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Finanzprobleme beim Berater:Schulden-Hilfe-Verein in Geldnot

Der Schulden-Hilfe-Verein in Freising schlägt Alarm: Die Zukunft der Schuldnerberatung ist ungewiss. Es mangelt an Geld.

Der Schulden-Hilfe-Verein (SHV) Freising schlägt Alarm: Weil es der Schuldnerberatung an Geld mangelt, liege "ein dunkler Schatten" auf der Zukunft des Vereins, teilt Pressesprecherin Silvia Kramer mit. "Wir sind absolut am Limit", bestätigt Wolfgang Schwarz, Leiter der Beratungsstelle im Haus der Vereine. Er fordert vom Landkreis Freising eine finanzielle Unterstützung. Landrat Michael Schwaiger (FW) sieht dafür keinen Anlass: Mit der an die Caritas delegierten Schuldnerberatung sei der Landkreis "mehr als ausreichend versorgt".

Geldbeutel mit Euro-Scheinen, 2001

Die Zukunft des Schulden-Hilfe-Vereins ist ungewiss: Die Schuldnerberatung hat Finanzprobleme.

(Foto: ag.ddp)

Die von Caritas und dem SHV angebotene Schuldnerberatung kümmert sich zum einen um Privatinsolvenzen. Diese werden vom bayerischen Sozialministerium mit Pauschalen finanziert. Die Sätze seien seit zehn Jahren unverändert - und nicht kostendeckend, berichtet Günter Miß vom Freisinger Caritas-Zentrum. "Je nach Anzahl der Gläubiger, mit denen verhandelt wurde, gibt es Geld - bei weniger als fünf Gläubigern gerade mal 338 Euro." Damit seien sämtliche Beratungsgespräche, Verhandlungen und Telefonate sowie Verwaltungsarbeit abgegolten. Die Sozialverbände protestierten gegen diese niedrigen Pauschalen "bislang ohne Erfolg", so Miß.

"Uns fehlen die personellen und finanziellen Ressourcen"

Weiterhin kommt die Schuldnerberatung Menschen zugute, die Arbeitslosengeld II beziehen oder davon bedroht sind. Diese Pflichtaufgabe hat der Landkreis auf die Caritas übertragen: "Wir sind für den Landkreis tätig, der eineinhalb Stellen unserer Schuldnerberatung bestreitet", schildert Miß. Das Personal bestreite auch die Präventionsarbeit an Schulen. Insgesamt wickelt die Caritas 300 bis 350 Fälle im Jahr ab, davon entfallen 80 bis 100 auf Privatinsolvenzen.

Auf etwa 145 Personen, die in der Insolvenz- und allgemeinen Beratung unterstützt werden, kommt der SHV. Der Verein engagiert sich außerdem für die Prävention und organisiert Selbsthilfegruppen. Dafür seien im vergangenen Jahr 4000 ehrenamtliche Stunden geleistet worden, teilt Silvia Kramer mit. Heuer sei ein ähnlicher Aufwand zu erwarten. Zusätzlich beschäftigt der SHV noch den zertifizierten Schuldnerberater Wolfgang Schwarz. Dieser befürchtet nun, am Jahresende seine Kündigung zu erhalten, weil für 2011 die Finanzierung der Geschäftsstelle nicht gesichert sei: "Wir haben eine riesige Nachfrage, aber es fehlen uns die personellen und finanziellen Ressourcen", schildert er.

Es werden "händeringend" Sponsoren gesucht

Einspringen soll der Landkreis. "Laut Schuldenatlas leben hier etwa 6,3 Prozent Menschen mit einem negativen Eintrag bei Creditreform oder Schufa - das sind etwa 12.000 Einwohner", rechnet Schwarz vor. Die Caritas allein könne diese Aufgabe nicht bewältigen. Eine "weiterhin sehr hohe Nachfrage" bestätigt Günter Miß und streitet auch nicht ab, dass es für Betroffene zu Wartezeiten komme.

"Wir haben deshalb eine Telefonsprechstunde eingeführt, in der wir Dinge vorab klären können. Um echte Krisen wie eine drohende Stromsperre oder Wohnungsräumung abwenden zu können ermöglichen wir innerhalb von zehn Tagen einen Termin." Die Sprecherin des Landratsamts, Eva Dörpinghaus, versichert ebenfalls, dass Betroffenen "zeitnah" Termine angeboten würden: "Wir sind mit der Caritas bestens zufrieden."

Bereits zu Jahresbeginn hat der SHV den Landkreis um eine Förderung gebeten. In zwei Schreiben bekräftigte Landrat Schwaiger jedoch: "Wir beabsichtigen derzeit nicht, die Dienste des Vereins in Anspruch zu nehmen." Zumal sich der Landkreis mit einem Beitrag von 91.000 Euro an die Caritas über seine gesetzlichen Verpflichtungen hinaus engagiere, betont Dörpinghaus.

Das drohende Aus für den Beratungsdienst würde den SHV ausgerechnet 2011, im Jahr seines zehnjährigen Bestehens, treffen; einen Verein, der 2009 beim bundesweiten Wettbewerb startsocial, der soziale Ideen und Projekte fördert, ausgezeichnet wurde: als einer der 25 besten Vereine in Deutschland. So sucht der SHV jetzt "händeringend" Sponsoren, wie Silvia Kramer sagt. Schwarz wiederum hofft, dass mit Landkreis und Caritas ein "runder Tisch" zustande kommt: "Wir sind am Ende unseres Lateins. So können wir nicht weiterarbeiten."