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Gleichberechtigt bei der Feuerwehr:"Frauen sind genauso leistungsfähig"

Frauen absolvieren auch die anspruchsvolle Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger.

(Foto: Claus Schunk)

Von den 3833 aktiven Feuerwehrleuten im Landkreis sind 236 Frauen. Bei der Jugend ist es bereits ein Viertel. Nicht nur Kreisbrandrat Manfred Danner hofft, dass mehr junge Frauen eintreten und den Nachwuchsmangel lindern.

Gerade ist er von einem Einsatz zurückgekommen, berichtet der Feuerwehrmann Florian Wöhrl. Acht Leute sind dabei gewesen: Vier von ihnen Frauen, die anderen vier Männer. Feuerwehrfrau: Früher war das noch etwas sehr Exotisches, heute dagegen sei es ganz normal, sagt Wöhrl. Er ist Gruppenführer bei der Hauptfeuerwache Freising und kümmert sich auch um die Öffentlichkeitsarbeit der Freiwilligen Feuerwehr Freising. Diese zählt derzeit 205 Aktive. "33 darunter sind weiblich, das sind etwa fünfzehn Prozent." Besondere Umstände würden deshalb aber nicht gemacht. Die Schutzkleidung beispielsweise werde hinter den Fahrzeugen angezogen, da gebe es keine getrennte Kabinen für Frauen und Männer.

Unterschiede werden auch bei den Einsätzen nicht gemacht, erzählt Wöhrl, die Helfer würden allein nach ihren Fähigkeiten und ihrer Ausbildung eingesetzt. "Frauen sind genauso leistungsfähig. Es gibt kräftige, sportliche und trainierte Frauen und es gibt weniger fitte Männer", sagt er. Grundsätzlich könnten Frauen überall eingesetzt werden, sie können genauso schwere körperliche Tätigkeiten übernehmen und beispielsweise Atemschutzmasken tragen.

Vor 30 Jahren war das anders

Vor knapp 30 Jahren, als Wöhrl bei der Feuerwehr begann, sei das alles noch ganz anders gewesen. "Damals war es ein reiner Männerladen." Erst zur Jahrtausendwende hätten sich dann die ersten Frauen in die Höhle des Löwen gewagt, erzählt er. Zunächst gab es dagegen noch Vorbehalte, sagt Wöhrl offen, das habe sich dann allerdings schnell gelegt. "Bei der Jugend von heute ist das definitiv kein Thema mehr, vielleicht ist das ja auch eine Generationenfrage", kann er sich vorstellen.

Anne Kathrin Beck beispielsweise: Sie ist bei der Freisinger Feuerwehr, seitdem sie 15 Jahre alt war. Über eine Freundin ist sie damals zur Jugendfeuerwehr gekommen. Als sie dann 18 Jahre alt wurde, fuhr sie bei Einsätzen mit und begann Lehrgänge, wie den für Motorsägen, die Absturzsicherung und den Atemschutzgeräteträger, zu machen. "Das fand ich spannend", sagt Beck. Inzwischen ist sie 22 Jahre alt und die Feuerwehr gehört zu ihrem Leben dazu. "Jede Situation ist anders, es wird nie langweilig", sagt sie. Vor Kurzem hat sie auch die Ausbildung zur Feuerwehrsantitäterin gemacht, "das war cool". Dass sie als Frau bei der Feuerwehr noch in der Minderheit ist, sei kein Problem. "Ich werde in der Gruppe als Frau akzeptiert." Das Geschlecht solle bei der Überlegung, ob man zur Feuerwehr gehen wolle, keine Rolle spielen, sagt sie. "Das ist völlig wurscht."

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Auch bei den Feuerwehren im übrigen Landkreis Freising sind Frauen inzwischen Normalität, bestätigt Kreisbrandrat Manfred Danner. In den 82 Freiwillige Feuerwehren und drei Werkfeuerwehren im Kreis Freising sind insgesamt 3628 Feuerwehrleute aktiv, zählt Danner auf, davon sind 203 weiblich. In der Jugend gebe es deutlich mehr: Dort sei bereits etwa ein Viertel Mädchen. Neu aber seien Feuerwehrfrauen auf dem Lande nicht, bereits vor 30 Jahren habe es diese gegeben.

"Ich war emanzipiert in guter Zusammenarbeit mit den Männern"

Rita Rattenhuber zum Beispiel zählt zu den Frauen der erste Stunde. 1981, damals war sie 40 Jahre alt, trat sie - gemeinsam mit zwölf weiteren Frauen - in die Feuerwehr Sünzhausen ein. Ihr Mann war dort viele Jahre lang Feuerwehrkommandant, erzählt sie. Er gab auch den Anstoß für sie: "Irgendwann sagte er zu mir, Frauen in der Feuerwehr sind wichtig, weil Männer tagsüber ja bei der Arbeit sind." Sie und die anderen Sünzhausener Frauen seien dann so ziemlich die ersten im Landkreis bei der Feuerwehr gewesen. Rita Rattenhuber absolvierte dann Ausbildungen und fuhr Einsätze mit. "Für einen Einsatz habe ich alles liegen und stehen gelassen", erzählt die heute 78-Jährige. "Ich war emanzipiert in guter Zusammenarbeit mit den Männern." 17 Jahre lang war Rattenhuber dann auch die Frauenbeauftragte bei der Feuerwehr im Landkreis - und hat in dieser Zeit immer darum geworben, dass noch mehr Frauen bei der Feuerwehr eintreten. "Das war eine sehr schöne Zeit, die ich nicht missen möchte. Ich habe sehr viel gelernt."

Auf die Frage, ob er sich noch mehr Frauen bei der Feuerwehr wünschen würde, hat der Kreisbrandrat sofort eine Antwort parat: "Wir haben generell zu wenige Leute", sagt Danner. Gerade tagsüber sei es oft schwierig, denn viele Feuerwehrleute arbeiteten nicht vor Ort und seien nicht erreichbar. Oft seien es junge Frauen, die wegen der Kinder in Elternzeit seien, die dann mit ausrücken können. Einmal, so erzählt Danner, hätten zwei junge Mütter ihre beiden noch sehr kleinen Kinder zur Betreuung ins Rathaus in Langenbach gebracht, um mit zu einem Einsatz fahren zu können. Frauen, so sagt Danner, seien bei der Feuerwehr inzwischen schon längst keine Ausnahme mehr - und für diesen Dienst genauso geeignet wie Männer. Früher habe es sogar schon Kommandantinnen im Landkreis gegeben, berichtet Danner. "Auch die sind in dieser Führungsposition von den Feuerwehrmännern akzeptiert worden."

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