KommunalfinanzenEin Ende des Finanzchaos ist in Sicht

In monatelanger Arbeit haben sich Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton zusammen mit der Landkreiskämmerei durch alte Unterlagen gewühlt.
In monatelanger Arbeit haben sich Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton zusammen mit der Landkreiskämmerei durch alte Unterlagen gewühlt. Peter Kneffel

Nach 16 Jahren ohne Jahresabschlüsse hat der Freisinger Kreistag im dritten Anlauf die entscheidende Bilanz beschlossen. Jetzt kann die Aufholjagd beginnen.

Von Kerstin Vogel, Freising

Es ist vollbracht: Nach 16 Jahren und zwei gescheiterten Versuchen hat der Landkreis Freising seinen ersten Jahresabschluss seit 2010 erstellen können. Der Kreistag hat die Eröffnungsbilanz 3.0 beschlossen. Jetzt kann begonnen werden, den riesigen Rückstau aufzuarbeiten. Landrat Helmut Petz (Freie Wähler) sprach von einem „historischen Ereignis“.

Die Misere begann 2010 mit der Umstellung der Haushaltsführung von Kameralistik auf Doppik. Die dafür bereits verspätet erstellte erste Bilanz von 2013 wies der Bayerische Kommunale Prüfungsverband (BKPV) als „dem Grunde nach unbrauchbar“ zurück. Auch ein zweiter Versuch von 2021 scheiterte: Zwischen den beiden Versionen klafften Abweichungen in Millionenhöhe – beim Posten „Eigenkapital“ waren das etwa stolze 27,3 Millionen Euro.

Im Mai 2025 holte man sich externe Hilfe von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton. Der BKPV wurde gleich eingebunden – und diese Strategie scheint aufgegangen zu sein. Die von den Experten ermittelte Bilanzsumme beläuft sich auf  154,5 Millionen Euro, davon 120,3 Millionen Sachanlagen. Der Landkreis hat demnach 2010 einen Jahresüberschuss von mehr als acht Millionen Euro erwirtschaftet. Zwar sagt das nichts über die aktuelle Situation aus, Landrat Petz geht aber davon aus, dass man einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in den Rücklagen hat.

Eröffnungsbilanz und Jahresabschluss 2010 werden nun an die Prüfbehörden übergeben. Die Aufholjagd hat begonnen: Bis zur Sommerpause sollen ein bis zwei weitere Jahresabschlüsse vorgelegt werden. Grant Thornton geht davon aus, drei Jahresabschlüsse pro Jahr erarbeiten zu können.

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