mehr", sagte er.

Ganz und gar chancenlos ist dieser Personenkreis bei der Wohnungssuche in der Stadt Freising. "Wir bräuchten auf den Schlag 500 bis 600 zusätzliche Wohnungen. Dann wäre der Druck erst mal weg", erklärt Robert Zellner vom Amt für Soziale Angelegenheiten. Weil es die so schnell nicht geben wird, werde sich das Problem auch nicht lösen. Zellner macht auch keinen Unterschied mehr zwischen Flüchtlingen mit Bleiberecht und den vielen anderen, die auf dem Freisinger Wohnungsmarkt durchs Raster fallen.

Alle wollten auch da wohnen, wo es Arbeit gebe. "Vielleicht kippt das Ganze, wenn die Gewerbebetriebe irgendwann davon absehen, sich hier anzusiedeln, weil sie für ihre Mitarbeiter keine Wohnungen finden." Vielleicht würden die Gemeinden dann Grundstücke für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen. "Aber da bin ich auch wenig zuversichtlich", so Zellner.

© SZ vom 31.03.2015
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