Landkreis FreisingFlüchtlings- und Integrationsberatung steht vor dem Aus

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Derzeit leben etwa 2500 Asylsuchende im Landkreis Freising - in 94 dezentralen Häusern und Wohnungen sowie vier Gemeinschaftsunterkünften (im Bild die Unterkunft in Hallbergmoos). Viele von ihnen werden von der Caritas, der Diakonie und InVia betreut - noch.
Derzeit leben etwa 2500 Asylsuchende im Landkreis Freising - in 94 dezentralen Häusern und Wohnungen sowie vier Gemeinschaftsunterkünften (im Bild die Unterkunft in Hallbergmoos). Viele von ihnen werden von der Caritas, der Diakonie und InVia betreut - noch. Marco Einfeldt

Die drei freien Träger der Flüchtlingsberatung werden 2025 vom Landkreis nicht mehr bezuschusst. Das Angebot ist stark gefährdet. Auch die ehrenamtlichen Helferkreise warnen vor den Folgen.

Von Gudrun Regelein, Freising

Der Antrag der Caritas, der Diakonie und von InVia auf eine Kofinanzierung der Flüchtlings- und Integrationsberatung für das Jahr 2025 ist in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses abgelehnt worden. Bislang hatten die drei freien Träger vom Landkreis als freiwillige Leistung einen Sachkostenzuschuss bekommen – zuletzt betrug dieser knapp 100 000 Euro. Die Verwaltung wurde vom Kreisausschuss beauftragt, nun gemeinsam mit den freien Trägern über weitere Unterstützungsmöglichkeiten zu verhandeln – mit dem Ziel, die Flüchtlings- und Integrationsberatung aufrechtzuerhalten.

Er habe schon damit gerechnet, dass es weitergehe, dass die drei freien Träger weiterhin vom Landkreis bezuschusst würden, sagt Markus Mehner von der Caritas Freising. „Auch, da ja immer wieder signalisiert wurde, wie wichtig unser Angebot ist.“ Die Träger seien nun in einer schwierigen Situation: „Wir brauchen den Zuschuss, ohne ihn können wir die Flüchtlingsberatung langfristig nicht mehr anbieten“, sagt Mehner. Die Mittel von der Regierung alleine reichten nicht aus. Er hoffe, dass es doch noch eine Lösung gebe, betont er. Der Vorschlag des Landratsamtes, kostenfreie Räume für die Beratung zur Verfügung zu stellen, sei aber keine. „Dieses Angebot gibt es bereits und das nutzen wir auch“, sagt Mehner.

Andernfalls werde man sich sukzessive aus der Beratung zurückziehen müssen. Dann müsse das Landratsamt die Beratung und Betreuung der Flüchtlinge im Landkreis übernehmen – die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer seien bereits an ihre Grenzen gelangt.

Brandbrief von den Helferkreisen

Tatsächlich sehen die Helferkreise die inzwischen beschlossene Streichung mit großer Sorge. Schon vor einigen Tagen schickten die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer per E-Mail einen Brandbrief an die Mitglieder des Kreisausschusses, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Darin wird gewarnt, dass diese Streichung gravierende Folgen habe.

Schon heute seien die freien Träger weniger präsent als eigentlich notwendig, schreiben die Helfer. Bereits jetzt gebe es für Flüchtlinge lange Wartezeiten bei den Trägern, um einen Beratungstermin zu erhalten. Diese Lücke könne nicht mehr durch die Helferkreise geschlossen werden.

Die Arbeit der Helferkreise bestehe schon heute zu einem übergroßen Teil aus Erledigung von Verwaltungsaufgaben und der Begleitung bei Behördengängen, heißt es in dem Schreiben. Zu kurz kämen dagegen die Alltagsbegleitung und Integration, die eigentlichen Aufgaben der Helferkreise: „Es gibt keine Kapazitäten mehr bei den Ehrenamtlichen, um Kontakte zu intensivieren und den Menschen zu helfen, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden, sich gut und schnell zu integrieren.“

Lücke in der Betreuung wird größer

Sollte sich durch die Kürzungen die Lücke in der Betreuung noch weiter vergrößern, dann werden die Helferkreise diese nicht weiter stopfen können, befürchten die ehrenamtlichen Helfer. Eine Folge wäre unter anderem ein Mehraufwand für die Verwaltung. Denn Formulare würden von den Flüchtlingen dann häufiger unvollständig und weniger zeitgerecht eingereicht.

Zudem würden die Flüchtlinge das Leben in Deutschland und die deutsche Kultur noch weniger kennenlernen. Schlechtere Deutschkenntnisse der Erwachsenen – und geringere schulische Erfolge der Kinder seien zu befürchten. Das aber habe langfristig gesehen wieder Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Fachkräfte aus dem Ausland, auf die die Wirtschaft dringend angewiesen sei, beobachteten sehr genau, wie die deutsche Gesellschaft mit Migranten umgehe. „Da können sich Krankenhaus, Pflegeheime und andere Arbeitgeber noch so sehr anstrengen, der deutsche Arbeitsmarkt wird damit zunehmend unattraktiv“, schreiben die Helferkreise. 

Sozialpolitik sei Sicherheitspolitik, heißt es

Dass die Haushaltslage des Landkreises angespannt ist, sei bekannt. Grund dafür sei die mangelnde finanzielle Ausstattung der Kommunen durch den Bund und den Freistaat Bayern. „Kurzfristig mag man mit einer Mittelkürzung für die Asylsozialberatung Geld sparen. Langfristig kommt einem die Aushöhlung von funktionierenden Strukturen teuer zu stehen“, heißt es. Sozialpolitik sei Sicherheitspolitik – Investition in Vorbeugung zahle sich aus. „Wer heute spart, zahlt morgen doppelt.“

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